Formel1

Vettel steht massiv unter Druck Wie lange hält die heile Ferrari-Welt noch?

imago39879935h.jpg

Sebastian Vettel hatte seit Saisonbeginn wenig Grund, sich entspannt zu geben. In Baku muss der viermalige Weltmeister seinen Status als Nummer eins in der Scuderia bestätigen.

(Foto: imago images / Imaginechina)

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel hat schon nach drei Rennen der laufenden Formel-1-Saison eine Menge Probleme zu lösen. WM-Konkurrent Lewis Hamilton ist nur eines davon. Noch größere Sorgen muss sich der viermalige Weltmeister über die Herausforderungen im eigenen Team machen. Der Druck steigt immer weiter.

Formel-1-Pilot Sebastian Vettel hat die Hände entspannt in die Hosentaschen gesteckt und lächelt. Auch im Gesicht von Teamkollege Charles Leclerc ist kein Frust zu erkennen. Und zwischen den beiden Ferrari-Rivalen steht ihr Chef Mattia Binotto, der die Arme fast väterlich um die Schultern seiner Fahrer gelegt hat und zuversichtlich in die Kamera schaut.

Einigkeit und Geschlossenheit soll dieses Foto aus Maranello vor dem Großen Preis von Aserbaidschan (Sonntag, 14.10 Uhr live bei RTL und im Liveticker auf n-tv.de) wohl vermitteln. Als hätte es den ganzen Wirbel um die Stallorder bei der Scuderia zugunsten Vettels nicht gegeben. Doch damit die Welt bei den Roten auch heil bleibt, muss der 31-Jährige in Baku jetzt endlich liefern. "Wir haben viele Aufgaben", sagt Vettel vor dem vierten Rennen des Jahres.

Der erste Titel soll her - und ist dabei so weit entfernt

*Datenschutz

Die Saison ist noch jung - und dennoch steht der Heppenheimer bereits massiv unter Druck. Eigentlich soll Vettel in seinem fünften Jahr bei Ferrari endlich den ersten Titel mit dem Traditionsteam holen, wie damals sein Idol Michael Schumacher. Aber dass er in der WM bereits 31 Punkte hinter Titelverteidiger Lewis Hamilton (Mercedes) zurückliegt, ist noch Vettels geringstes Problem. Viel mehr macht ihm im Moment dieser aufmüpfige Jungspund Leclerc zu schaffen.

Zwar ist und bleibt Vettel laut Binotto erst einmal die Nummer eins bei Ferrari, aber Leclerc weiß natürlich um sein Ausnahmetalent und denkt in seinem Ehrgeiz gar nicht daran, dem viermaligen Weltmeister aus Hessen einfach so die Vorfahrt zu lassen. Der smarte Monegasse sucht (noch) nicht den offenen Widerstand, sendet aber subtile Botschaften, dass er sich auf Dauer nicht einbremsen lassen will.

In seinem Manager Nicolas Todt, Sohn des FIA-Präsidenten und ehemaligen Ferrari-Teamchefs Jean Todt, hat Leclerc einen bei der Scuderia bestens vernetzten Fürsprecher. Und auch die italienische Presse hält nicht mehr sonderlich viel von der jetzigen Rollenverteilung. Vettel "sollte endlich auf die Kapitänsbinde verzichten", schrieb der Corriere della Sera zuletzt. Binotto zerbricht sich derweil über andere Dinge den Kopf: Warum schwächelt der in den Tests vor der Saison so beeindruckende SF90 plötzlich?

Ferrari hofft auf den Highspeed-Kurs

Die Leistungsfähigkeit des Autos habe bei Ferrari "Priorität", sagte der 49-Jährige: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das andere Problem in Luft auflösen wird, wenn wir das schnellste Auto haben. Daher muss die Performance unsere erste Priorität sein, auf die wir uns konzentrieren." Auch Vettel hofft, dass er die Stärken seines Ferrari-Antriebs (angeblich 40 PS mehr als Mercedes) auf der Highspeed-Strecke in Baku mit einer Geraden von über zwei Kilometern Länge endlich richtig ausspielen kann. Die Erinnerungen an das Rennen auf dem rund sechs Kilometer langen Stadtkurs sind bei Ferrari indes düster: Im vergangenen Jahr landete Vettel dort nur auf Rang 5 - obwohl er von der Pole-Position gestartet war.

"Wir bekommen ein immer klareres Bild davon, was uns momentan fehlt", sagt Vettel nun: "Daher denke ich, dass die nächsten Wochen für uns wichtig sein werden, damit wir in den nächsten Monaten auf den richtigen Weg kommen." Ansonsten könnte ihm das Lächeln schnell vergehen.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, Kristof Stühm, sid

Mehr zum Thema