Formel1

Nico Hülkenberg im Interview "In meinen Adern fließt Formel-1-Blut"

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Williams, Force India, Sauber, nochmal Force India und Renault - bislang fuhr Hülkenberg für vier verschiedene Teams in seinen neun Jahren als Stammpilot in der Formel 1.

(Foto: imago images / HochZwei)

Noch ist die Zukunft von Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg offen. Renault verlängert den am Saisonende auslaufenden Vertrag nicht, dafür zeigt das Haas-Team Interesse am Deutschen. Im Interview mit n-tv.de spricht der 32-Jährige über seine Pläne und nach welchen Kriterien er seinen neuen Arbeitgeber auswählt. Er berichtet, warum ihn die Formel E bislang wenig begeistert und wann er Mick Schumacher den Sprung in die Königsklasse des Motorsports zutraut. Außerdem verrät Hülkenberg, welchen Sport er abseits der Rennstrecke am liebsten betreibt und warum Singapur das anstrengendste Wochenende des Jahres ist.

n-tv.de: Herr Hülkenberg, das Renault F1 Team hat verkündet, dass ihr Vertrag am Ende dieser Saison nicht verlängert wird. Deshalb die Frage: Sind sie 2020 zu 100 Prozent in der Formel 1 dabei?

Nico Hülkenberg: Aktuell ist die Tinte noch nirgendwo trocken, aber mein Team und ich arbeiten daran. Es gibt definitiv Interesse und Optionen, die wir natürlich gerade ausarbeiten. Wir stecken in Verhandlungen und Gesprächen. Es ist noch nichts entschieden, es gibt noch nichts Konkretes.

Was ist für Sie wichtig bei ihrer Entscheidung?

Ich möchte natürlich sportlich das bestmögliche Auto, das bestmögliche Paket und Team, dorthin wo es die beste Perspektive gibt und Entwicklungspotenzial. Dorthin, wo man das Gefühl hat, da könnte was nach vorne gehen. Das ist natürlich immer eine Sache der Einschätzung, schließlich kann man die Zukunft nicht vorhersehen. Speziell mit den Regeländerungen, die 2021 kommen - was passiert da, wer hat da die besten Karten und entwickelt das beste Auto? Aber in die Entscheidung spielen auch andere Faktoren mit hinein.

Welche sind das?

Die Vertragslaufzeit, ob es andere Optionen gibt bei Nicht-Performance, finanzielle Aspekte. Das ist ziemlich umfangreich.

Günther Steiner, der Teamchef von Haas, ist ein Fan von Ihnen. Ist das wichtig für Sie, dass ein Teamchef auch sagt "den will ich"?

Es schadet nicht, wenn man sich mag und versteht. Günther Steiner und ich haben immer ein gutes Verhältnis gehabt. Vor dem Einstieg von Haas (zur Saison 2016, Anm.d.Red.) stand ich kurz davor, dort zu unterschreiben, bin dann aber doch bei Force India geblieben. Ich habe noch nie mit ihm gearbeitet, dabei können sich bekanntlich Verhältnisse ja auch verändern - aber da hätte ich keine Bedenken. Ob mich meine Reise dorthin bringt oder woanders, das wird sich bald zeigen.

Abseits der Formel 1 haben sie 2015 das 24-Stunden-Rennen in Le Mans gewonnen. In fernerer Zukunft, ist da der Pilot Hülkenberg auch mit Dach denkbar?

Ich habe im Leben und in der Formel 1 gelernt, niemals nie zu sagen. Für die unmittelbare Zukunft, die nächsten ein, zwei Jahre ist das aber nicht realistisch. Was in fünf Jahren ist, wie ich dann denke, wo meine Präferenzen liegen? Ich könnte mir schon vorstellen, irgendwann mal in einer anderen Rennserie zu fahren.

Sehen wir Sie vielleicht auch mal in der Formel E? Begeistert die Sie?

Begeistert Sie die?

Im Moment noch nicht, da fehlt noch etwas. Die Formel 1 fährt mit bis zu 1000 PS, das ist für mich Motorsport. Davon ist die Formel E noch ein Stück entfernt.

Sehe ich genauso.

Aber wenn die Formel E mal 1000 PS haben würde, wäre es dann etwas für Sie?

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Schon 2016 interessierte sich Haas-Teamchef Günther Steiner für Nico Hülkenberg. Wechselt der Deutsche zur Saison 2020 zum US-Rennstall?

