Formel1

"Frage ist, ob das sein muss" In Mick Schumacher wächst die Wut

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Voll fokussiert.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Das teaminterne Duell ist für die Haas-Piloten Schumacher und Mazepin das einzige in dieser Saison, das sie gewinnen können. Beim Großen Preis von Frankreich kommen sich die beiden Formel-1-Neulinge auf der Strecke zum wiederholten Mal sehr nah. Der Deutsche zieht daraus eindeutige Schlüsse.

Für Mick Schumacher gibt es in seiner Debütsaison in der Formel 1 nur ein einziges Duell zu gewinnen. Das gegen seinen Teamkollegen Nikita Mazepin. Denn der VF-21, den die beiden Rookies von Haas als Arbeitsgerät erhalten, ist besonders in den Rennen so viel schwächer als alle anderen Boliden, dass ein Kampf um die Positionen nur intern funktioniert. Und dieses Duell gibt Teamchef Günther Steiner sogar ausdrücklich vor: "Unser Auto ist nämlich so langsam, dass wir nicht mit anderen kämpfen können. Dann kämpfen sie halt miteinander, und das müssen sie auch tun. So hat man zumindest ein Ziel."

Wie der Weg an dieses Ziel aussieht, darüber scheint es zwischen Schumacher und Mazepin allerdings grundverschiedene Ansichten zu geben. "Ob das sein muss, ist die Frage", sagte Schumacher nach dem Großen Preis von Frankreich und meinte damit das Überholmanöver in der vierten Runde. In Kurve drei schob sich Mazepin auf der Bremse neben den Formel-2-Champion des vergangenen Jahres. Hätte Schumacher nicht die Lenkung geöffnet und den Umweg über die Auslaufzone gewählt, hätte es in Kurve vier einen Unfall gegeben und potenziell das Rennende für beide Haas-Fahrer.

Das "muss nicht sein", analysierte Schumacher in seiner gewohnt sachlichen Art, schränkte allerdings ein, "dass ich da mit dem Team noch einmal drüber reden muss." Ein solches Gespräch hatte es bereits vom vorangegangenen Rennen in Baku gegeben, als Mazepin sich kurz vor der Zieldurchfahrt bei Tempo 330 so hart verteidigte, dass Schumacher über den Boxenfunk fluchend fragte, ob er sich und seinen Teamkollegen umbringen wolle. Ganz so harsch waren Reaktion und auch Rennmanöver diesmal nicht, so der 22-Jährige: "Es ist natürlich auch irgendwo Racing. Von daher, alles okay."

Mazepin "absolut überfordert"?

"Okay" ist aber eben nicht "gut", weshalb es zum wiederholten Mal Klärungsbedarf infolge einer Mazepin-Aktion gab. Auf dem Circuit Paul Ricard war es an diesem Wochenende der eigene Stallgefährte, der darauf reagieren musste. An den bislang sieben Rennwochenenden der Saison 2021 hat Mazepin es sich allerdings bereits mit einem bedeutenden Teil des Fahrerfeldes verscherzt. Weil er etwa bei Überrundungen nicht ordentlich Platz machte oder im Qualifying trotz einer anderslautenden Abmachung unter den Piloten im letzten Sektor überholte, um nur zwei prominente Beispiele zu nennen.

Teamchef Steiner muss dabei einen Konflikt moderieren, managen und bis zu einem gewissen Punkt auch mit sich selbst ausmachen. Denn Mazepin ist nicht nur sein Pilot, sondern dessen Vater auch Namenssponsor und somit Hauptfinanzier des Rennstalls. Der Vorwurf des Paydriver-Daseins, der eher aufgrund von Sponsorenverträgen und weniger dank seiner fahrerischen Klasse eines der 20 Cockpits in der Königsklasse bekommen hat, hängt Mazepin an und bisher gelingt es ihm nicht, seine Formel-1-Tauglichkeit nachzuweisen.

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So sah es auch am Rennende in Frankreich aus: Schumacher vor Mazepin.

