Fußball

Wolfsburg siegt im Europa-Duell Baumann-Patzer legen Hoffenheim lahm

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Der Mann des Spiels: Wout Weghorst.

(Foto: imago images / HMB-Media)

Der TSG Hoffenheim fehlt die Entschlossenheit, um sich gegen den VfL Wolfsburg durchzusetzen. Am Ende sichern sich die Gäste wichtige Punkte im direkten Duell um den Europa-League-Rang - auch dank mehrerer Patzer des TSG-Torwarts Baumann.

Zwei Patzer von Torwart Oliver Baumann haben die TSG Hoffenheim im Rennen um einen Platz in der Königsklasse weit zurückgeworfen. Nach vier Siegen in Folge unterlagen die Kraichgauer am 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga trotz einer Führung 1:4 (1:1) gegen den VfL Wolfsburg. Die Wölfe sind durch den Sieg wieder mittendrin im Europacup-Kampf.

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Baumann patzte mehrfach.

(Foto: imago images / foto2press)

Der zuvor starke Baumann ließ zunächst einen harmlosen Kopfball des Niederländers Wout Weghorst durch die Arme rutschen (69.). Auch beim dritten Gegentreffer von Maximilian Arnold aus spitzem Winkel (85.) sah der Keeper nicht gut aus. Zudem waren der Brasilianer William (41.) und noch einmal Weghorst (88.) für Wolfsburg erfolgreich. Es war der erste VfL-Sieg in Sinsheim seit sechseinhalb Jahren. Der Ungar Adam Szalai (9.) traf für Hoffenheim.

Durch die Niederlage hat die TSG, die in der vergangenen Saison Dritter wurde, vier Punkte Rückstand auf die Champions-League-Plätze. "Wir müssen alle vier ausstehenden Partien gewinnen, um noch eine Chance auf die Champions League zu haben. Ich bin davon überzeugt, dass wir dazu in der Lage sind", hatte der scheidende TSG-Trainer Julian Nagelsmann vor seinem vorletzten Heimspiel gesagt.

Spannung von Anfang an

Den 27.725 Zuschauern in der Sinsheimer Arena wurde sofort etwas geboten. Nach einem Warnschuss des Hoffenheimer Nationalspielers Nico Schulz (1.) hatten die Gäste zwei gute Möglichkeiten. Zunächst hielt Baumann gegen Admir Mehmedi (2.), dann lenkte er einen Schuss von Felix Klaus an die Latte (4.). Auf der Gegenseite sorgte Ishak Belfodil zweimal für Gefahr (5. und 7.).

Zwei Minuten später war nach einem grandiosen Spielzug der Kraichgauer über das ganze Feld die Führung für die TSG perfekt. Szalai schloss die Vorarbeit von Andrej Kramaric und Schulz ab. Die Hoffenheimer, die ohne den gesperrten Kerem Demirbay sowie Benjamin Hübner, Dennis Geiger, Robin Hack und Joelinton auskommen mussten, blieben auch nach der Führung auf dem Gaspedal. In der 13. Minute traf Belfodil die Latte. Danach gab es einen Foulelfmeter für die Gastgeber nach Videobeweis, den Kramaric allerdings an den Pfosten setzte (15.).

Ausgang zwischenzeitlich völlig offen

Die Wolfsburger, bei denen Stammtorwart Koen Casteels, John Anthony Brooks, Jerome Roussillon, Felix Uduokhai und Daniel Ginczek fehlten, konnten sich kaum vom Druck befreien. In der 23. Minute vergab Szalai die Chance auf seinen zweiten Treffer. Vier Minuten später war es Robin Knoche auf der anderen Seite, der den Ausgleich auf dem Kopf hatte.

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William glich in der 41. zum 1:1 aus.

(Foto: imago images / foto2press)

Nach dieser Szene wurden die Niedersachsen stärker, Mehmedi verzog nur knapp aus der Distanz (37.). Kurz darauf kam Maximilian Arnold nicht an Baumann vorbei (38.). Besser machte es William mit seinem Kunstschuss zum Ausgleich.

Nach dem Seitenwechsel blieben die großen Möglichkeiten zunächst aus. Nach einer Stunde war der Ausgang völlig offen, beide Mannschaften spielten auf Sieg. Die besten Chancen in dieser Phase hatten die Hoffenheimer Szalai (65.) und Kasim Adams (67.). Kurz darauf leistete sich Baumann seinen Fauxpas. "Das ist wahnsinnig ärgerlich", gab Pechvogel Baumann nach dem Spiel zu, machte aber auch deutlich, dass er das Spiel nicht allein verloren hat: "Wir haben definitiv keinen Zugriff gekriegt, sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Unterm Strich war das einfach einen Tick zu wenig."

Wolfsburg-Trainer Bruno Labbadia hingegen lobt seine Elf für ihre Moral: "Alle Achtung! Uns haben fünf, sechs Stammspieler gefehlt. Das zeigt, was so alles geht, wenn eine Mannschaft zusammenhält. Der Glaube ist ein ganz wichtiger Punkt", meinte der VfL-Coach.

In Sachen Glauben lässt sich TSG-Trainer Nagelsmann zu einer Rüge hinreißen - die betrifft aber nicht seine Elf, sondern die Zuschauer in der "PreZero Arena".  Viele Zuschauer verließen das Stadion vorzeitig und pfiffen die eigene Mannschaft aus.  "Das Anspruchsdenken und die Wirklichkeit klaffen offenbar weit auseinander", stellt Nagelsmann nüchtern fest und empfiehlt: "Für einige wäre vielleicht ein Opernbesuch besser. Aber da gibt es auch schiefe Töne - vielleicht pfeifen sie dann auch."

Quelle: jho, sid, dpa