Fußball

Redelings über Frauen als Trainingslager Als Daum seine "Miss Banana" traf

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Ein Herz und eine Seele: Christoph Daum mit - nein, nicht "Miss Banana", sondern mit Hennes, dem Maskottchen des 1. FC Köln.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Was ist nur mit unseren Fußballern los? Der MSV Duisburg bucht aus Angst vor 400 Models um, beim BVB schrillen die Alarmglocken, weil die schwedische Damen-Nationalelf im selben Hotel-Komplex weilt. Über Frauen, Spaß und Trainingslager.

Es war die Meldung der Winterpause: Drittligist MSV Duisburg hat sein Quartier für das Trainingslager in der Türkei umgebucht, weil im ursprünglich reservierten Hotel zur gleichen Zeit ein russischer Model-Wettbewerb mit 400 Teilnehmerinnen stattfindet. Augenzwinkernd verkündete man: "Wir wollen uns ja in aller Ruhe auf die Frühjahrsserie vorbereiten können!"

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Ben Redelings.

(Foto: Sascha Kreklau)

Das muss man erst einmal sacken lassen. Was für jeden Kreisliga-Fußballer das Paradies auf Erden bedeuten würde, soll der heutigen Generation von Profis vorenthalten werden - aus Sorge, man hätte nicht die nötige Ruhe? Man darf getrost feststellen: So etwas hätte es früher nicht gegeben! Damals buchte Hannovers Nachwuchsspieler Rainer Zobel sein Flugticket ins Trainingslager sogar eigenhändig um, weil er lieber bei seiner Freundin Zuhause als mit seinen Kollegen auf dem Platz schwitzen wollte.

"Fußball ist nicht das Wichtigste"

Ben Redelings, Jahrgang 1975, sagt: "Ich lese eigentlich alles, was es zur Bundesliga gibt." Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und kümmert sich seit 15 Jahren hauptberuflich um alles, was mit Fußball zu tun hat. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er alle zwei Wochen mittwochs die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Ganz nach dem Motto eines seiner zahlreichen Bücher: "Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben - es ist das Einzige."

Getreu der Maxime der Trainerlegende Otto Rehhagel: "Frauen sind das beste Trainingslager". Dieses Zitat ergänzte Bremens Manager Willi Lemke übrigens irgendwann einmal um den Halbsatz: "... die eigene natürlich!" In Stuttgart unvergessen bleibt die Geschichte des jungen Markus Elmer. Der VfB-Spieler hatte sich am Nachmittag für einen Besuch des Schwimmbads - nur mit Badehose und T-Shirt bekleidet - ordnungsgemäß bei seinen Eltern abgemeldet. Doch als er nach zwei Tagen immer noch nicht heimgekehrt war, rief sein besorgter Vater beim VfB an und erfuhr, dass das Nachwuchstalent zusammen mit der Mannschaft in Griechenland sei. Aber auch dort wurde Elmer bereits schon wieder gesucht. Als die Mitspieler ihn schließlich gegen Mitternacht fanden, saß der junge Mann auf einer großen Familienfeier an einem großzügig gedeckten Tisch und schenkte sich gerade ein großes Glas Ouzo ein. Strahlend erzählte Elmer seinen Kollegen den Grund für das Fest. Er wolle sich in wenigen Minuten offiziell mit der Tochter des Hauses verloben. Unter einem Vorwand lockten die Kameraden den Liebestrunkenen gerade noch rechtzeitig von der Feier weg und schlossen ihn bis zur Abreise im Hotel ein.

"Essen, Massage, ding, ding, dumm"

Auch der junge Schalke-Torwart Jens Lehmann wollte nach der harten Trainingsarbeit auf ein bisschen Spaß nicht verzichten. Und so seilte er sich in Florida des Nachts etwas übermütig aus dem Zimmer des Hotelhochhauses ab, in dem der S04 logierte. Lehmanns Spritztour endete allerdings abrupt auf dem Balkon seines Trainers Peter Neururer - da die zusammen geknoteten Betttücher nicht lang genug waren. Die Zeiten für Fußballer wurden langsam rauer, als Boulevardzeitungen Bilder aus den Trainingslagern zu veröffentlichen begannen. Auf einem solchen Foto hatte sich der Übungsleiter Christoph Daum dummerweise etwas zu nah an die frisch gekürte "Miss Banana" gewagt. Was zur Folge hatte, dass die Ehefrau zu Hause im Supermarkt Sätze wie diesen zu hören bekam: "Ah ja, ihr Mann ist mit den Kölnern im Trainingslager. Er muss hart ran, haben wir gesehen!"

Zwischenzeitlich hatte man beim VfL Bochum noch versucht, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Zusammen mit den Frauen fuhr man für zwei Wochen auf die schöne Insel Sylt. Präsident Ottokar Wüst war zufrieden: "Westerland ist schon ein heißes Pflaster. Da ist es besser, wenn die Herren unter der Obhut ihrer Damen stehen!" Doch Mannschaft und Trainer rebellierten: Es sollte bei dieser einen gemeinsamen Reise bleiben.

Wie alles einmal enden würde, ahnte Anfang der 2000er-Jahre bereits das alte Schlachtross Reiner Calmund. Der damalige Bayer-Manager klagte bei einem feucht-fröhlichen Abendessen dem Kollegen Rudi Assauer sein Leid: "Die Spieler sind heute zum Teil kleine Bratwürste. Schlafmützen, die pennen, und kommen nicht aus den Füßen. Heute schleicht sich keiner aus dem Trainingslager, früher mussten wir die Jungs mit dem Lasso einfangen. Heute holen sich die Spieler brav den Schlüssel an der Rezeption, nehmen ihr Handy, ihren Kopfhörer - dann geht es ding, ding, dumm. Den ganzen Tag: Essen, Massage, ding, ding, dumm. Früher haben die Frauen angerufen, dass die Männer nicht ausbüxen. Heute rufen die Jungs an, ob ihre Frauen noch zu Hause sind." Da verwundert es nicht, dass aus dem gemeinsamen Trainingscamp des BVB und der schwedischen Frauen-Nationalmannschaft die frohe wie beruhigende Kunde kam: Mats Hummels und seine langjährige Freundin Cathy Fischer haben sich verlobt. Otto Rehhagel und Willi Lemke wird’s gefreut haben!

Quelle: n-tv.de