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In diesem Wagen starb der Braunschweiger Fußballer Lutz Eigendorf.
In diesem Wagen starb der Braunschweiger Fußballer Lutz Eigendorf.(Foto: imago/Rust)
Samstag, 02. Dezember 2017

Redelings über die Saison 82/83: Der rätselhafte Tod eines Bundesligastars

Von Ben Redelings

Mord oder menschliches Versagen? In Braunschweig stirbt ein Spieler nach einem mysteriösen Unfall. In Bremen fängt sich der neue Bayern-Keeper ein kurioses Eigentor und in Dortmund möchte sich Bielefelds Trainer nur noch besaufen.

Ein Unglück erschüttert die Bundesliga: Der Braunschweiger Lutz Eigendorf soll "mit seinem PKW ins Schleudern geraten und frontal gegen einen Baum gefahren sein". Erst nach und nach wird klar, dass es sich bei diesem Unfall um einen Auftragsmord der Stasi handeln könnte. Der ehemalige Star der DDR-Nationalmannschaft sollte ausgeschaltet werden. Seine Frau erzählt später: "Abends um neun sagte er zu mir: ´Komm doch mit auf ein Bier.´ Ich blieb lieber bei unserem Sohn Julian. Gegen Mitternacht klingelte das Telefon. Ein Arzt war dran: ´Ihr Mann hatte kurz nach 23 Uhr einen schweren Autounfall. Er wird wahrscheinlich sterben.´ Lutz hatte 2,3 Promille im Blut. Bei mir war er absolut nüchtern weggefahren, harte Sachen trank er nie. Für mich deutet bis heute alles auf Mord hin."

Hinter dem Tod von Lutz Eigendorf wird die Stasi vermutet.
Hinter dem Tod von Lutz Eigendorf wird die Stasi vermutet.

Die Saison startet mit einem der kuriosesten Treffer der Bundesligageschichte. Bayerns neuer belgischer Keeper Jean-Marie Pfaff weiß offensichtlich noch nicht alles über den Mann, der da an der Außenlinie steht und Anstalten macht, den Ball per Hand direkt in den Strafraum zu befördern. Und genau das macht dieser Spieler mit den schwungvollen Oberarmen, der Bremer Uwe Reinders, in der 44. Minute am ersten Spieltag im Weserstadion. Er nimmt ein paar Meter Anlauf und wirft das Leder dann Richtung Bayern-Tor. Pfaff stürmt irritiert aus seinem Kasten, berührt den Ball am Fünfmeterraum leicht mit den Fingerspitzen und lenkt die Kugel so ins eigene Tor. Das 1:0 für Werder ist gleichzeitig auch der Endstand an diesem Tag.

"Klasse, Uwe! Das war ein Bombentor"

Uwe Reinders wird von Paul Breitner argwöhnisch gelobt: "Klasse, Uwe! Das war schon ein Bombentor. Allerdings gelingt so eines nur gegen uns!" Reinders sieht die Sache mit einem Schmunzeln im Gesicht eher pragmatisch: "Ich war durch eine Knieverletzung stark gehandicapt. Da musste ich das Tor mit der Hand machen." Und auch Pfaff kann dem spektakulären Treffer schon recht bald etwas Gutes abgewinnen: "Das Tor war positiv für mich. Ich war sofort überall bekannt. Vom Fernsehen wurde es zehnmal wiederholt."

Nachdem zur Halbserie HSV-Trainer Ernst Happel trotz eines 6:2-Siegs gegen Schalke noch gegrantelt hatte: "Heute Herbstmeister, morgen Hausmeister. Dafür kann ich mir nichts kaufen", ist er am Ende der Saison mit seinem Team sehr zufrieden. In einem packenden Bundesligafinish gegen Werder Bremen gewinnt der HSV die Meisterschaft aufgrund des besseren Torverhältnisses. Am letzten Spieltag siegen beide Teams. Werder Bremen schlägt zu Hause den VfL Bochum relativ sicher mit 3:2, und der HSV spielt beim Absteiger Schalke 04. Dort erlöst Wolfgang Rolff den Meister mit seinem Treffer in der 52. Minute zum 2:1. Auf dem Rückflug aus Gelsenkirchen fliegt der Kapitän – auf besonderen Wunsch der Mannschaft – eine Ehrenrunde über das Bremer Weserstadion.

"Wollen Sie die Rote Karte?" - "Jawoll, ich will sie!"

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Am 33. Spieltag wird Paul Breitner bei der 0:1-Niederlage gegen den FC Schalke 04 in der 72. Minute zum letzten Mal in einer Bundesliga-Partie eingewechselt. Den Schlusspunkt seiner Karriere setzt Breitner dann nach der Saison bei einem Freundschaftsspiel in Asien. Ohne sich abzumelden, geht er in der 70. Minute vom Platz, wird vom Linienrichter zurückgehalten und nach einer Beleidigung vom Schiedsrichter gefragt: "Wollen Sie die Rote Karte?" Breitner antwortet lächelnd: "Jawoll, ich will sie!" Und später: "So ist es richtig, die Rote Karte war ein Symbol. Jetzt ist endgültig Schluss!" Einer seiner Gründe für den Abschied ist der Ansehensverlust der Bundesliga. Breitner: "Ich habe keine Lust mehr, mich von Achtjährigen ein Arschloch nennen zu lassen."

Ein erinnerungswürdiges Ergebnis: 11:1 gewinnt Borussia Dortmund gegen Arminia Bielefeld. Das Besondere: Zur Halbzeit steht es noch 1:1, und Bielefelds Trainer Köppel macht seine Mannschaft heiß: "Jungs, wir können hier gewinnen." Doch das geht in die Hose, wie BVB-Kicker Rolf Rüssmann aus der anderen Perspektive über die Arminen erzählt: "Die Elf war wie ein Punchingball, den man niederschlägt und der rechtzeitig zum nächsten Schlag wieder stramm steht." Nach der Partie ist Bielefelds Coach verständlicherweise mit den Nerven runter. Das sehen auch die BVB-Offiziellen und schenken Horst Köppel deshalb etwas ganz Besonderes: Ein Fünf-Liter-Fässchen Bier! Das sollte eigentlich ein Journalist bekommen, der den richtigen Tipp abgibt, aber bei diesem Spielstand…! Köppel freut sich hörbar: "Am liebsten würde ich das Fässchen ansetzen und in einem Zug leeren!"

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Quelle: n-tv.de