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6 Dinge, die wir am 23. Spieltag gelernt haben Bayern schlechter als Real, Werder supergeil

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Knackig formuliert von den Bremer Fans - letztlich ist das aber natürlich Ansichtssache.

(Foto: dpa)

Am 23. Spieltag der Fußball-Bundesliga zerstören die Bayern zwar Schalke, so richtig zufrieden können sie aber nicht sein. Dortmund verdrängt Bayer von Platz zwei. Der HSV braucht einen neuen Trainer, Werder findet alles supergeil.

1. Real kann einen mehr als Bayern

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5:1 gegen Schalke - kann das der Anspruch der Bayern sein?

(Foto: imago/Lackovic)

Gratulationen nehmen die Bayern noch nicht an, aber sie können es sich leisten, auf nerviges Drumherum-Gerede zu verzichten: "Natürlich werden wir Meister", sagte Mittelfeldspieler Toni Kroos nach dem 5:1 über den FC Spielball 04. "Aber trotzdem wollen wir jedes Spiel ernsthaft angehen, damit wir mit Blick auf die Champions League nicht in irgendeinen Trott verfallen." Tja, die Champions League. Als erster Verein überhaupt will der FCB seinen Titel in der Königsklasse verteidigen. Das Viertelfinale ist so gut wie erreicht, aber da könnten richtige Brocken warten. Real Madrid zum Beispiel. Die zerlegten unter der Woche die bemitleidenswerten Schalker noch mit 6:1, und das in Gelsenkirchen. Ein Punkt mehr also für Cristiano Ronaldo und Co. auf dem Schalk-o-Meter. Aber immerhin versprach Manuel Neuer: "Wir wollen uns noch weiter verbessern." Keine guten Aussichten für die Liga - aber immerhin für die kommenden Runden in der Königsklasse.

2. Leverkusen kann nicht mal mehr Vizekusen

Wo wir gerade bei Real Madrid waren: Die Königlichen stehen mit 64 Punkten an der Spitze der Primera Division - nach einem 2:2 beim Stadtrivalen Atletico, der mit 61 Zählern auf Rang drei lauert. Die Vorstellung, der FC Bayern München könnte nur ein läppisches Unentschieden beim Tabellendritten holen, erscheint deutschen Fußballfans absurd. Zumal auf Rang drei ja wieder Bayer Leverkusen liegt, und "liegen" beschreibt es schon ganz gut. "Es tut weh", sagte Sportdirektor Rudi Völler so herzerbarmend, man möchte ihn fragen, ob es da nicht was von Ratiopharm gibt, wenn das nicht der falsche Sponsor wäre. Zumindest einen Seelendoktor hat Trainer Sami Hyypiä schon konsultiert, der riet dazu, im Training "Lockerheit zu bekommen und den Druck rauszunehmen". In zwei Wettbewerben ist der Druck ohnehin raus - im Pokal spielt Kaiserslautern an Bayers Stelle gegen die Bayern, und in der Champions-League geht es im Rückspiel gegen Paris St. Germain nur noch darum, den Abschied aus der Königsklasse ohne Massaker zu überstehen. Vielleicht verliert Bayer Leverkusen deswegen in der Liga - eine selbstauferlegte Entziehungskur von der Champions League?

3. Der BVB kann, wenn er will

Jürgen Klopp hat nach der unerwarteten Niederlage seiner Dortmunder gegen den HSV vor einer Woche einen schönen Satz gesagt: "Ich finde, ein Pferd hat so hoch zu springen wie es kann." Er kritisierte damit die lasche Einstellung seiner Spieler, die das Spiel beim Abstiegskandidaten offenbar im Vorbeigehen gewinnen wollten. Der Satz des BVB-Trainer ist nicht nur schön, er ist offensichtlich auch angekommen bei seinem Team. In beeindruckender Manier dann nicht nur in der Champions-League in St. Petersburg, sondern auch in der Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg mit 3:0. "Wir haben in St. Petersburg unser wahres Gesicht gezeigt - genau wie heute", sagte Spielmacher Henrikh Mkhitaryan, der den letzten Treffer selbst erzielte. Dabei gelten die Nürnberger unter Gertjan Verbeek als sehr kompaktes, schwer zu überwindendes Team, wie ein Spaziergang sah es dann auch nicht aus. Zumal die Nürnberger nach einer halben Stunde in Führung hätten gehen können, aber Tomas Pekhart traf nur den Pfosten. Gertjan Verbeek, auch ein Mann der schönen Sätze, wollte das übrigens nicht überbewerten: "Dann hätten wir eben 1:3 verloren und nicht 0:3."

