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"Vorbeirauschender Fußball-Zug" 96-Boss Kind ätzt gegen Bundesliga und Löw

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Martin Kind hat eine Negativentwicklung im deutschen Profifußball ausgemacht.

(Foto: imago/Eibner)

Das Wohlergehen der Fußball-Bundesliga liegt Martin Kind am Herzen, sagt er. Deshalb schmerzt es ihn, dass dort keine Stars wie Cristiano Ronaldo spielen. Abermals keilt der Boss von Hannover 96 gegen die 50+1-Regel - und kritisiert den DFB und Bundestrainer Löw.

Einen Tag vor dem Start der neuen Saison hat Klub-Boss Martin Kind von Hannover 96 die fehlende Anziehungskraft und das sportliche Niveau der Fußball-Bundesliga kritisiert. "Der immer schneller rasende Fußball-Zug rauscht an Deutschland vorbei", sagte er der "Bild"-Zeitung. "England, Spanien und Italien sind längst an uns vorbeigezogen, Frankreich hängt uns ebenfalls ab. Die großen Pokale werden woanders in den Himmel gereckt." Laut dem 74-Jährigen ist der FC Bayern München "die letzte Trumpfkarte der Bundesliga. Ich fürchte, dass es noch schlimmer wird."

Kind versucht gerade, auf gerichtlichem Weg die sogenannte 50+1-Regel zu Fall zu bringen, die es nur im deutschen Profifußball gibt und die den Einfluss externer Investoren auf einen Verein begrenzen soll. Am Mittwoch hatte er angekündigt, im Herbst vor dem Landgericht Frankfurt eine erneute Klage dagegen einreichen zu wollen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte am 18. Juli den Ausnahmeantrag von Hannover 96 nicht genehmigt. Durch diese Entscheidung ist es Kind derzeit nicht möglich, die Mehrheit der Anteile an der "Hannover 96 Management GmbH" zu übernehmen.

Der Unternehmer ist der festen Überzeugung, dass die 50+1-Regel die Entwicklungsmöglichkeiten der Bundesligaklubs bremst. "Das Fußball-Geschäft wird weiter anziehen, Europas Ligen sind längst zu Show-Bühnen geworden", sagte der 96-Boss. "Ronaldo wechselt mit 33 Jahren für 100 Millionen nach Turin. Die Hälfte der Summe haben die Italiener nach kurzer Zeit durch den Trikotverkauf wieder eingespielt. Wir rümpfen die Nasen, die Tifosi sind happy", sagte Kind, der seit 1997 an der Spitze von Hannover 96 steht. "Juve war schlau. Zu uns kommt Ronaldo eben nicht."

Ebenfalls erzürnt äußerte sich Kind über den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Bundestrainer Joachim Löw. Im Umgang mit dem langjährigen Nationalspieler Mesut Özil im Zusammenhang mit dessen umstrittenen Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hätten diese Fehler gemacht. Man habe das Thema "eindeutig unterschätzt, der DFB trägt dabei eine erhebliche Mitschuld", sagte Kind. Laut dem millionenschweren Unternehmer erinnert Löw in seinem Verhalten "ein bisschen an das eines Politikers: Aussitzen, es wird sich schon irgendwie ausgehen."

Quelle: n-tv.de, cri/sid/dpa

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