Fußball

Sportliche Rettung reicht nicht 1. FC Kaiserslautern droht zu kollabieren

cfb7b6c57cf6c51a4ae5fa113b8698b1.jpg

Selbst wenn der FCK die sportliche Kehrtwende schafft - gerettet ist der Klub noch nicht.

(Foto: dpa)

Der 1. FC Kaiserslautern müht sich, in der dritten Liga anzukommen, sportlich läuft es aber nicht. Statt Wideraufstiegsträumen herrscht triste Realität. Parallel sucht der Fußballklub Investoren, um den finanziellen K.o. abzuwenden.

Die Euphorie ist schon wieder verflogen, die Hoffnungen auf die direkte Rückkehr in die zweite Fußball-Bundesliga haben einen Dämpfer erhalten. Beim 1. FC Kaiserslautern sind Anhänger und sportliche Leitung schon nach wenigen Wochen in der tristen Wirklichkeit der dritten Liga angekommen. Nur einen Sieg gab es in den ersten fünf Partien, das Murren auf den Tribünen des Fritz-Walter-Stadions wird vernehmbarer. Das größte Problem beim traditionsreichen Klub aus der Pfalz müssen aber nicht die Stürmer lösen. Denn ohne frischen Kapitalzufluss droht im kommenden Sommer die Überschuldung - ganz unabhängig vom sportlichen Erfolg.

Es gab Pfiffe und Beschimpfungen von einigen Fans auf der Westtribüne, als sich die Spieler in den roten Leibchen dem Teil der heimischen Arena näherten, dem mystische Kräfte nachgesagt werden. Die Zuschauer auf der Westtribüne des Betzenbergs waren sich nicht einig, aber das hat eine große Aussagekraft. Sollten sie den Spielern auf dem Rasen mit Applaus für den Einsatz danken oder sollten sie pfeifen wegen der vielen Unzulänglichkeiten, die das Spiel der Lauterer gegen den Karlsruher SC geprägt hatten. Das Südwestderby am zurückliegenden Samstag endete 0:0 und zeigte zwei Dinge: Einerseits wurde deutlich, dass der FCK ein Stück weit davon entfernt ist, ein Aufstiegskandidat in der dritten Liga zu sein. Andererseits bewiesen die Anhänger der Roten Teufel, dass sie ihren Verein lieben, die aktuelle Mannschaft hingegen (noch) nicht.

Dem Klub fehlt es an Harmonie

"Hier ist immer Druck, alleine wegen der großen Geschichte des Klubs", sagte Florian Dick nach dem fünften Pflichtspiel hintereinander ohne Sieg. Dick soll eine identitätsstiftende Figur im Kader der Lauterer sein, er spielte schon zwischen 2008 und 2014 für den FCK und kehrte im Sommer aus Bielefeld zurück. Der Rechtsverteidiger wehrte Fragen nach dem schwachen Saisonauftakt ab. Sechs Punkte Rückstand hat der Absteiger auf die Aufstiegsplätze, aber Unruhe löse das noch nicht aus.

imago35735631h.jpg

Treue Fans: 40.000 Zuschauer kamen zum Saisonauftakt gegen die Münchner Löwen.

(Foto: imago/Sven Simon)

Es ist gar keine Überraschung, dass sich der FCK schwer damit tut, sportlich in der Drittklassigkeit anzukommen, darüber konnte das von Euphorie und 40.000 Zuschauern begleitete Saisondebüt gegen den TSV 1860 München (1:0) nicht hinwegtäuschen. Aus dem Kader der Vorsaison sind gerade einmal drei Spieler übriggeblieben, 20 neue Akteure sorgten für einen kompletten Neuanfang - es ist nahezu zwangsläufig, dass es dem Team von Michael Frontzeck an Harmonie fehlt. Der Fußballlehrer, der den Abstieg des FCK in der vergangenen Saison nicht mehr abwenden konnte, muss in kürzester Zeit eine Trendumkehr schaffen, um den Aufstieg nicht in Gefahr zu bringen. "Klar ist, dass wir in den nächsten Wochen Dreier brauchen", sagte Frontzeck nach dem torlosen Duell gegen Karlsruhe. Der Aufstieg in der laufenden Saison ist für die Lauterer wichtig, in der kommenden Spielzeit drohen ansonsten massive finanzielle Einschnitte.

Die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern ist aber auch im Aufstiegsfall nicht gesichert, denn der Klub muss im August nächsten Jahres die "Betze Anleihe" zurückzahlen, eine Fan-Anleihe aus dem Jahr 2013 in Höhe von 6,7 Millionen Euro. Ursprünglich sollte das Geld für den Aus- und Umbau einer Jugendakademie verwendet werden, ein Teil der Summe wurde aber vom damaligen Vorstand um FCK-Boss Stefan Kuntz zweckentfremdet, um Finanzlöcher zu stopfen.

Die Mitglieder sind erstmal überzeugt

Jetzt muss der Vorstandvorsitzende Michael Klatt, seit dem 1. Februar im Amt, einen Weg finden, um dem Klub neues Kapital zuzuführen. Der erste Schritt auf dem Weg dorthin war die im Juni von den Mitgliedern beschlossen Ausgliederung der Profiabteilung in eine KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien) und der Einrichtung einer Management-GmbH.

In den kommenden Jahren will die Vereinsführung Geld bei Investoren einsammeln, um die "Betze Anleihe" zurückzahlen und anschließend in den sportlichen Bereich investieren zu können. Gesucht wird dazu zunächst ein "Ankerinvestor", wie es der Aufsichtsvorsitzende Patrick Banf formulierte. 50 bis 60 Millionen Euro sollen so zusammenkommen.

Bei einer Präsentation auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurden die Mitglieder von dem neuen Weg überzeugt, auf den bunten Seiten sah das Konzept schlüssig und erfolgsversprechend aus. Ob allerdings ein Geldgeber gefunden wird, der dem klammen FCK unter die Arme greift und zunächst einmal die Schulden des Klubs bedienen will, wird sich in den kommenden Monaten erst noch zeigen müssen.

Quelle: n-tv.de