(Foto: imago images / Motorsport Images)

Ob die Formel E jemals 1000 PS erreichen wird, ist glaube ich sehr fraglich. Es ist aber eine junge Serie, die sich gut entwickelt hat. Ab der kommenden Saison sind alle deutschen Premium-Hersteller dort vertreten, was wirklich beachtlich ist. Die Organisatoren der Serie haben viel geleistet. Aber in meinen Adern fließt noch das Formel-1-Blut.

Sie sind immer für einen Spruch gut. Woher kommt diese Schlagfertigkeit? Kommt das aus der Muttermilch, aus Emmerich, aus der Familie?

Ist das so?

Ja.

Ich glaube das kommt daher, dass ich diesen Job einfach schon viel zu lange mache und weil man mit der Zeit seine Pappenheimer kennt und einfach was auf Lager haben muss. (lacht)

Aber Sie sind doch privat vermutlich auch so, nie um einen guten Spruch verlegen.

Ich verstelle mich ja nicht, ich bin so wie ich bin. Jeder hat seine Art, seinen Charakter und ich bin ja schon recht früh in internationalen Gefilden aufgewachsen – vielleicht lernt man da, früh erwachsen zu sein, schlagfertig zu sein. Wenn man früh in einem professionellen Sport unterwegs ist, wächst man vielleicht ein bisschen anders auf. Vielleicht kommt es daher, ich weiß es nicht. Ich bin gerne schlagfertig.

In der Formel 1 geht es am Wochenende nach Singapur, wie bereiten Sie sich darauf vor? Das Rennen in Monza fand bei ganz anderen klimatischen Bedingungen statt. Singapur gilt als eines der anstrengendsten Rennen des Jahres.

Dazwischen kann man nicht trainieren wie ein Wilder und ist dann fit. Die Fitness muss vorher da sein, die kommt aus der Winterpause. Die Kunst während der Saison ist eher, das Level zu halten und Erkältungen, Krankheiten zu vermeiden, die einen zurückwerfen. Singapur ist aber einfach der Grand Prix, der physisch am anspruchsvollsten ist.

Bereiten Sie sich extra auf diese Verhältnisse vor, reisen Sie einen Tag früher an um sich einzugewöhnen?

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Früher habe ich das teilweise gemacht, heute nicht mehr so. Ich komme am Mittwoch an, habe dann noch den Donnerstag, um mich zu akklimatisieren, auch wenn wir da schon an der Strecke sind. Aber schwitzen wird man so oder so.

Was macht Singapur zum härtesten Rennen für die Piloten?

Hitze ist natürlich ein Faktor, auch wenn wir abends fahren und es keine direkte Sonneneinstrahlung mehr gibt. Die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch. Und dann natürlich die Strecke. Die hat über 20 Kurven, sehr wenige Geraden, viele Bodenwellen, viele Kerbs. Man wird als Fahrer ordentlich durchgeschüttelt, hat kaum Verschnaufpausen. Die Mauern sind überall extrem nah, der kleinste Fehler bedeutet einen Einschlag in die Mauer. All die Faktoren zusammen machen das Rennen extrem hart physisch, aber auch mental.

Wie macht sich das bemerkbar?

Nach dem Rennen ist man extrem ausgelaugt, teilweise auch schon während des Rennens. Man wird müde, merkt das im Körper. Das muss man ausgleichen, muss mehr kämpfen. Der Wasserverlust ist extrem hoch durch die Hitze und die Feuchtigkeit.

Macht das auch den Reiz aus, unter diesen Bedingungen zu bestehen und gut zu sein?

Absolut. Singapur ist eines der Highlight-Rennen. Weil es ein Nachtrennen ist, weil es in einer Metropole stattfindet, die Strecke ist bei uns Fahrern hoch anerkannt. Die Strecke ist physisch, aber auch mental sehr anstrengend.

Wie trainieren Sie als Formel-1-Fahrer?

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Für uns ist es am wichtigsten, eine richtig gute Ausdauer zu haben. Die hilft uns im Auto, all die Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Gute Ausdauer, gute Fitness hilft, dauerhaft am Limit fahren zu können. Wegen der hohen Fliehkräfte trainieren wir Schulter und Nacken speziell.

Welchen Sport betreiben Sie abseits der Rennstrecke?

