Formel1

Rekordzeit im Hamilton-Cockpit Top-Talent Russell düpiert die Formel-1-Elite

Dem Mercedes-Team fehlt der Weltmeister - und trotzdem stellt das deutsche Team den schnellsten Fahrer in den freien Trainings zum Grand Prix von Sakhir. Das ist allerdings nicht Valtteri Bottas, sondern der Hamilton-Ersatz George Russell. Währenddessen kämpft Vettel weiter hinten seinen ganz eigenen Kampf.

Lewis Hamilton war nicht da - doch im Mercedes saß einer, der das Feld beinahe genauso dominierte wie der Rekordweltmeister. Das englische Top-Talent George Russell hat seine erste Chance als Hamilton-Ersatz für einen echten Paukenschlag genutzt. Der 22-Jährige drehte im freien Training zum Großen Preis in Bahrain (Sonntag, 18.10 Uhr/RTL sowie im ntv.de-Liveticker) als Tagesschnellster eine Rekordrunde.

Russells Auftritt war damit vor allem für Valtteri Bottas im anderen Mercedes eine schallende Ohrfeige. Der Finne landete nur auf dem fünften Rang der Tagesabrechnung. Seit knapp vier Jahren fährt Bottas nun bei Mercedes, gegen Hamilton hatte er meist deutlich das Nachsehen - das wurde aber stets recht wohlwollend mit der Ausnahmeklasse des Dauerweltmeisters begründet. In Bahrain fehlt Hamilton nun aber aufgrund eines positiven Covid-19-Tests. Und Bottas schwante schon im Vorfeld Böses. "Wenn George mich jetzt schlägt", sagte er, "dann würde das nicht sehr gut aussehen. Das will ich natürlich vermeiden." Am Freitag zumindest schaffte er das nicht. Im ersten freien Training distanzierte Russell ihn um drei Zehntelsekunden, in der langsameren zweiten Session war der Engländer ebenfalls Schnellster, auch weil Bottas wegen unerlaubter Fahrlinien einige Rundenzeiten gestrichen bekam.

Am Ende hatte Russell damit sogar einen Formel-1-Rekord aufgestellt: In 54,546 Sekunden gelang ihm die niedrigste Rundenzeit der Geschichte. Möglich war das, weil in Bahrain an diesem Wochenende auf der sehr kurzen (3,5 Kilometer) und sehr schnellen Streckenvariante gefahren wird. Der bisherige Rekord lag bei 58,79 Sekunden, aufgestellt von Niki Lauda im Ferrari, 1974 im französischen Dijon.

Vettel kämpft mit dem Boliden

Sebastian Vettel hatte indes sehr mit dem Ferrari zu kämpfen, dem Hessen gelang es kaum mal, problemlos eine schnelle Runde zu drehen. Das Heck des SF1000 brach wiederholt aus, am Ende war Vettel Zwölfter. Er landete damit knapp vor seinem Teamkollegen Charles Leclerc. Es könnte ein hartes Wochenende für die Scuderia werden.

Russell dürfte dagegen noch viel Freude am schwarzen Silberpfeil haben. Der Mercedes-Zögling kann im Formel-1-Alltag selten auf sich aufmerksam machen, er fährt normalerweise für Williams, dort sind seine Möglichkeiten auf die obere Hälfte des Tableaus begrenzt. Nach dem Ausfall Hamiltons wählte Mercedes nun aber ihn aus, nicht etwa den eigentlichen Ersatzfahrer Stoffel Vandoorne, und das war schon ein Fingerzeig. Seit 2017 gehört Russell zum Mercedes-Juniorprogramm, er gilt als eines der momentan größten Talente und als möglicher Nachfolger Hamiltons - sollte der irgendwann seine Karriere beenden.

Noch immer hat der Weltmeister seinen Vertrag bei Mercedes nicht verlängert. Dass sein Ersatz nun gleich beim ersten Einsatz derart überzeugt, werde aber nicht Hamiltons Verhandlungsposition schwächen, betonte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Wir wissen, was wir an Lewis haben", sagt er, "so eine Situation würde niemals als Druckmittel verwendet werden. Was auch immer an diesem Wochenende passiert, hat keinen Einfluss auf unsere Gespräche." Für Bottas, noch für ein Jahr an Mercedes gebunden, ist Russell aber in der Tat eine Bedrohung.

Quelle: ntv.de, Raphaelle Peltier und Thomas Weitekamp, sid

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