Fußball

Comeback in Black 1. FC Köln jagt das Wunder statt Tasmania

fecab08a23bfd2e521abb6315d0889e9.jpg

Simon Teroddes (r.) Treffer lassen die Kölner vom Klassenerhalt träumen.

(Foto: dpa)

Am 16. Spieltag der Bundesliga ist der 1. FC Köln noch mausetot: Drei Punkte, Jugendfußballer füllen die Startelf gegen den FC Bayern auf, Sportdirektor Armin Veh spricht nur von Liga zwei. Doch jetzt, drei Siege später, winkt etwas anderes.

Die Spieler stehen in schwarzen Auswärtstrikots vor dem Gästeblock in der Ecke Südwest und klatschen, der Samstagabendnebel durchzieht das Stadion in Hamburg. Im Hintergrund reißt Kevin McKenna in seiner dicken Daunenjacke die Arme mehrmals in die Höhe. Als hätte der Co-Trainer des 1. FC Köln höchstselbst mit zwei Toren die Hoffnung auf den Klassenerhalt in die Herzen der rheinischen Fans gepflanzt - und nicht Wintereinkauf Simon Terodde. Auch ohne die Animation des ehemaligen Abwehrspielers hätten die Fans gefeiert. Zwar ist ein 2:0-Erfolg beim dauerstrauchelnden Hamburger SV an sich dafür kein Grund. Wohl aber drei Siege in Folge.

Nun, nach diesem 19. Spieltag der Fußball-Bundesliga, ist der Tabellenletzte vom Rhein mit zwölf Punkten auf Tuchfühlung zum HSV, nur noch vier Punkte vom SV Werder Bremen auf dem Relegationsplatz entfernt. Drei Runden zuvor war der Abstand dreimal so groß. Armin Veh sollte also seine Einschätzung der Lage beim 1. FC Köln nochmal überdenken.

Er wolle ein schlagkräftiges Team für die zweite Liga aufbauen, hatte er angekündig, als er Mitte Dezember seinen Job als Sportdirektor antrat. Das sehen Trainer Stefan Ruthenbeck und seine Mannschaft deutlich anders. Dieses Comeback in Black, das haben die Kölner einer Kombination mehrerer Faktoren zu verdanken. Einer davon steht im Tor, Timo Horn ist in Topform. "Wie ein Hexer", euphorisiert sich der Kölner "Express". In Hamburg-Stellingen bewahrte Horn sein Team vor einem Rückstand, als das Spiel eigentlich noch gar nicht begonnen hatte - doch gegen André Hahn war er schon in Minute eins hellwach. Ruthenbeck schwärmte: "Ein richtig großer Keeper, so einen Torwart habe ich noch nie trainieren dürfen."

In abgezockter Mittelstürmermanier

imago32179956h.jpg

Läuft: Stefan Ruthenbeck.

(Foto: imago/MIS)

Der Coach kam von der U19 des Vereins und würde auch wieder dorthin zurückgehen, falls er keinen Erfolg bei den Profis haben sollte. Er hat mit klarer Ansprache das Feuer zurück in die Mannschaft gebracht. Und fairerweise auch mehr Personal zur Verfügung als Vorgänger Peter Stöger, der in Dortmund noch auf sein gelbes Brillengestell wartet. Die Kölner Angst bei drei Punkten nach 16 Spieltagen, nach dem Aus in DFB-Pokal und Europacup war: Wir unterbieten den Negativrekord von Tasmania Berlin und die Spieler fliehen schon im Winter aus dem Geißbockheim - weil sie nicht wollen, dass der Klub sie mit in den sportlichen Abgrund reißt.

Alle Verträge sind auch für die Zweite Liga gültig, da haben die Ex-Verantwortlichen Jörg Schmadtke sowie Jörg Jakobs, der den Effzeh ebenfalls bald verlässt, vorausschauende Arbeit geleistet. Ebenso wie Schmadtkes Nachfolger Veh, dessen erster Transfer eigentlich im Hinblick auf Liga zwei über die Bühne ging, aber jetzt schon sechs Erstligazähler wert ist: In Hamburg zweimal in abgezockter Mittelstürmermanier, auch den Derby-Siegtreffer eine Woche zuvor markierte Simon Terodde mit perfekt abgestimmtem Kopfball in letzter Sekunde.

Brennen für Köln - oder Eigenwerbung

Wie der FC derzeit spielt, ist von Selbstaufgabe und Alibi-Fußball so weit entfernt wie vom Gewinn der Champions League. Die positive Lesart: Die Kölner Spieler wollen es noch einmal wissen und mit dem FC in der Bundesliga bleiben. Dies spräche dafür, dass Stögers plötzlicher Misserfolg nicht an der Teamchemie oder Charakterschwäche lag. Die negative Auslegung: Die Spieler machen nur Eigenwerbung, um möglichst schnell wegzukommen. Es gibt einige Spieler, die das problemlos könnten: Andere Erstligisten oder gar internationale Klubs nähmen sie mit Kusshand. Und die Winter-Transferperiode endet erst am 31. Januar um 18 Uhr.

Da ist eben jener Horn, zudem links davor auch der elementar wichtige, aber lange verletzte Jonas Hector, der auch in größter Bedrängnis und um sich greifender Hektik immer kluge Entscheidungen trifft. Dominique Heintz ist ein weiterer Faktor, er war schon in dunkelsten Hinrundenzeiten Dauerzweikampfsieger und eine Größe in der Innenverteidigung. Auch Salih Özcan hätte kein Problem, einen neuen Verein zu finden - mit einem beißenden Marco Höger zur Seite ist der 20-Jährige aus dem defensiven Mittelfeld nach vorne eine Waffe.

Und dann sind da noch die Fakten aus den vergangenen zehn Bundesligasaisons, für die sich vor allem das Präsidium und Geschäftsführer Alexander Wehrle interessieren dürften, die Ruthenbeck für Stöger auf die Bank setzten: In sieben Spielzeiten wechselte das jeweilige Tabellenschlusslicht kurz vor oder zur Winterpause den Trainer. Und alle Klubs schafften am Ende den Klassenerhalt. Eine schier unglaubliche Statistik. Zudem holten Trainer, die schon vorher im Verein waren, mehr Punkte also solche, die von außen engagiert wurden. Die Kölner haben nun zuhause die nächsten Endspiele vor sich. Es ist einfach, sich auszumalen, wie der Lautstärkepegel wäre, wenn der FC so weiterspielt und gegen Augsburg punktet. Und in der Woche danach gegen Ex-Trainer Peter Stöger und die Dortmunder Borussia. In Müngersdorf risse dann auch Kevin McKenna wieder die Arme in die Höhe.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema