Fußball-EM

"Wir zahlen Preis für EM-Feier" Rom büßt für Bus-Party mit Infektionsanstieg

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Wilde Party ohne Abstand: Der EM-Bus der italienischen Nationalmannschaft fährt durch Rom.

(Foto: imago images/ULMER Pressebildagentur)

Zehntausende Römer jubeln der italienischen Nationalmannschaft nach ihrem EM-Sieg im Stadtzentrum zu, auf Abstand und Masken wird dabei größtenteils verzichtet. Eine Woche später schnellen die Infektionszahlen um ein fünffaches in die Höhe. Der Azzurri-Verband wiegelt ab.

Die Fahrt der italienischen Fußball-EM-Helden im offenen Bus durch Rom nach dem EM-Triumph von Wembley scheint Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit gehabt zu haben. Nachdem Zehntausende Römer am 12. Juli im Stadtzentrum die EM-Stars der Azzurri gefeiert hatten, wird in Rom ein starker Anstieg der Corona-Infektionszahlen gemeldet. Die Zahl der Infektionen in der italienischen Hauptstadt hat sich gegenüber dem Tag des EM-Sieges am 11. Juli fast verfünffacht. Am Dienstag waren in der Hauptstadt 557 Infektionsfälle gemeldet worden, vor zehn Tagen waren es lediglich 122 gewesen.

"Wir beobachten einen 'Gravina-Effekt'. Wir zahlen einen Preis für die EM-Feierlichkeiten, doch im Moment sind die Krankenhäuser nicht zu stark belastet", berichtete der Gesundheitsbeauftragte der Region Latium mit der Hauptstadt Rom, Alessio D'Amato, mit Anspielung auf den Chef des italienischen Fußballverbands FIGC, Gabriele Gravina, der die Genehmigung für die Busfahrt der Azzurri durch Rom erteilt hatte.

Busfahrt wurde eigentlich nicht genehmigt

Verbandschef Gravina bestritt jedoch den Vorwurf, dass die Feierlichkeiten der Azzurri für die Zunahme der Infektionen in Rom verantwortlich sei. Die Infektionszahlen seien europaweit steigend. Der Fußballverband habe sich stets strikt an die Anti-Corona-Maßnahmen der Regierung gehalten.

Bei der 45 Minuten langen Fahrt vom Quirinalpalast, wo die Squadra Azzurra von Italiens Staatspräsidenten Sergio Mattarella empfangen worden war, bis zum Regierungssitz, wo ein Treffen mit Premier Mario Draghi stattfand, strömten Zehntausende Römer zum Zentrum. Dabei seien alle Corona-Distanzregeln ignoriert worden.

Vonseiten der Polizei hatte es schon kurz nach den Feierlichkeiten harsche Kritik am italienischen Fußballverband gegeben. Der Polizeichef von Rom, Matteo Piantedosi, hatte verkündet, dass die Behörden dem Verband die Genehmigung für die Busfahrt nicht gegeben hätten. Offenbar hatte sich die Mannschaft um Kapitän Giorgio Chiellini aber für eine Busfahrt starkgemacht, um den zweiten EM-Triumph nach 1968 mit den Tifosi zu zelebrieren.

"Die Nationalmannschaft hatte um eine Tour durch Rom in einem offenen Bus gebeten, aber es wurde deutlich gemacht, dass das nicht möglich ist und dass wir diese Fahrt nicht genehmigen können", sagte Piantedosi im Interview mit dem "Corriere della Sera". Der Fußballverband hatte versichert, dass ein geschlossener Bus für die Fahrt zu Draghi eingesetzt werde. Doch stattdessen stand kurz nach dem Besuch bei Mattarella ein offener Bus für den Europameister bereit. "Kapitän Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci haben der Polizei mit Entschlossenheit ihre Absichten dargelegt. Zu diesem Zeitpunkt konnte man nur noch die Situation zur Kenntnis nehmen und sie auf die bestmögliche Weise bewältigen", betonte der Polizeichef.

Quelle: ntv.de, dbe/sid

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