Fußball

Bosz bittet zum Abgang-Casting Beim BVB beginnt das große Ausmisten

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Schwarz-gelber Streichkandidat: Emre Mor

(Foto: imago/DeFodi)

Neuer Trainer, neue Spieler und ein Rückkehrer mit Ambitionen - bei Borussia Dortmund ist in dieser Saison vieles neu. Allerdings wird nicht jeder im Aufgebot des Bundesliga-Dritten gebraucht. Besonders ein Quartett steht auf der Kippe.

Nach dem morgendlichen Geheimtraining zum Vorbereitungsstart öffnet Borussia Dortmund den Platz für die Öffentlichkeit. Die Neugier der Fans auf Peter Bosz ist groß. Lässt der neue Trainer den BVB so offensiv spielen wie seinen Ex-Klub Ajax Amsterdam? Ist er taktisch so flexibel wie Vorgänger Thomas Tuchel? Wie emotional verhält er sich an der Seitenlinie? Erste Antworten auf diese Fragen gibt es am Dienstag (19 Uhr), wenn Dortmund zum Test bei Rot-Weiss Essen antritt. Bosz selbst schaut auf andere Dinge. Der Niederländer wird sich im Spiel gegen den Regionalligisten ein genaues Bild von seinen Wackelkandidaten machen. Denn der aktuelle 33-Mann-Kader ist trotz Dreifachbelastung und der schweren Verletzung von Raphael Guerreiro zu groß. Der portugiesische Europameister hatte sich beim Confed Cup entgegen bisheriger Annahmen doch einen Fußbruch zugezogen und fällt nun bis zu vier Monate aus.

Um ihren Platz kämpfen vor allem Publikumsliebling Neven Subotic, Mittelfeldrenner Sebastian Rode und Offensivdribbler Emre Mor. Besonders Subotic muss in Essen überzeugen, denn in der Innenverteidigung herrscht trotz des Abgangs von Confed-Cup-Sieger Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), wegen des Zwölf-Millionen-Euro-Transfers von Ömer Toprak, ein Überangebot. Subotic, der in der Rückrunde der vergangenen Saison an den 1. FC Köln ausgeliehen war, gibt sich kämpferisch: "Es gibt in diesem Sommer eine neue Situation für mich beim BVB. Mit Peter Bosz ist ein neuer Trainer da, den ich erst einmal kennenlernen muss - und er muss mich kennenlernen."

Das gilt auch für Rode und Mor - laut der Zeitung "Atlantico Diario" soll er vom spanischen Erstligisten Celta Vigo umworben werden -, die sich unter Tuchel beim BVB nicht durchsetzen konnten. Die Zukunft des Spaniers Mikel Merino, der im Finale der U21-EM der deutschen Mannschaft mit den beiden Neu-Borussen Maximilian Philipp (SC Freiburg) und Mahmoud Dahoud (Mönchengladbach) unterlag, ist ebenfalls offen. Er muss sich nach der Rückkehr aus dem Sonderurlaub bei Bosz beweisen. Parallel zum Spielercasting feilt der Trainer auch am Spielsystem. Bosz ließ in Amsterdam einen radikalen Offensivstil spielen, die Ajax-Profis gefielen vor allem in der Europa League mit ihrem überfallartigen Fußball.

Zorc will Boszs "Ajax-Stil" sehen

Der Sportdirektor der Dortmunder, Michael Zorc, attestiert Bosz einen "frischen, attackierenden" Stil mit einer "ausgesprägten Struktur im Ballbesitz" und sehr starkem Gegenpressing. "Das würden wir sehr gerne auch bei uns auf dem Platz sehen", sagte er. Dafür muss Bosz mit seinem Team auf dem Trainingsplatz hart arbeiten. Daher dürfte der 53-Jährige die Asienreise (13. bis 19. Juli) rein aus sportlicher Sicht als ungünstig einstufen. In Japan und China testet der BVB zwar unter anderem gegen den italienischen Renommierklub AC Mailand, der ja immer noch Pierre-Emerick Aubameyang umwerben soll, die Reisestrapazen und die Werbeaktivitäten stören trotzdem die Vorbereitung.

Nach der Rückkehr aus Asien, wenn die U21-Europameister Dahoud und Philipp dazustoßen und Weltmeister Mario Götze nach seiner langen Zwangspause wegen einer Stoffwechselerkrankung das Trainingspensum hoffentlich gesteigert hat, beginnt die Vorbereitung erst so richtig. Die ersten Eindrücke indes sind positiv: So löste vor allem Götzes Rückkehr pure Erleichterung aus. 159 Tage nach seinem letzten Pflichtspiel für den BVB (1:1 in Mainz am 29. Januar) absolvierte er am Freitag die kollektiv fürs ganze Team angesetzte Leistungsdiagnostik ohne Probleme.

Bosz jedenfalls geht die große Aufgabe fast euphorisch an. "Der BVB gehört zu den zehn größten Klubs in Europa - eine junge Mannschaft, die gelbe Wand, das ist legendär. Ich freue mich darauf", sagte er bei seiner Vorstellung. Die Borussia wird vor allem einen Wunsch haben: Nach der vergangenen Saison mit Zoff, schweren Verletzungen, Ausschreitungen, wilden Spielen und vor allem dem Bombenanschlag auf die Mannschaft vom 11. April soll es wieder deutlich ruhiger zugehen. Das dürfte nicht allzu schwierig werden - trotz des gefühlten Neuaufbaus.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid