Formel1

Valtteri Bottas im Interview "Lewis und ich sind auf Augenhöhe"

imago31425426h.jpg

(Foto: imago/LAT Photographic)

In Australien startet die Formel 1 am Sonntag in die Saison. Die soll für Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas noch erfolgreicher werden als die vergangene. Dort landete er mit 305 Punkten knapp hinter Sebastian Vettel (317) und deutlich hinter Weltmeister Lewis Hamilton (363) auf Rang drei der WM-Wertung. Im exklusiven Interview mit n-tv.de spricht der 28 Jahre alte Finne über das Verhältnis zu seinem dominierenden Teamkollegen sowie seine Rolle in der Mercedes-Crew - und erklärt überraschende Zukunftspläne.

n-tv.de: Vier Monate nach dem letzten Formel-1-Rennen geht's nun endlich wieder richtig los. Mit welchen Ambitionen starten Sie in die neue Saison?

Das ist Valtteri Bottas

  • Valtteri Bottas wurde am 28. August 1989 im finnischen Nastola (bei Lahti) geboren.
  • Seit 2013 ist Bottas Stammfahrer in der Formel 1. Nach drei Jahren als Testfahrer bei Williams (2010 bis 2012) bekam er 2013 einen festen Platz.
  • Sein Debüt feierte er am 17. März 2013 in Melbourne.
  • Seit 2017 fährt er an der Seite von Lewis Hamilton für Mercedes AMG.
  • Nach bislang 110 Starts fuhr er 716 Punkte heraus (Schnitt von 6,51 pro Rennen). Dreimal konnte er bislang gewinnen, alle Siege fuhr er im vergangenen Jahr ein.
  • Seit September 2016 ist er mit Emilia Bottas (geb. Pikkarainen) verheiratet. Die beiden lernten sich in einer TV-Show kennen.

Valtteri Bottas: Ich will gewinnen. Das ist mein Anspruch. Zwar wissen wir als Team natürlich noch nicht so genau, wo wir stehen. Aber ich bin sehr positiv gestimmt. (Anmerk. d. Red.: Das Interview mit Valtteri Bottas wurde vor dem Qualifying geführt. Nach einem heftigen Crash in Q3 am frühen Samstagmorgen startet der Finne am Sonntag wegen eines aus dem Crash resultierenden Getriebewechsels nur von Platz 15.)

Die wichtige Testphase in Barcelona wurde von überraschend heftigem Winterwetter beeinflusst. Ist das für ein erfahrenes Team wie Mercedes im Vergleich zur Konkurrenz eher gut oder schlecht?

Das Wetter kann niemand beeinflussen. Aber ich denke, wir haben das Beste aus den Tests gemacht. Vor allem die zweite Woche war wirklich gut. Sicherlich hätten wir auch in den ersten Tagen gerne mehr getestet. Aber das hätten die anderen Teams sicher auch. So war es für alle gleich. Wir fühlen uns auf jeden Fall bereit.

In der Teamhierarchie stehen Sie hinter Weltmeister Lewis Hamilton. Wie gehen Sie eigentlich damit um, die Nummer zwei zu sein?

Das stimmt so nicht. Ich bin ja gar nicht die Nummer zwei im Team. Klar, Lewis ist vergangene Saison Weltmeister geworden. Aber wir starten trotzdem erneut gleichberechtigt ins Jahr. Bei uns gibt es keine Nummer eins und keine Nummer zwei. Wir sind auf Augenhöhe. Und ich liebe die Herausforderung, sein Teamkollege zu sein.

Wie ist denn eigentlich ihre Beziehung? In Deutschland wird ja immer wieder und immer noch über das seinerzeit sehr angespannte Verhältnis zwischen ihrem Vorgänger Nico Rosberg und Hamilton gesprochen. Ist das bei Ihnen anders?

Natürlich wollen Lewis und ich jeweils der Beste auf der Strecke sein und damit natürlich auch besser als der andere. Aber wir arbeiten gut zusammen, haben einen guten Spirit. Zusammen können wir das Team besser machen. Es ist also alles gut zwischen uns.

Ist er demnach also auch Ihr größter Konkurrent im Fahrerfeld?

Ich glaube ja. Er ist im vergangenen Jahr wirklich eine beeindruckende Saison gefahren. Ihn zu schlagen ist immer schwer. Aber ich mache nicht den Fehler und unterschätze die anderen Fahrer. Jeder möchte gewinnen, jeder arbeitet hart für den Erfolg. So ist es immer schwer zu sagen, was passiert.

In der vergangenen Saison ging dennoch kein Weg an Mercedes vorbei. Neben der Fahrer- ging auch die Konstrukteurswertung an Ihr Team. Ein Erfolg, der unbedingt wiederholt werden soll. Wen müssen Sie am meisten fürchten?

Wir glauben, dass wir uns mit Ferrari und Red Bull heiße Duelle liefern werden. Sie werden richtig große Konkurrenten sein. Wer von den beiden aber der größere Herausforderer sein wird, ist derzeit unmöglich vorherzusagen. Wir wollen aber so oder so besser sein.

Kommen wir mal zu etwas ganz anderem: Wie sieht eigentlich ein ganz normaler Tag im Leben eines Formel-1-Fahrers aus?

Puh, es ist ganz schwer zu sagen, was ein normaler Tag ist. Wir reisen so viel hin und her, wir sind eigentlich immer unterwegs. Da gibt es wirklich keinen Tag, der dem anderen gleicht. Es passiert nicht häufig, dass ich die Gelegenheit habe, es mal etwas ruhiger angehen zu lassen. Wenn aber doch, dann verbringe ich diese Zeit am liebsten mit meiner Familie und mit meinen Freunden. Trotzdem trainieren wir natürlich jeden Tag.

Das klingt tatsächlich extrem anstrengend. Auch wenn Sie erst 28 Jahre alt sind: Haben Sie schon Pläne für die Zukunft?

Nein, ich habe keine Ahnung, was mal sein wird. Bei mir dreht sich alles um die Formel 1 und ich weiß, dass ich noch lange nicht mit meiner Karriere fertig bin. Sicherlich werden Ideen kommen, aber aktuell beschäftige ich mich ausschließlich mit der Formel 1. Aber eins ist klar: Irgendwann will ich es ruhiger angehen lassen.

Mehr Ruhe - und damit auch mehr Zeit für die Familie?

Ganz genau. Ich habe meine Frau im Jahr 2016 geheiratet. Aber kennengelernt haben wir uns bereits 2010. Zwei Wochen nach unserem ersten Treffen bin ich aus Finnland weggezogen. Wir haben immer getrennt voneinander gelebt. Das soll nicht immer so bleiben.

Mit Valtteri Bottas sprach Anja Rau

 

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema