Fußball

Erst Aufstieg, dann Kündigung "Beast" Akinfenwa sucht Klub per Whatsapp

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Adebayo Akinfenwa hat's in England zum Kultkicker geschafft.

Adebayo Akinfenwa ist der Held von Wimbledon. Mit seinem verwandelten Strafstoß gegen Plymouth Argyle macht der 100-Kilo-Mann den Aufstieg seines AFC in die dritte englische Liga perfekt - und ist danach arbeitslos.

Adebayo Akinfenwa gehört wahrlich nicht zu den allerbesten Fußballern auf diesem Planeten. Und doch taugt der Mann zum Gesprächsthema. Nicht erst seit Montagabend, als er nach dem Aufstieg seines Klub AFC Wimbledon in die dritte englische Liga ein denkwürdiges Interview gab. Gerade erst hatte der 34-Jährige, der wahlweise als stärkster oder fettester Kicker der Welt gilt, den Strafstoß  zum entscheidenden 2:0 gegen Plymouth Argyle verwandelt, als er völlig vollgepumpt mit Adrenalin bei Sky Sports zum Mikrofon greift.

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"Ich glaube, ich bin jetzt arbeitslos. Liebe Trainer, wenn ihr einen Stürmer sucht, dann schickt mir eine Nachricht über Whatsapp!", brüllte der 180 Zentimeter große und 102 Kilogramm schwere Fußballer, der aufgrund seiner körperlichen Ausnahme nicht zu Unrecht den Spitznamen "The Beast" trägt, in die Fernsehkamera. Und sorgte selbst für die perfekte Inszenierung bei seinem Abgang. Die Ecke vor dem 1:0 holte der erst spät eingewechselte Stürmer heraus, um sich dann in der Nachspielzeit den Ball aus den Armen seines Mitspielers zu klauen - und zu treffen. Zum Aufstieg, zum arbeitssuchenden Helden.

Zwei Jahre ging der englisch-nigerianische Fußballer, der in einem Interview mit dem "Guardian" einst behauptete, seine Arme seien dicker als die Beine von Chelsea-Legende John Terry, für den vor 14 Jahren von Fans gegründeten Klub auf Torejagd. Überdurchschnittlich lange für Akinfenwa. In der Regel hielt es den Koloss nie länger als ein Jahr bei seinem jeweiligen Arbeitgeber aus - 14 weist seine Vita bislang aus. Die meisten fanden sich in der dritten oder vierten englischen Liga.

Zwischen Ehre und Spott

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"All die Leute, die gesagt haben, ich sei zu dick für Fußball, come on - ha ha!"

(Foto: imago/Action Plus)

Nur zu Beginn seiner Karriere durfte sich der Hobbybodybuilder, der beim Bankdrücken angeblich sein zweifaches Körpergewicht stemmen kann, höherklassig ausprobieren. Mit dem litauischen Klub Atlantas Klaipeda trat er in der Saison 2001/2002 zweimal in der Europaliga-Qualifikation ein und zwei Jahre später mit dem walisischen Meister Barry Town in Qualifikation zur Champions League. Dann zog es ihn ins englische Fußball-Nirwana, wo er zum - was für eine blöde Bezeichnung eigentlich - Kultkicker wurde. Von gegnerischen Fans verspottet, von der eigenen Anhängerschaft verehrt.

So musste er sich, wie die "11 Freunde" schreiben, in fremden Stadien Lieder anhören, die einst für den wohl wirklich fettesten Fußballer aller Zeiten William Henry "Fatty" Foulke, gesungen wurden: "Who ate all the pies?" Was übersetzt bedeutet: "Wer hat all die Kuchen aufgegessen?". Und offenbar nicht jeder glaubt dem 34-Jährigen aufgrund seiner körperlichen Erscheinung, dass er wirklich Profifußballer ist. Bei einer Polizeikontrolle, so lautet eine weitere Anekdote aus dem Magazin "11Freunde", wurde Akinfenwa von einem Beamten gefragt, was er denn beruflich mache. Der Koloss erklärte: "I'm a footballer." Der Polizist lachte und sagte: "Der letzte Super Bowl war klasse."

Nun ist es aber nicht so, dass Akinfenwa nur ein belächeltes und kraftsportliebendes Riesenbaby ist. Der Mann, der aus seiner massigen Figur einen Hype gemacht hat und T-Shirts mit dem Aufdruck "too big to play" bedrucken ließ, ist ein durchaus guter und treffsicherer Stürmer. Bei fast jedem Arbeitgeber hat er Leistung abgeliefert und seine Tore geschossen. Besonders beeindruckend tat er das bei Northampton Town (2008 bis 2010 und 2011 bis 2013). Für den Klub aus Zentralengland traf er in 168 Spielen 72 Mal.

Sein letzte Partie für Wimbledon - und sein vielleicht letztes Profispiel überhaupt - nutzte Akinfenwa auch zu einer Abrechnung mit seinen Kritikern: "All die Leute, die gesagt haben, ich sei zu dick für Fußball, come on - ha ha!" Ob Wimbledon-Manager Neal Ardley, der sich nach dem Aufstieg zu Akinfenwa vor die Kameras gesellte, auch dazu gehört, verriet "The Beast" nicht. Im Interview brüllte er nur: "Er hat mich entlassen, er hat mich entlassen!" Dann umarmen sich die beiden innig. Sie haben schließlich etwas zu feiern.

Quelle: n-tv.de

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