Ich bin großer Tennis-Fan und spiele, so viel ich kann, wenn es die Zeit erlaubt. Ich schaue viele Turniere, gehe selbst gerne hin - Tennis ist eine Sportart, die mich fasziniert und mir viel Freude bereitet.

Wer imponiert Ihnen dort?

Es gibt einige gute Spieler, jetzt gerade kommen wieder junge Spieler nach oben. Aktuell Daniil Medwedew, der im Finale der US Open gegen Rafael Nadal verloren hat. Sonst bin ich auf der Spur gewesen von Andy Murray und Stan Wawrinka. Das sind so ein bisschen die Underdogs, aber auch zwei richtig coole Typen.

In Monza fuhren Sie auf Platz fünf, ihr Teamkollege Daniel Ricciardo auf Platz vier, ein starkes Ergebnis für Renault. Ist eine Wiederholung dessen realistisch für Singapur?

Natürlich stärken gute Resultate immer das Selbstbewusstsein. Monza gibt uns Schwung mit auf den Weg, aber Singapur ist natürlich eine ganz andere Strecke. Ich glaube, dass unser Auto auch dort gut funktionieren wird. Spa und Monza zuletzt waren Strecken, die ganz anders sind. Dort sind wir mit "Medium-Low-Downforce"-Paket gefahren. Singapur ist das komplette Gegenteil, mit maximaler Downforce und den größten Flügeln, maximalem Abtrieb auf dem Auto. Wir sind definitiv Top-10-Material. Aber ich habe auch McLaren auf der Rechnung, die für eine Strecke wie Singapur gut aufgestellt sind.

McLaren ist der Konkurrent von Renault um Platz vier in der Konstrukteurswertung. Ihr Team hat - auch dank des starken Ergebnisses in Monza - die Chance, McLaren zu überholen und dieses Ziel zu erreichen.

Hülkenberg bei "Ninja Warrior Germany"

"Geile Show, diese ganzen Athleten hier, die Dynamik. Ich habe die letzten Jahre immer von der Couch zugeschaut - der Klassiker - und dachte: Mensch, würde mich mal interessieren, wie ich da klarkomme", sagt Hülkenberg über die RTL-Show Ninja Warrior Germany. Gedacht, getan! Der 32-Jährige hat für die zweite Folge der neuen Staffel den Rennoverall gegen die Ninja-Robe getauscht. Ob der 'Hulk' seinem Spitznamen im Ninja-Parcours alle Ehren gemacht hat, sehen Sie am Freitag, den 20. September, ab 20.15 Uhr bei RTL und TVNOW.

Genau, der vierte Platz ist das große Ziel, wie Anfang des Jahres erklärt. Teilweise sah es so aus, als ob wir das nicht erreichen könnten, lagen sogar auf Platz sechs oder sieben. Jetzt sind wir zurück auf Platz fünf, haben uns auf 18 Punkte herangearbeitet an McLaren. Das wird jetzt ein Kampf in den letzten sieben Rennen. Das wird ein spannender Endspurt.

Spannend ist auch Ihre Einschätzung, was Mick Schumacher angeht. Wie sehen Sie seine Entwicklung in der Formel 2, ist er schon bereit für die Formel 1?

Ich glaube, er hat sich gut entwickelt. Man muss natürlich die Voraussetzungen sehen, unter denen er groß wird. Die Erwartungen sind extrem hoch, das ist keine einfache Situation. Soweit ich das aus der Entfernung beurteilen kann, macht er das sehr gut. Er hat ja gerade seinen ersten Sieg eingefahren. Wie er weitermacht, weiß ich nicht. Aber ich bin mir sicher, dass wir ihn spätestens in zwei Jahren in der Formel 1 sehen werden.

Ist es heute leichter für junge Fahrer, in die Formel 1 zu wechseln als etwa 2010, als Sie neu dazukamen?

Es ist vielleicht einen Tick einfacher geworden ist von den Autos her. Wir haben viel Abtrieb, die Autos sind zwar auch nicht einfach zu fahren, aber vielleicht ein bisschen selbsterklärend und nicht mehr ganz so anspruchsvoll wie noch vor 10, 15 Jahren. Das ist ein Faktor, warum junge Fahrer dazukommen und sich schnell akklimatisieren können.

Mit Nico Hülkenberg sprachen Felix Görner und Torben Siemer.

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Quelle: n-tv.de

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