Formel1

Formel-1-Lehren aus Frankreich Verstappen sieht aus wie ein Weltmeister

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Verstappen baute in Le Castellet seine WM-Führung aus.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Den Großen Preis von Frankreich gewinnt Verstappen spät, aber verdient. Red Bull scheint Mercedes in der Formel-1-Saison 2021 tatsächlich mindestens ebenbürtig. Und gewinnt endlich mal das Duell der zweiten Fahrer. Bei den deutschen Piloten ist noch Luft nach oben.

Verstappen kann die Mercedes-Dominanz brechen

Die Anzeichen verdichten sich, dass erstmals seit 2013 der Formel-1-Weltmeister nicht am Steuer eines Mercedes sitzt. Verstappen ist trotz seiner erst 23 Jahre endgültig titelreif, auch sein Red Bull hat endlich die notwendigen Allround-Qualitäten. Le Castellet galt bis zu diesem Wochenende als Mercedes-Strecke, Red Bull war aber im Süden Frankreichs die dominierende Kraft. Und: Selbst bei der Strategie, in der Vergangenheit oft ein Mercedes-Trumpf in kniffligen Situationen, hatte diesmal der WM-Herausforderer das bessere Händchen.

Dazu kommt, dass Red Bull allem Anschein nach endlich sein "Problem" im zweiten Auto behoben hat. Weder Pierre Gasly noch Alexander Albon war es in den Vorjahren gelungen, konstant in den Top Vier mitzufahren. Genau das schafft jetzt Sergio Pérez. Nach einem holprigen Start in die Saison kam er in den vergangenen fünf Rennen viermal mindestens als Vierter ins Ziel, holte dreimal in Folge zudem mehr Punkte als Valtteri Bottas, die Nummer zwei bei Mercedes. Und so führt Red Bull dann eben auch die Konstrukteurswertung an, und das schon mit einem beeindruckenden Vorsprung von 37 Punkten (Red Bull 215, Mercedes 178).

Mercedes kann Red Bulls Fehler nicht bestrafen

Mercedes ist somit so stark gefordert wie in den letzten sieben Jahren nicht. 2017 und 2018 stellten Ferrari und Sebastian Vettel den Dauerweltmeister zwar phasenweise vor Probleme, doch die Silbernen hatten immer wieder ihre Momente der Dominanz - und holten sich die Titel letztlich doch souverän. Diese Dominanz vermisst man aber in dieser Saison trotz drei Hamilton-Siegen in sieben Rennen, denn keiner seiner Triumphe war deutlich, und auch Verstappen steht bereits bei drei ersten Plätzen. Die Schwierigkeiten in Monaco und Baku taten weh, waren aber ein Stück weit einkalkuliert. Dass man in Le Castellet aber nicht mal einen Fehler Verstappens, der sich in der zweiten Kurve folgenschwer verbremste, ausnutzen konnte, bereitet Sorge bei Mercedes.

Bei Valtteri Bottas verdichten sich derweil die Indizien, dass er nach der Saison seinen Platz verliert. Als WM-Fünfter liegt er deutlich hinter Pérez, das Duo Verstappen/Hamilton ist für den Finnen längst außer Reichweite. In Le Castellet war er am Rennende seinem Schicksal - von beiden Red Bulls überholt zu werden - hilflos ausgeliefert, die Ein-Stopp-Strategie ließ ihm keinen Grip mehr auf den Reifen. Entsprechend verärgert funkte er an die Box: "Warum hört mir denn niemand zu, wenn ich sage, dass das ein Zweistopper ist?" Und auch wenn Teamchef Toto Wolff sagte: "Ich finde das super. Endlich mal kritisiert er" - dass George Russell spätestens zur neuen Saison im Mercedes sitzt, wird mit jedem Punkt wahrscheinlicher, den der Seriensieger auf Red Bull verliert.

Vettel ist auf dem richtigen Weg

Der Heppenheimer konnte seinen Höhenflug der Stadtrennen in Monaco und Baku mit den Rängen fünf und zwei nicht fortsetzen, doch er dürfte es verschmerzen. Der 33-Jährige und Aston Martin haben eine gewisse Balance gefunden, Rang neun war ein ordentliches Ergebnis. Red Bull und Mercedes sind weit voraus, McLaren etabliert sich als dritte Kraft. Direkt dahinter ist bei normalen Rennen die realistische "Heimat" seines Teams. Damit geht es ihm besser als seinem Ex-Rennstall Ferrari. Die Scuderia hat wohl nur ein Auto für eine schnelle Runde im Qualifying, in Le Castellet verpassten Carlos Sainz und Charles Leclerc die Top Ten. Oder wie es die Roten selbst im Rennbericht auf ihrer Webseite formulierten: "Ein böser Rückschlag".

Aston Martin dagegen brachte zum erst zweiten Mal in dieser Saison beide Boliden in die Punkte, wenn auch nur mit der dabei minimal möglichen Ausbeute von drei Punkten - zwei für Vettel (Platz 9), einer für Lance Stroll (Platz 10). "Ich bin nicht ganz zufrieden, aber es ist toll, dass wir beide Autos in den Punkten haben", hob Vettel anschließend dennoch das Positive hervor, nachdem er zum dritten Mal nacheinander das teaminterne Duell für sich entschieden hatte.

Schumacher erlebt ein Auf und Ab

In den Statistikbüchern wird stehen: Platz 15 und damit das bis dato beste Qualifying-Ergebnis für Mick Schumacher. Doch man muss das Wochenende des Rookies differenziert sehen. Durch seinen Unfall im Q1 sorgte er für das vorzeitige Ende der Einheit, andere Fahrer hätten ihn theoretisch mit ihrem letzten Versuch noch überholen können. Und: Schumacher selbst sorgte nach seinen zwei Trainingsunfällen von Monaco erneut für Überstunden bei seinen Mechanikern. Im Rennen war er unauffällig unterwegs, fiel schnell ans Ende des Feldes zurück - gemäß dem Potenzial seines Haas-Boliden.

"Der Start war okay. Danach hat es mich im Pulk rausgehauen. Es brauchte viele Runden, um wieder ranzukommen", resümierte der 22-Jährige anschließend, der sich trotz des unterlegenen Autos schon einigen Respekt im Fahrerlager erarbeitet zu haben scheint. "Im zweiten Stint lief es dann besser und wir konnten von den Rundenzeiten her mit Williams wieder mithalten", so Schumacher, der als 19. zumindest dafür sorgte, im Haas-internen Duell mit Teamkollege Nikita Mazepin nun in Quali und Rennen nach sieben Rennen jeweils sechsmal besser platziert gewesen zu sein.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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