Fußball

Körbel über Trapp, Hütter, SGE BVB-Klatsche war für Eintracht "ein Weckruf"

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Torhüter Kevin Trapp und Trainer Adi Hütter: Zwei, die bei der Eintracht den Unterschied ausmachen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem Rückschlag in der Fußball-Bundesliga beim 0:4 in Dortmund will Eintracht Frankfurt in der Zwischenrunde der Europa League gegen Red Bull Salzburg (ab 18.55 Uhr im Liveticker bei ntv.de) wieder glänzen und am liebsten an die Leistungen der vergangenen Saison anknüpfen. Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel erwartet "einen Festtag", verrät ntv.de im Interview die Gründe - und warnt.

ntv.de: Herr Körbel, es sind wieder Europa-League-Festspiele im Waldstadion. Wie schwer wiegt - nach vier ungeschlagenen Spielen in der Rückrunde - die 0:4-Klatsche in Dortmund vom Wochenende noch nach?

Karl-Heinz Körbel: Die Spieler haben das abgehakt. Natürlich haben wir uns alle geärgert. Aber man muss auch sagen, dass Dortmund an dem Freitag klar die bessere Mannschaft gewesen ist, eine Nummer zu groß für uns. Für die Eintracht waren die Spiele davor wichtig.

Inwiefern?

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Rekordspieler der Bundesliga und Uefa-Pokalsieger mit Eintracht Frankfurt: Karl-Heinz "Charly" Körbel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Drei Jahre lief es wie am Schnürchen: Pokalfinale, Pokalsieg, Halbfinale der Europaliga mit der Chance, gegen Chelsea ins Finale zu kommen. Dann verlierst du zu Hause gegen Köln und in Paderborn. Und alle fragen sich: Was ist denn hier los? Wir alle waren ein Stück weit verwöhnt und haben gedacht, das geht ewig so weiter. Hätten wir nach den Niederlagen am Hinrundenende zum Rückrundenstart in Hoffenheim und gegen Leipzig verloren, hätte das Abstiegskampf bedeutet. Das wollte keiner. Entsprechend fokussiert ist die Mannschaft aufgetreten.

Und dann kam Dortmund ... 

Ja (lacht)! Aber ich denke, das war ein Warnschuss, ein Weckruf zur rechten Zeit, dahingehend, dass man dranbleiben muss, fokussiert bleiben muss. Von alleine gewinnt man nicht. Immer einhundert Prozent Leistung abrufen. So wie jetzt gegen Salzburg.

Die haben ihre Generalprobe ja auch vergeigt: 2:3 im Spitzenspiel zu Hause gegen den nun neuen Tabellenführer Linz verloren.

Charly Körbel

Karl-Heinz "Charly" Körbel spielte von 1972 bis 1991 für Eintracht Frankfurt und ist mit absolvierten 602 Bundesligapartien der Rekordspieler der Liga. Sechs Mal trug er das deutsche Nationaltrikot. Mit der Eintracht gewann er vier Mal den DFB-Pokal (1974, 1975, 1981, 1988) und den Uefa-Cup (1980). In den 1990ern saß er bei den Frankfurtern auch auf der Trainerbank. Heute leitet er die Eintracht-Frankfurt-Fußballschule.

Richtig. Ihnen fehlt auch noch der Rhythmus, die Winterpause in Österreich war länger als in der Bundesliga. Zudem hat Salzburg etwa mit Takumi Minamino, der zum FC Liverpool gewechselt ist und Erling Haaland, der nun für Dortmund spielt, zwei absolute Offensivgranaten verloren. Gefährlich sind sie dennoch, beherrschen wie die Eintracht das schnelle Umschaltspiel sehr gut.

Mit Trainer Adi Hütter und den Österreichern Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker hat die Eintracht aber genug Insiderwissen über Salzburg.

Absolut! Adi Hütter weiß, wie Salzburg spielt, war dort Spieler und Trainer, ist mit ihnen Meister geworden. Ich denke, das ist ein klarer Pluspunkt für die Eintracht. Dennoch, oder auch gerade deswegen, gilt: Aufpassen! Salzburg ist - wie wir - immer für ein Auswärtstor gut.

Das Motto der Eintracht sollte im Hinspiel also lauten: "Hinten muss die Null stehen"?

Europaliga ist kein Wunschkonzert. Die Eintracht muss schlau spielen. Nicht vorne blind anrennen und hinten hast du den Tag der offenen Tür. Das geht natürlich nicht. Wenn du ein Tor kriegst, wird es schwer. Das wissen Trainer und Mannschaft aber, kein Thema. Die Null hinten muss stehen, sie ist die beste Voraussetzung für ein erfolgreiches Rückspiel und letzten Endes den Einzug in die nächste Runde!

Ist die Eintracht jetzt eine bessere als in der Hinrunde?

Besser? Stabiler würde ich es nennen. In der Hinrunde hatten wir nach einem ordentlichen Start plötzlich ein Paket von Problemen: Rote Karten, krankheitsbedingte Ausfälle, Langzeitverletzte, dazu zum Teil haarsträubende Fehler auf dem Platz. Aber das ist denke ich vorbei. Das war die Hinrunde, jetzt ist die Rückrunde. Trainer Hütter kann nahezu aus dem vollen Spielerpotenzial schöpfen. Alle sind frisch. Kevin Trapp ist zurück im Tor, das hilft der Mannschaft und gibt ihr zusätzlich Kraft.

Kraft gaben der Eintracht in der letzten Europa-League-Saison auch die Fans im Stadion. Inwieweit ist es ein Vorteil, dass die Eintracht zuerst zu Hause spielt?

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Eintracht Frankfurt gegen Benfica: Auch dank der Fans drehen die Frankfurter mit einem 2:0 die Hinspielniederlage und stehen im Halbfinale.

(Foto: picture alliance/dpa)

Am Ende ist es egal. Auch deshalb, weil die Eintracht in der letzten Europaliga-Saison bewiesen hat, dass sie beides kann. Gegen Inter Mailand hat sie zuerst zu Hause gespielt und ist weitergekommen. Gegen Benfica musste sie zuerst auswärts ran und hat dann vor heimischer Kulisse alles klargemacht. So oder so: Das Heimspiel gegen Salzburg wird wieder ein Festtag. Die Fans werden der zwölfte Mann sein und die Mannschaft bedingungslos unterstützen. Da freue ich mich jetzt schon drauf.

Wie geht das Hinspiel aus?

Ich glaube, dass wir in der Lage sind, hier vor heimischer Kulisse - und die wird wieder grandios werden, Hammer-Choreo inklusive -, 2:0 zu gewinnen.

Und wie endet das Rückspiel?

Bei allem Respekt vor Salzburg: ein schönes 1:1.

Mit Karl-Heinz Körbel sprach Thomas Badtke

Quelle: ntv.de