Fußball

Hummels-Pfiffe, Ribéry-Ausraster Ancelottis Bayern stottern zum Titel

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Da ist das Ding: Im ersten Pflichtspiel mit dem FC Bayern gewinnt Carlo Ancelotti gleich seinen ersten Titel.

(Foto: imago/ActionPictures)

Der FC Bayern trifft im Supercup auf Borussia Dortmund. Während die Schwarzgelben eine Halbzeit lang ein richtig gutes Spiel machen, gewinnen die Münchner. Zwei Spieler der "Roten" bringen die schwarzgelben Fans in Rage.

Carlo Ancelotti saß ein wenig verloren auf dem Podium des neu gestalteten Presseraums im Dortmunder Stadion. Der 57-Jährige genießt in der Szene der Fußballer Weltruf, als Spieler gewann er zwei Mal den Europapokal der Landesmeister, als Trainer drei Mal die Champions League. Und doch interessierte sich niemand für ihn. Dabei soll er den FC Bayern München doch zurück an die Spitze Europas führen und damit die Mission beenden, an der sein Vorgänger Josep Guardiola in seinen drei Jahren beim deutschen Branchenführer gescheitert war. So schlecht lässt sich das Unternehmen gar nicht an: Exakt fünf Wochen, nachdem Ancelotti beim Rekordmeister vorgestellt wurde, durfte er bereits seinen ersten Titelgewinn feiern.

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Franck Ribéry hatte gegen den BVB einmal mehr seine Nerven nicht im Griff.

(Foto: imago/Revierfoto)

Nun gut, der Supercup hatte hierzulande noch nie eine überragende Bedeutung – noch dazu, wenn parallel Olympische Spiele laufen. Aber so gar keine Fragen zum Spiel und zu den Befindlichkeiten der neuen Fachkraft, das verwunderte dann schon. Schließlich hätte es einiges zu bereden gegeben, nach dem glanzlos herausgespielten 2:0 (0:0) des Doublegewinners beim Herausforderer aus dem Ruhrgebiet. Zum Beispiel die Gefühlswelt eines Thomas Müller, der eine frustrierende EM hinter sich hat und die frischen Erfolgserlebnisse sichtlich genoss. Der Stürmer durfte das erleben, was ihm vor Wochen mit der Nationalmannschaft verwehrt blieb: Er holte einen Titel und durfte sich dabei auch noch als Torschütze feiern lassen. Der 26-Jährige hatte sein typisches Thomas-Müller-Grinsen aufgesetzt, es war ihm schon von Weitem anzusehen, wie wohl er sich an diesem Abend fühlte: "Tore sind gut für mich, sie geben mir Ruhe vor nervigen Fragen und machen Spaß."

Nicht überzeugend, aber eiskalt

Ancelotti und Müller hatten erlebt, dass die Bayern ihre Grundtugend, das Spielgeschehen nervenstark und kühl auf den Punkt zu bringen, nicht verloren haben. Überzeugend war es nicht, was sie boten, aber als es darauf ankam, waren sie da. Von der Dominanz des Ballbesitzfußballs guardiolischer Prägung war nichts zu sehen und doch setzten sich die Gäste durch, weil sie abgeklärter agierten als ihre Kontrahenten. "Es war ein schwieriges Spiel", sagte Ancelotti, "Dortmund hat in der ersten Halbzeit wirklich gut gespielt. Zum Glück haben wir die Dinge danach besser kontrolliert." Dass die Dortmunder ihren Gegner teilweise klar beherrschten und dabei 20:9 Torschüsse und 7:2 Eckbälle kreierten, überraschte Müller nicht wirklich: "Es hätte dieses Spiel nicht gebraucht, um zu wissen, dass Borussia Dortmund wieder unser Hauptkonkurrent ist."

BVB-Trainer Thomas Tuchel durfte erfreut zur Kenntnis nehmen, dass sein mit acht Neuzugängen gepimpter Kader schon erstaunliche Spielfreude entwickelt. "Was ich hier in der Statistik lese, deckt sich mit dem, was ich unten am Spielfeldrand gefühlt habe: Es war keine verdiente Niederlage. Wir haben eine gute Energie auf den Platz gebracht und uns viele Torchancen herausgespielt."

Dass es nicht reichte, um das Spiel zu entscheiden, lag am Unvermögen vor dem gegnerischen Tor und an einem Manuel Neuer in Galaform. "Es wäre interessant gewesen, was meine alten Jungs gemacht hätten, wenn sie in Führung gegangen wären", sagte Mats Hummels: "Aber wir hatten ja einen überragenden Torwart." Damit, dass Hummels bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte bei jeder Ballberührung gnadenlos ausgepfiffen wurde, konnte der Weltmeister souverän umgehen: "Dieses Stadion hat eine überragende Emotionalität, wie es sie weltweit nur ganz selten gibt. Ich muss damit leben, wenn sich das gegen mich richtet."

Rummenigge rügt BVB-Fans

Karl-Heinz Rummenigge war da in seinem Urteil weit weniger gnädig. "Das ist eine Katastrophe", polterte Bayerns Vorstandsvorsitzender. Es sei enttäuschend, "wenn ein Spieler, der acht Jahre lang sein Knochen für diesen Verein hingehalten hat, so behandelt wird". Während Hummels in Dortmund 90 Minuten lang vorspielen durfte, wurde der zweite Seitenwechsler dem Publikum vorenthalten. Dabei waren die Fans doch so neugierig auf Mario Götze. Doch Tuchel ließ den verlorenen Sohn 90 Minuten auf der Bank. Der Rückkehrer habe erst neun Tage trainiert, "wir wollten ihn heute noch nicht im Wettkampf belasten. Für uns war es selbstverständlich, die Spieler zu bringen, die schon länger im Training sind".

Bei der Attraktion Götze muss sich das Dortmunder Publikum also noch ein bisschen gedulden. Dafür bekam es einen anderen Aufreger geboten: Wieder einmal ließ sich Franck Ribéry zu einer Tätlichkeit hinreißen, erneut entging der Franzose dem fälligen Platzverweis. Nach dem Champions-League-Finale 2013 und dem Pokalendspiel war es der dritte Ausraster eines Profis, der sich ganz offensichtlich nicht im Griff hat. Tuchel sprach von einem "Déjà-vu, es gibt keine Zweifel, wie diese Szene zu beurteilen ist: der gleiche Spieler, die gleiche Aktion." Dieses Mal war es der starke Youngster Felix Passlack, der die geballte Wut mit einem Ellbogencheck zu spüren bekam, im Mai wurde Gonzalo Castro Opfer des Übergriffs.

Warum Ribéry in dieser Form bevorteilt wird, ist dem Dortmunder Trainer schleierhaft: "Im Pokalfinale holt der vierte Offizielle Ribérys Finger aus Gonzos Auge, ohne dass was passiert." In Dortmund fragen sie sich mittlerweile, was eigentlich alles zusammenkommen muss, damit Franck Ribéry vom Platz fliegt ...

Quelle: ntv.de

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