Fußball

Zusammenarbeit mit DFL Amazon will Bundesligatore vorhersagen

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Manche Geschichten im Fußball wird wohl selbst Amazon nicht prognostizieren können.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Fußball-Bundesliga will für den Zuschauer attraktiver werden und kooperiert dafür mit Amazons Cloudsparte AWS. Deren Softwaremodelle sollen dem interessierten Nutzer unter anderem personalisiertes Videomaterial anzeigen. Selbst Tore will AWS bald prophezeien können.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) arbeitet künftig mit Amazons Web-Plattform Amazon Web Services (AWS) zusammen. Bereits ab dem Rückrundenstart der laufenden Saison soll AWS mithilfe eines neuen Statistikservices Daten und neue Visualisierungen der Spiele bereitstellen. Damit will die DFL Liveübertragungen mit statistischen Erkenntnissen anreichern, aber auch auf den einzelnen Zuschauer zugeschnittene Angebote zur Verfügung stellen können. AWS geht so weit zu behaupten, seine Technologie werde bald Tore vorhersagen können.

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Das Tochterunternehmen des weltgrößten Onlinehändlers verkauft im großen Maßstab Rechenleistung an Firmen, unter anderem an Netflix und Siemens. Im Sportbereich arbeitet AWS bereits mit der Formel 1, der Major Baseball League und der US-amerikanischen Rennserie Nascar zusammen. Grundlage des Dienstes sei eine cloudbasierte Statistikplattform, die den Nutzern geräteübergreifend zusätzliche Daten und Visualisierungen zu jedem Spiel bereitstellen werde, gaben DFL und AWS bekannt. Es soll außerdem einen Dienst geben, der in Echtzeit Empfehlungen anzeigt, etwa personalisiertes Videomaterial oder Suchergebnisse, die auf den Vorlieben des Nutzers für bestimmte Vereine, Spieler oder Begegnungen basieren.

Die Grundlage dieser Dienste sind die Liveübertragungen und über 150.000 Stunden archiviertes Videomaterial aus tausenden Bundesligaspielen. Mithilfe maschinellen Lernens sollen die automatisch etikettiert werden: Jedes Bild soll mit Daten zu den beteiligten Teams und Spielern, zu Trikots und Spielort versehen werden. Damit könnte historisches Material wesentlich einfacher in Liveübertragungen zum Einsatz kommen, aber auch für einzelne Nutzer zugänglich gemacht werden.

Die Bundesliga als Trainingslager

Außerdem will AWS Softwaremodelle entwickelt werden, die auf dieser Datengrundlage nach und nach das taktische Verhalten der Mannschaften aufschlüsseln. Die Anwendungen würden bald schon in der Lage sein, Echtzeitvorhersagen über die Torerzielung zu machen, hieß es. Auch Torchancen und das Positionsspiel einer Mannschaft sollen die AWS-Server deuten lernen, um sie dann dem Zuschauer verdeutlichen zu können. Diese Aufgabe dürfte beim Fußball wesentlich schwieriger sein als im Baseball oder im Rennsport, wo weniger Faktoren zu berücksichtigen sind.

Die DFL ist laut eigenen Angaben die erste Fußball-Liga der Welt, die eine derartige Kooperation mit AWS eingeht. Als Liga mit den meisten Treffern pro Spiel sei die Bundesliga eine der unterhaltsamsten Sportligen der Welt, sagte Andy Isherwood, Vizepräsident von AWS: "Wir freuen uns darauf, bald noch tiefere Einblicke in das beliebteste Spiel der Welt liefern zu können." Die Bundesliga wird in über 200 Ländern vermarktet und ist daher ein durchaus ernstzunehmender Markt. Dennoch dürfte Amazons Engagement im Erfolgsfall eher eine Art Trainingslager für den Internetriesen gewesen sein.

Die am Bundesligamaterial trainierten Softwaremodelle könnten dann auch in noch größere Ligen exportiert werden. Vor allem die englische Premier League und die spanische Primera Division locken. Und es geht Amazon offensichtlich auch nicht nur darum, den Unterhaltungswert des Spiels zu bereichern. Der Onlinehändler will mithilfe seiner Algorithmen und Daten nicht nur Videomaterial personalisieren, sondern auch Werbung. Das leuchtet ein: Einerseits verbinden Fans starke Emotionen mit ihren Vereinen und Lieblingsspielern, andererseits hat Amazon eine breite Produktpalette, die Möglichkeiten, Werbung gezielt auszuspielen - und bald vielleicht auch Daten zum Nutzungsverhalten vieler Fans.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa/SID/DJ