Fußball-EM

Beim Kniefall-Protest im Sport Johnson macht's wie Trump - ein bisschen

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Kniefall vor dem Spiel gegen Rumänien: Marcus Rashford wird selbst immer wieder rassistisch beleidigt.

(Foto: imago images/Cover-Images)

Die englische Fußball-Nationalmannschaft hofft bei der diesjährigen Europameisterschaft mal wieder auf den ersten Titel. Die letzte Niederlage datiert aus dem November, es läuft also ganz gut. Doch Ärger gibt es trotzdem. Ausgerechnet mit Premierminister Johnson.

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson verweigert der englischen Fußball-Nationalmannschaft kurz vor EM-Beginn Rückendeckung für ihre Kniefall-Proteste gegen Rassismus. Die Three Lions hatten ihre EM-Generalprobe am vergangenen Sonntag gegen Rumänien absolviert. Vor dem 1:0-Sieg gab es im Stadion von Middlesbrough erneut Buhrufe gegen die Protestaktion des Teams. Das Engagement der Mannschaft von Englands Teammanager Gareth Southgate scheint bei auch Johnson nicht so gut anzukommen, ein Regierungssprecher äußerte sich zumindest nur sehr ausweichend. "In Bezug besonders auf die Kniefälle hat der Premierminister eher Taten als Gesten im Blick", erklärte der Sprecher von 10 Downing Street in London.

Die Kniefälle haben auf der Insel inzwischen zu einer Debatte mit hochpolitischer Dimension geführt. Ungeachtet der Unmutsbekundungen von Teilen des Publikums für den Einsatz von Fußball-Profis gegen Rassendiskriminierung im Fußball und im Alltag der Briten sowie der Diskussionen in der Bevölkerung kündigte Southgate bereits die Fortsetzung der Solidaritätsaktion seiner Mannschaft mit der Black-Lives-Matter-Bewegung an. "Das Allerwichtigste für unsere Spieler ist, dass alle gemeinsam diese Überzeugung vertreten. Wir unterstützen jeden Einzelnen", sagte der Coach zuletzt.

"Wir werden das ignorieren"

Auch Misstöne bei Englands EM-Heimspielen fürchten die Titelkandidaten nicht. "Wir sind mehr denn je fest entschlossen, während des Turniers auf die Knie zu gehen", beschrieb Southgate die Stimmung in seinem Team, "wir müssen akzeptieren, dass es möglicherweise gegensätzliche Reaktionen geben wird, aber wir werden das ignorieren und unserer Überzeugung treu bleiben". England bestreitet seine drei EM-Gruppenspiele im Londoner Wembleystadion vor 22.000 Zuschauern. Das "Mekka des Fußballs" wäre im Falle eines optimalen Turnierverlaufs für das Team aus dem Mutterland des Fußballs mit Ausnahme des Viertelfinales Schauplatz aller weiteren EM-Begegnungen.

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Der kollektive Kniefall als Geste war in der englischen Premier League nach dem durch Polizeigewalt verschuldeten Tod von George Floyd in den USA als Zeichen der Solidarität mit der Black-Lives-Matter-Bewegung eingeführt worden. Auch vor dem diesjährigen FA-Cup-Finale und dem Champions-League-Endspiel mit den englischen Teams FC Chelsea und Manchester City waren Spieler niedergekniet.

Der erste Sportler, der als Zeichen gegen Rassismus auf die Knie ging, war der Footballer Colin Kaepernick. Das ist schon fast fünf Jahre her. In den USA hatte diese Geste das Land gespalten. Ex-US-Präsident Donald Trump hatte sich mehrfach darüber echauffiert. Zudem hatte er mitgeteilt, etwa Baseballspiele, bei denen während der Hymne gekniet wird, nicht weiter anzuschauen. So weit geht Johnson nicht.

Quelle: ntv.de, ara/sid

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