(Foto: imago images/HochZwei)

Ralf Schumacher, der als Sky-Experte mit klaren Einschätzungen nicht zurückhaltend ist, kritisierte den Russen scharf: Mazepin sei in seinen Augen "absolut überfordert", was auch das Überholmanöver in Le Castellet zeige: "Da fährt er einfach zu schnell rein und er lässt gar keinen Platz. Es ist Gott sei Dank nichts passiert, weil Mick reagiert und in den Spiegel schaut, sonst sind beide draußen."

Steiner dagegen sah die Beinahe-Berührung seiner Piloten etwas gelassener: "Es war hartes Racing, aber keinesfalls unfair." Und "um ehrlich zu sein", so der ebenfalls für seine deutlichen Aussagen bekannte und geschätzte Italiener, müsse Mazepin so etwas auch versuchen: "Wenn er das nicht macht, kommt er auch nirgends hin, muss ich auch so sagen." Mick Schumachers Einschätzung deutet jedoch darauf hin, dass das Haas-interne Duell sich in den kommenden Grand Prix weiter zuspitzen dürfte: "Ich glaube, dass das wahrscheinlich so sein Stil ist, dass wir uns auf dem Level vielleicht nicht ganz verstehen." Was ihn zu der Folgerung verleitet: "Im Endeffekt müssen wir da vielleicht alle unsere Ellbogen ausfahren."

Russell zieht an Schumacher vorbei

Eine im ersten Moment durchaus ungewohnte Aussage von Schumacher, die allerdings zu seiner Entwicklung in den Nachwuchsklassen passt. Da war es nämlich seine Stärke, aus der Analyse der Umstände die richtigen Schlüsse zu ziehen und anschließend einen Weg zum Erfolg zu finden. Der in dieser Saison wohl nur darin bestehen kann, Mazepin konstant hinter sich zu halten, ab und an einen Williams zu ärgern und im Qualifying mal zwei, drei vermeintliche stärkere Autos zu schlagen.

So wie es dem 22-Jährigen am Samstag in Frankreich gelungen war, als er sich als 15. erstmals für das Q2 qualifizierte, dort aber wegen seines Abflugs zum Ende des ersten Abschnitts nicht mehr teilnehmen konnte. Wie schon in Monaco und Baku zwang er seine Mechaniker zu Reparaturen durch Fehler, die Schumacher allerdings nicht schönredet. "Fehler gehören zum Lernprozess dazu", sagte er nach seinem Unfall in Frankreich: "Aber nichtsdestotrotz sehen wir eine kontinuierliche Verbesserung."

Das kleine bisschen Wut, das in Schumacher zu wachsen scheint, kann dabei sicher hilfreich sein. Denn die Aufgabe für Haas ist nicht leichter geworden. Weil George Russell im Williams in Frankreich als Zwölfter die Zielflagge sah, zog der Brite in der Fahrerwertung an Schumacher vorbei, der sich nun auf Platz 18 wiederfindet. Weil beide noch ohne Punkte sind, zählt das beste Einzelergebnis, für den Deutschen ist das Platz 13 aus Aserbaidschan. Auch in der Konstrukteurswertung folgte daraus eine Änderung: Williams ist nun Vorletzter und Haas wieder Letzter.

Das Duell mit dem britischen Traditionsrennstall ist allerdings eines, in dem niemand von Schumacher einen Sieg erwartet. Dass er phasenweise mithalten kann und in Portugal sogar Nicholas Latifi auf der Strecke überholte, ist schon mehr, als zu erwarten war, nachdem Haas schon früh alle Entwicklungskapazitäten auf das neue Auto für die Saison 2022 verschoben hatte. Umso mehr Bedeutung kommt daher dem Duell mit Mazepin zu, den Schumacher in Frankreich trotz dessen harten Überholmanövers am Ende klar hinter sich ließ. Und das nun merklich an Schärfe gewinnt.

Quelle: ntv.de

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