4. "La Bundesliga" kann Europa nicht schrecken

Es war aber auch ein Hype um die Bundesliga in der vergangenen Saison. Die Bayern und der BVB siegten sich durch die Champions League, in der Liga erfrischten Freiburg und Frankfurt die obere Tabellenhälfte, irgendwie schien jeder jeden schlagen zu können (außer die Bayern natürlich). Ein nüchternes Zwischenfazit dieser Saison: Alles wie gehabt. International konkurrenzfähig sind nur die Bayern (und wie) und der BVB (an normalen Tagen). Die beiden anderen Champions-League-Vertreter haben sich in mittelmäßigen Gruppen in die K.o.-Runde gemüht und dienen nun als Sparringspartner. Die Europa League findet ab dem Achtelfinale ohne deutsche Beteiligung statt. Ähnliches winkt in der nächsten Saison: Momentan liegen selbst Mainz und Wolfsburg noch gut im Rennen um die Plätze in der Champions League - letztere trotz eines blamablen 2:6 in Hoffenheim. "Es war furchtbar", sagte Manager Klaus Allofs nach der Demontage. "Dass alle sagen, wir seien ein Champions-League-Kandidat, hat unseren Spielern wohl den Kopf verdreht." Dabei warten doch die Fans darauf, dass eine Mannschaft den Bayern und dem BVB mal wieder den Kopf verdreht - und dann vielleicht auch Europa.

5. Slomka kann gleich wieder gehen

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Es hätte so schön sein können. Zwei, drei Siege zum Einstand und eine fette Schlagzeile in der Hamburger Mopo: "Der Slomka-Effekt". Hätte, hätte, Viererkette. Stattdessen kämpft der Hamburger SV wohl bis zum Saisonende um den Klassenerhalt, auch mit dem neuen Trainer Mirko Slomka. "Wir sind alle sehr enttäuscht", sagte er nach dem 0:1 im Derby gegen Bremen. Das Erschreckende aus HSV-Sicht: Gerade in der Schlussviertelstunde zeigte sich die Mannschaft wieder von dieser seltsam lethargischen Seite, die Fans und Experten gleichermaßen an der Einstellung der Spieler zweifeln lässt. Zudem zog sich Slobodan Rajkovic einen Kreuz- und Innenbandriss zu, seine Saison endete in Bremen.

Wenigstens eine Woche lang sorgenfrei leben dagegen die Werderaner. Die Mannschaft entschlossen, die Fans mit einer begeisternden Choreographie anlässlich des 100. Derbys, der Trainer überglücklich: "Das war ein toller Fight", lobte Robin Dutt. "Ich habe schon einige Derbys erlebt, so geknistert hat es bisher noch nirgends. Die ganze Stadt war in Aufregung, der Verein war in Aufregung." Um es mit dem Wort der Stunde zu sagen: Supergeil.

6. Kein Tor kann auch ein Spiel entscheiden

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Erinnern Sie sich an den 34. Spieltag der Saison 1998/99? Wenn Sie Club-Fan sind, bestimmt. Nürnberg braucht im Abstiegskampf gegen den SC Freiburg dringend ein Tor. 120 Sekunden sind noch zu spielen, Bernd Nikl drischt den Ball gegen den Pfosten, der Abpraller trudelt Frank Baumann am Fünfmeterraum vor die Füße - und der scheitert frei vor Richard Golz. Es war ein Fehlschuss in wirklich allerletzter Sekunde.

So gesehen besteht Hoffnung für Alexandru Maxim, dass er nicht als die tragische Figur der Stuttgarter Saison in die Geschichtsbücher eingeht. Aber steigen die Schwaben tatsächlich am Ende ab, werden sie zurückdenken an diese 78. Minute in Frankfurt, in der ihr Team mit 1:0 gegen den direkten Konkurrenten führt, und Maxim das leere Tor aus fünf Metern verfehlt. "Ich bin Maxim extrem dankbar. Das musste das 2:0 sein. Danach wären wir tot gewesen", sagte Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp. Stattdessen schlugen die Hausherren zweimal zu, eine Befreiung für die Eintracht, ein Desaster für den VfB, der nun acht Spiele hintereinander verloren hat. Trotzdem geht Stuttgart vorerst mit Trainer Thomas Schneider in die anstehende Endspiel-Serie: Am Samstag geht es gegen Eintracht Braunschweig - dann warten Bremen, Hamburg und Nürnberg. Eine Mengen Chance für Maxim, seinen Fehler wettzumachen.

Quelle: n-tv.de

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