Formel1

Erste Formel-1-Ernüchterung Top-Option versperrt Schumacher das Cockpit

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Ernüchternde Klarheit: Mick Schumacher fährt in der kommenden Saison nicht für Alfa Romeo.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Überraschende Personalentscheidung in der Formel 1: Das Team Alfa Romeo geht auch in der kommenden Saison mit seinem Fahrer-Duo Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi an den Start. Mick Schumacher, der als Kandidat heiß gehandelt wurde, bleibt damit nur noch eine Option.

Wenn Mick Schumacher in der kommenden Saison tatsächlich in der Formel 1 fahren will, dann bleibt ihm nur noch eine Möglichkeit: das Team Haas. Dort sind nach der gerade erst bekannt gegebenen Trennung der beiden Stammpiloten Romain Grosjean und Kevin Magnussen zum Saisonende beide Cockpits noch frei. Das als Top-Option für den 21-Jährigen gehandelte Team Alfa Romeo hat nämlich am Vormittag zwei einigermaßen überraschende Personalentscheidungen verkündet. Sowohl der 41-jährige Kimi Räikkönen als auch Antonio Giovinazzi werden in der kommenden Saison für die Italiener an den Start gehen.

"Alfa Romeo Racing ist wie eine zweite Familie für mich. Die einzigartige Atmosphäre in diesem Team ist für mich eine besondere Motivation in meine 19. Formel-1-Saison zu gehen, nächstes Jahr", erklärte Räikkönen, der zuletzt in Portugal seinen 325. Grand Prix bestritten hatte, kein Rennfahrer hat mehr Starts in der Formel 1. "Ich bin sehr froh, dass wir die Zusammenarbeit mit Kimi und Antonio ein weiteres Jahr fortsetzen. Zu Kimi muss ich nicht mehr viel sagen. Und Antonio hat für uns bisher eine ganz entscheidende Rolle gespielt, von der Strecke bis zur Zusammenarbeit mit den Ingenieuren. Er hat sich die Vertragsverlängerung bis 2021 verdient", sagte Teamchef Frederic Vasseur.

Unser Formel-1-Experte Felix Görner ordnet die Personalentscheidungen derweil so ein: "Der Schlüssel in der Besetzungsfrage war Kimi. Vasseur wollte unbedingt einen erfahrenen Fahrer haben. Und Giovinazzi hat sehr gute Beziehungen in die Alfa-Familie hinein, das hat den Ausschlag gegeben, dass er ebenfalls bleibt und man sich nicht von ihm trennen konnte." So sieht es auch RTL-Kommentator Christian Danner: "Wer zahlt, schafft an. Giovinazzi ist Italiener und wer bezahlt die Rechnung? Fiat! Und deswegen haben sie durchaus Recht und Anspruch auf einen Italiener in der Formel 1, in dem Fall den einzigen im Feld. Giovinazzi hatte also eine durchaus intensive Lobby und darf daher weiterfahren."

Erst gestern hatte Alfa bekannt gegeben, auch in der kommenden Saison in der Formel 1 zu bleiben. Die Fiat-Chrysler-Tochter bestätigte die Ausweitung des seit 2018 bestehenden Titelsponsorings bei Sauber. Damit bleibt auch die Verbindung zu Ferrari über die Motorenpartnerschaft eng. "In Sauber hat Alfa einen engagierten, leistungsorientierten Partner gefunden", sagte Vasseur. "Wir haben in den vergangenen drei Saisons eine solide Grundlage gelegt und wollen die Früchte dieser Arbeit 2021 und danach ernten."

Haas flirtet heftig mit Schumacher

Die Piloten-Entscheidung von Alfa Romeo ist eine erste große Ernüchterung für Schumacher auf dem Weg in die Formel 1. Denn bei dem Schweizer Team hatte er zuletzt ja intensiv reingeschaut. Am Nürburgring sollte er eigentlich im ersten Freien Training zum Einsatz kommen, aber das schlechte Wetter verhinderte letztlich seine ersehnte erste Ausfahrt. Schumacher war in der Eifel aber bei allen Meetings dabei, Vasseur und sein Ferrari-Pendant Mattia Binotto überschütteten den Deutschen mit Lob und erklärten ein wenig verklausuliert, dass man das vermutlich meistbeobachtete Motorsporttalent der Welt schon bald in der Königsklasse sehen werde.

Nun bleibt als Option nur noch Haas. Als Ferrari-Zögling kommt er für Red Bull und AlphaTauri (Pilotenfragen nicht abschließend geklärt) nämlich nicht infrage. Der US-Rennstall hatte zuletzt heftig um das 21 Jahre alte Ausnahmetalent, das derzeit die Gesamtwertung der Formel 2 klar anführt, geworben. "Der Name Schumacher ist einer der größten Namen überhaupt in der Formel 1. Mick fährt auch gut. Wichtig ist aber nicht nur der Name, sondern auch die Leistung", sagte Teamchef Günther Steiner im AvD Motorsport Magazin auf Sport1. Für das Team Haas "wäre er natürlich gut. Wer möchte nicht gern einen Schumacher zurück in der Formel 1 - speziell in der Form, wie er aktuell in der Formel 2 ist?", so Steiner.

Neben Schumacher gelten auch dessen Formel-2-Rivalen Callum Ilott aus England sowie Nikita Masepin und Robert Schwartzman, beide Russland, als Anwärter auf eines der beiden Cockpits. Masepin werden besonders gute Chancen eingeräumt, auch weil sein Vater Milliardär ist. In Portugal sagte Steiner zuletzt angesprochen auf die Entscheidung für die unbesetzten Cockpits 2021: "Talent ist wichtiger, aber manche haben eben auch Sponsoren." Schumacher und Masepin als Duo? Görner hält das für ein realistisches und sinnvolles Szenario: "Das könnte für Haas eine sehr gute Kombination sein."

Skeptischer sieht Danner die Chancen von Schumacher auf einen Platz bei Haas, sollte Masepin wirklich ein Cockpit erhalten. Sollte der 21-Jährige mit einem vollen Koffer kommen, werde die Komponente Geld sehr relevant, dann müsse auch der zweite Fahrer ordentlich Geld mitbringen. Hintergrund: Haas erhält nächstes Jahr wie alle Teams deutlich weniger davon. Doch wer hat Geld und könnte so Mick Schumacher ausstechen? "Da gibt es mehrere", sagt Danner. "Schwarzmann zum Beispiel, oder Sergio Perez (Anmerk d. Red.: Er muss seinen Platz bei Racing Point für Sebastian Vettel räumen). Sicher ist das für Mick also nicht!"

Quelle: ntv.de