Fußball

Keine Euphorie in Italien Ausverkauf statt Aufbruch in der Serie A

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Mit Jose Mourinho kehrt ein alter Bekannter nach Italien zurück.

(Foto: picture alliance / DPPI media)

Im Sommer triumphiert Italiens Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft. Doch vor dem Start der heimischen Liga, der Serie A, herrscht im italienischen Klub-Fußball kaum Aufbruchsstimmung. Die Pandemie hat Jahre der Misswirtschaft offengelegt. Der Ausverkauf beginnt.

Italiens Elfmeterkiller Gianluigi Donnarumma ist noch immer vollkommen baff. "Ein unvergesslicher Abend", schrieb der Europameister bei Instagram, allerdings nicht bezogen auf die "Notte Magica" im Londoner Fußball-Tempel Wembley, sondern auf seine Vorstellung bei Paris St. Germain. Der 22-Jährige wechselte nur zwei Tage nach seinen Heldentaten im Elfmeterschießen gegen England von seinem Ausbildungsklub AC Mailand nach Paris.

Aber nicht nur wegen des Torhüters droht der einst heiß begehrten Serie A vor dem Start ihrer 90. Spielzeit am Samstag der Ausverkauf der Stars. Neben Donnarumma hatte sich Inter Mailands Achraf Hakimi schon Anfang Juli für 60 Millionen Euro in die französische Hauptstadt verabschiedet. Hakimis bisheriger Teamkollege Romelu Lukaku verließ den italienischen Meister für fast das Doppelte in Richtung Champions-League-Sieger FC Chelsea.

Während die Nationalmannschaft unter Trainer Roberto Mancini in diesem Sommer mit erfolgreichem und mitreißendem Fußball Europa verzückte, verliert die Liga sportlich und finanziell immer mehr den Anschluss zur europäischen Spitze. Als Ersatz für Tormaschine Lukaku kaufte Inter nicht etwa groß ein, sondern begnügte sich bislang mit der ablösefreien Verpflichtung des 35-jährigen Edin Dzeko von der AS Rom.

Wie viele italienische Erstligisten drückt die Lombarden eine über Jahre angehäufte Schuldenlast. Inters chinesischer Klubchef und Investor Steven Zhang verordnete deshalb einen Sparkurs. Trainer Antonio Conte nahm daraufhin seinen Hut, weil er für seine ambitionierten Ziele in der Champions League keine entsprechenden Verstärkungen bekam.

Auch für Juve wird es eng

Prominente Wechsel innerhalb der Liga gab es - allerdings ähnlich wie in Deutschland - vor allem auf der Trainerbank: Lazio Roms Simone Inzaghi übernahm für Conte bei Inter, den freien Stuhl in der Hauptstadt besetzt nun Maurizio Sarri. Bei Juventus Turin beerbte der einstige Meistertrainer Massimo Allegri den glücklosen Andrea Pirlo. Außerdem heuerte Jose Mourinho bei der AS Rom an.

Angesichts der umfassenden Personalrochaden rechnet sich auch Atalanta Bergamo mit Robin Gosens Chancen auf die erste Meisterschaft der Klubgeschichte aus. Allerdings liebäugelt auch der Nationalspieler mit einem Abschied aus Italien, am liebsten in Richtung Bundesliga.

Der einstige Serienmeister Juventus hängt den eigenen Erwartungen derweil hinterher, trotz des verheißungsvollen Wechsels von Cristiano Ronaldo vor drei Jahren hat sich die Alte Dame vom ersehnten Triumph in der Königsklasse immer weiter entfernt. Zuletzt war sogar zweimal im Achtelfinale Schluss. Große Euphorie kommt dagegen aus der zweiten Liga ins Oberhaus. Der FC Venedig stieg nach 19 Jahren Abstinenz wieder in die Serie A auf, Vereinspräsident Duncan Niederauer sprang daraufhin freudetrunken in einen der weltberühmten Kanäle der Hafenstadt. Das schwarz-goldene Trikot im Haute-Couture-Look war online binnen weniger Stunden ausverkauft.

Quelle: ntv.de, sue/sid

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