Fußball

Prompt bleibt Özil in London Aubameyang steht für Arsenals Ambitionen

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Gewinnt der FC Arsenal durch ihn an Größe? Pierre-Emerick Aubameyang.

(Foto: dpa)

Mit der Verpflichtung von Pierre-Emerick Aubameyang setzt der FC Arsenal ein Zeichen. Auch Mesut Özil bleibt dem Verein aus der englischen Premier League angeblich erhalten. Die Londoner wirken wieder wie ein großer Klub.

Der FC Arsenal ließ Zahlen sprechen in der Mitteilung, mit der er am letzten Tag der Wechselphase, dem so genannten Deadline Day, die Verpflichtung von Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund bekannt machte. Stolz verwies er auf die 172 Treffer, an denen der Angreifer aus Gabun in 213 Pflichtspielen für seinen vorherigen Arbeitgeber beteiligt wer, und berechnete, dass er im Schnitt alle 96 Minuten ein Tor schießt oder eine Vorlage leistet. Diese Statistiken reichen als Begründung dafür, dass der Verein aus dem Norden Londons fast 64 Millionen Euro für Aubameyang ausgibt und auch seinen komplizierten Charakter in Kauf nimmt. Der FC Arsenal will mit dem Transfer ein Zeichen setzen, er will zeigen, dass in Zukunft wieder mit ihm zu rechnen sein soll.

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Nun bleibt er doch: Mesut Özil.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Der Klub des ewigen Trainers Arsène Wenger ist schon lange kein Kandidat mehr auf den Titel in der Premier League. Er droht in dieser Saison zum zweiten Mal nacheinander die Champions League zu verpassen, hat gerade seinen wohl besten Spieler verloren - Alexis Sánchez wechselte im Tausch gegen Henrich Mchitarjan zu Manchester United - und sich noch am Abend vor dem finalen Transfer-Tag mit einer 1:3-Niederlage bei Swansea City blamiert. Weshalb die englischen Boulevard-Medien spotteten, dass Aubameyang wohl direkt wieder den Rückflug antreten würde. Das hat er natürlich nicht getan. Mit seiner Verpflichtung gibt Arsenal ein Statement ab. Der Klub zeigt, dass er sich nicht damit abfinden möchte, immer weiter zurückzufallen hinter den Konkurrenten aus Manchester, hinter dem FC Chelsea und dem FC Liverpool. "Hoffentlich kommen wir so schnell wie möglich wieder nach oben. Ich werde mein Bestes dafür tun", sagt Aubameyang.

Wie es aussieht, wirkt das Signal auch nach innen. Mesut Özil hat sich prompt entschieden, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag doch noch zu verlängern - bis zum Sommer 2021, für angeblich zwölf Millionen Euro pro Jahr. Dabei galt sein Abschied eigentlich als beschlossen. Arsenal wirkt plötzlich wieder wie ein großer Klub.

Was will Arsenal überhaupt mit ihm?

Englands Medien haben die sich anbahnende Aubameyang-Verpflichtung in den vergangenen Tagen mit einer gewissen Zurückhaltung besprochen. Zu viele Fragezeichen hängen über dem Transfer. Sein exzentrisches Wesen und die diversen Verfehlungen, die den BVB dazu bewogen haben, ihn höchstbietend abzugeben, waren dabei weniger ein Thema als die Frage, was Arsenal überhaupt mit ihm will. Denn im Angriff hat der Verein keine Not. Er hat erst im Sommer 53 Millionen Euro für den französischen Mittelstürmer Alexandre Lacazette von Olympique Lyon ausgegeben. Der "Telegraph" illustriert diese erstaunliche Personalpolitik mit einem hübschen Vergleich. Mit Arsenal-Angreifern sei es wie mit Londoner Bussen. Erst kämen jahrelang überhaupt keine, dann würden plötzlich gleich zwei auf einmal vorfahren.

Trainer Wenger hat die knifflige Aufgabe zu lösen, wie er Aubameyang in sein Team einbaut. Die einfachste Variante wäre, den Angreifer aus Gabun in seiner Lieblingsrolle als zentrale Spitze aufzubieten, in der er es in der vergangenen Saison zum Bundesliga-Torschützenkönig gebracht hat. Das wäre allerdings eine Degradierung für Lacazette. Deshalb muss sich Aubameyang darauf einstellen, auf den Flügeln zum Einsatz zu kommen, wie in seinen ersten anderthalb Jahren in Dortmund. Entweder in einem Dreier-Angriff zusammen mit Lacazette und Özil, oder im offensiven Mittelfeld, mit Özil auf der Zehner-Position.

Unabhängig von Aubameyangs Platz in der Mannschaft ist sich die Fachwelt einig, was von ihm zu erwarten ist: "Er wird überall seine Tore schießen", twitterte Ex-Nationalspieler und TV-Moderator Gary Lineker. Aubameyang ist - genau wie Mchitarjan - vom Alter kein typischer Arsenal-Zugang. Der Verein hat in der Vergangenheit am liebsten junge Spieler verpflichtet. Profis, die ihre besten Jahre noch vor sich haben. Das ist bei den beiden neusten Kader-Mitgliedern anders.

Aubameyang ist 28, Mchitarjan 29 Jahre alt. Dieser Paradigmenwechsel und der Umstand, dass beide Neulinge eine Vergangenheit beim BVB haben, dürfte auf den Einfluss des ehemaligen Dortmunder Chefscouts Sven Mislintat zurück zu führen sein, der seit Ende des vergangenen Jahres bei Arsenal tätig ist. Er soll Trainer Wenger auch die Sorgen wegen Aubameyangs eigenwilligem Charakter ausgeredet haben. Dass Mislintat den Klub aus London zum neuen BVB umbaut, ist eher unwahrscheinlich. Doch seine Handschrift ist nicht zu bestreiten.

Aubameyang hat Großes vor bei Arsenal. Er sieht sich in der Tradition von Thierry Henry, dem besten Schützen in der Geschichte des Klubs. "Er war schnell und hat viele Tore geschossen. Er ist ein Vorbild für mich", sagt neue Mann. Doch dass Aubameyang eine Ära prägen wird wie Henry, der acht Jahre für Arsenal spielte und mittlerweile als Statue vor dem Stadion verewigt ist, ist angesichts seines fortgeschrittenen Alters unwahrscheinlich. Er soll kurzfristig Erfolg bringen, zusammen mit Özil und Mchitarjan. Es könnte schlechteres Personal für dieses Vorhaben geben.

Quelle: ntv.de