Fußball

Beim Heimspiel gegen St. PauliBayern-Fans provozieren "Pimmel"-Politiker

29.11.2025, 20:21 Uhr
Fussball-1-Bundesliga-Saison-2025-2026-12-Spieltag-FC-Bayern-Muenchen-FC-St-Pauli-29-11
Grüße gingen raus. (Foto: IMAGO/Ulmer/Teamfoto)

Weil er sich in einem Tweet als "Pimmel" beleidigt fühlt, löst Hamburgs Innensenator Andy Grote im Jahr 2021 eine Hausdurchsuchung der Polizei aus. Vor der Innenministerkonferenz, die neue Repressionen gegen Fußballfans vorbereitet, erinnern die Fans des FC Bayern an dieses Ereignis.

Es ist ein eindrückliches Schweigen, das in diesen Tagen durch den deutschen Profifußball wandert. Landesweit bleiben die Fans in den ersten 12 Minuten nach Anpfiff stumm. Um gegen die zusätzlichen repressiven Maßnahmen zu protestieren, die vor der Innenministerkonferenz, kurz IMK, diskutiert werden. "Soll das die Zukunft des Fußballs sein? Vereine und Verbände schützt eure Kurven vor Populisten!", hieß es vielerorts auf Spruchbändern, um für die eigenen Belange einzutreten. Die Fans befürchten eine Personalisierung von Eintrittskarten, Stadionverbote auf Verdacht und die Einführung KI-gestützter Gesichtserkennung.

In München richtete sich der Protest an diesem Wochenende explizit gegen Hamburgs Innensenator Andy Grote, der ebenfalls vom 3. bis 5. Dezember in Bremen tagen soll. Anlass dafür war das Bundesliga-Gastspiel des FC St. Pauli beim FC Bayern, das mit einem hart erarbeiteten 3:1 (1:1)-Erfolg für den Rekordmeister endete. Während der Partie zeigte die Südkurve, die sich regelmäßig zu zahlreichen Themen äußert, eine außergewöhnliche Bild-Text-Kombination.

"Grote schwingt wieder seinen Unverhältnismässigkeitspimmel" stand auf dem Spruchband in großen und entsprechend gut lesbaren Buchstaben geschrieben, dazu eine Zeichnung, die eindeutig den SPD-Politiker zeigt. Grote ist dabei mit offener Hose gemalt, aus der ein überdimensionaler Schlagstock herausragt. Dieser deutet in die Richtung von Fans in Bayern-Farben, zwischen denen ein Turm mit Überwachungskameras steht, dazu eine Kamera mit einem Zettel mit der Aufschrift "Stadionverbot" - und ein Polizist mit Helm und weiterer Kamera in der Hand, die ebenfalls auf die Fans gerichtet ist.

Grote selbst verstieß gegen Corona-Regeln

Die unmissverständliche und weitverbreitete "Pimmel"-Referenz hat sich Grote hart erarbeitet. Im Mai 2021 hatte der Innensenator auf Twitter feiernde Menschen im Hamburger Schanzenviertel scharf kritisiert, weil sie gegen Corona-Abstandsregeln verstoßen hatten: "Ignoranz" und "dämliche Aktion" waren seine Worte. Ein Twitter-Nutzer hatte dies wiederum mit "Du bist so 1 Pimmel" kommentiert. Und wenig später Besuch von der Polizei bekommen, die mit einem Durchsuchungsbefehl anrückte, wie der Twitter-Nutzer selbst öffentlich machte.

Grote hatte nämlich Strafantrag gestellt, woraufhin wegen einer möglichen Beleidigung ermittelt wurde. Neben der Verhältnismäßigkeit rückte dabei auch ein weiterer Vorfall aus dem Jahr 2020 wieder in den Fokus, den Grote wohl am liebsten aus der Öffentlichkeit verbannt hätte: sein eigener gerichtlich bestätigter Verstoß gegen die Corona-Regeln. Nach seiner erneuten Berufung zum Innensenator hatte Grote eine Party veranstaltet, die gegen die Corona-Maßnahmen verstieß und mit einem Bußgeld von 1000 Euro belegt wurde.

Erstaunlich war die Durchsuchung auch deshalb, weil der Gesuchte bereits einer Vorladung zur Polizei gefolgt war und bestätigt hatte, Betreiber des entsprechenden Accounts zu sein. Das berichtete damals die "taz" unter der für sie typischen Überschrift "Andy Grote will kein Pimmel sein". Auch internationale Medien schrieben darüber - und Andy Grote hatte dafür gesorgt, dass niemals wieder jemand seinen neuen Spitznamen vergessen würde.

Quelle: ntv.de, tsi

HamburgFußballFC St. PauliInnenministerFC Bayern München