Formel1

Falsches RTL-Zitat im Umlauf Lewis Hamilton stolpert über Fake News

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Hamilton löschte seine Vorwürfe an Marko.

(Foto: imago images/HochZwei)

Ein Zitat von Red-Bull-Berater Helmut Marko erregt Lewis Hamilton, der Formel-1-Weltmeister reagiert mit scharfen Worten. Die vermeintliche Quelle des Online-Artikels: RTL. Wenig später ist der Text gelöscht, Hamilton zieht seinen Vorwurf zurück, Red Bull schaltet Anwälte ein. Was ist passiert?

"Distracted - Marko takes a dig at Lewis Hamilton for voicing out against racism" - Marko stichelt gegen Hamilton, weil dieser seine Stimme gegen Rassismus erhebt. Mit dieser Schlagzeile hat das Online-Portal "Essentially Sports" in England viel Wirbel ausgelöst und den Formel-1-Weltmeister sogar zu einer Social-Media-Spitze gegen den Red-Bull-Berater animiert. Das Problem: Helmut Marko hat das, was man ihm in den Mund legt, gar nicht gesagt. Ein Lehrstück über Fake News - mittendrin: RTL.

Bei RTL und seinem Formel-1-Team - Redaktion wie Produktion - klingelt am Mittwoch beständig das Telefon. Aus England rufen Kollegen an, aus Italien, auch Red Bull Racing meldet sich. Was sei denn nun mit diesem Marko-Interview und dieser brisanten Aussage, wollen sie alle wissen.

"Manche Fahrer sind abgelenkt, reden über Leben, die zählen. Das einzige, das für Max zählt, ist die Weltmeisterschaft." Das habe Helmut Marko in einem Interview gesagt, berichtet das britische Portal "essentiallysports.com". Als Quelle nennt die Seite RTL. Lewis Hamiltons Engagement für die #BlackLivesMatter-Bewegung ein Nachteil im Formel-1-Titelkampf gegen den voll fokussierten Red-Bull-Piloten Verstappen - so die Quintessenz. Eine mindestens unsensible Aussage angesichts der Tatsache, wie wichtig der Anti-Rassismus-Kampf nicht nur für Hamilton ist, sondern auch für die Hunderttausenden, die dafür weltweit protestieren.

Motto: "Irgendwas wird schon dran sein"

Hamilton reagiert via Social Media: "Helmut, es stimmt mich zutiefst traurig, dass du meinen Kampf für Gleichbehandlung von schwarzen Menschen und Menschen anderer Hautfarbe als Ablenkung bezeichnest. Für mich war es eine Ablenkung, wenn Leute mit schwarz bemalten Gesichtern gekommen sind, um meine Familie an Rennwochenenden zu verspotten", schreibt der 35-Jährige auf Instagram.

Später - als der Post allerdings schon Wellen geschlagen hat - löscht Hamilton den Eintrag wieder. Auch "Essentially Sports", ein Fan-Blog mit vielen Autoren, nimmt seinen Artikel offline. Denn: Das angebliche Marko-Zitat aus dem RTL-Interview existiert gar nicht. Es handelt sich um Fake News. Und was hat es mit Fake News so auf sich? Sind sie erst mal in der Welt, bleiben sie in der Welt. Motto: "Irgendwas wird schon dran sein." In Foren britischer Racing-Websites etwa spekulieren Leser, ob RTL die Aussage wegen ihrer Sprengkraft bewusst zurückhalte respektive nicht veröffentlicht habe.

Die Fakten: Ein RTL-Interview mit Helmut Marko hat tatsächlich stattgefunden. Reporter Felix Görner hat es geführt - am 4. Juni am Red-Bull-Ring in Spielberg, wo am 5. Juli die Formel-1-Saison 2020 mit knapp viermonatiger Verspätung beginnen soll. Mehrere Teile davon veröffentlichten ntv.de, RTL.de und sport.de danach auf ihren Seiten. Es geht um Sebastian Vettels Zukunft, das Prozedere beim Formel-1-Start Anfang Juli in Markos Heimat Österreich und Red Bulls Chancen gegen Mercedes. Das Gespräch dauert etwas mehr als 20 Minuten.

Rechtliche Schritte gegen die Urheber

Hamilton und Mercedes seien die Favoriten, sagt Marko. Auch, dass ein Mercedes-Fahrerduo Hamilton/Vettel etwas Wunderbares wäre. Dass Hamilton wegen seines Engagements gegen Rassismus abgelenkt sei, sagt Marko an keiner Stelle. Die ganze Geschichte sei "völlig absurd", teilt Marko Felix Görner am Telefon mit. Red Bull und er würden rechtliche Schritte gegen das Portal und den Autor einleiten.

Bleibt die Frage, wie das Fake-Zitat zustande kam. Ein Übersetzungs- und Interpretationsfehler ist auszuschließen, weil Marko am RTL-Mikro zu keinem Zeitpunkt etwas sagt, was dem veröffentlichten Falsch-Zitat irgendwie ähnelt. Ist das Zitat also einfach frei erfunden? In einem Forum, einem Chat verbreitet und so vielleicht aufgegriffen worden? Wollte jemand Helmut Marko schaden?

"Da wir ein Fan-Blog sind, wurden in dem Artikel Tweets als Sekundär-Quellen genutzt", teilt das Portal auf Anfrage von RTL.de mit. Man habe den Artikel von der Seite genommen, nachdem die entsprechenden Tweets sowie der zugehörige Twitter-Account gelöscht worden seien. "Wir entschuldigen uns bei Dr. Helmut Marko." Was bleibt, ist die Geschichte einer Fake News, die Kreise zog - bis zu Lewis Hamilton.

Quelle: ntv.de, rtl.de