Auch CDU-Politiker wird deutlichBericht: Europäischer Fußball schließt Boykott der WM 2026 nicht mehr aus

Das Getöse im Vorfeld der WM 2022 hallt immer noch nach. Damals geht es unter anderem um die Menschenrechtssituation im Wüstenemirat Katar. Kaum fünf Monate vor Auftakt der WM 2026 steht mehr auf dem Spiel. Die Politik Donald Trumps verstört einen gesamten Kontinent. Der wägt seine Optionen ab. Auch im Fußball.
Der europäische Fußball zeigt sich schwer besorgt über Donald Trumps klar formulierte Pläne, sich Grönland einzuverleiben. In Budapest soll es am Montag zu einem Treffen von 20 Verbänden gekommen sein, berichtet der "Guardian". Aus dem Bericht wurde nicht ersichtlich, ob auch deutsche Vertreter an dem Treffen teilgenommen haben.
Das Ziel des Treffens am Rande des 125. Geburtstags des ungarischen Fußballverbands: Eine erste Absprache darüber, wie der europäische Fußball geschlossen im Falle einer weiteren Eskalation der Grönland-Krise reagieren könnte.
Auch aus der Politik sind vermehrt Boykott-Aufrufe der Fußball-WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA zu vernehmen. 78 der 104 Spiele werden dabei im Land des FIFA-Friedenspreisträgers Donald Trump ausgetragen, darunter auch das Finale am 19. Juli 2026 in New Jersey.
Noch wagt sich niemand aus der Deckung
Bei dem Treffen in Budapest, so berichtet der "Guardian", hätten einige hochrangige Funktionäre eine militärische Aggression zur Eroberung Grönlands als einen möglichen Boykott-Auslöser unter UEFA-Führung identifiziert. Die FIFA halte eine mögliche Abwesenheit der europäischen Nationen momentan noch für unwahrscheinlich.
Bei den Gesprächen seien die Vertreter vereint in ihrer großen Sorge aufgrund der Politik Trumps gewesen. Die meisten Verbände, hieß es, würden sich an den Reaktionen ihrer Regierungen orientieren, andere aber könnten sich auch proaktiv einem von einem der großen Fußball-Verbände initiierten Boykott anschließen.
In dem Bericht findet sich jedoch kein wörtliches Zitat, er bewegt sich damit im Bereich der Spekulation, auch über das weitere Vorgehen der Gruppe. Diese soll im Februar wieder aufeinandertreffen und dann auch über eine mögliche Aufnahme Grönlands in die UEFA beraten.
"Europa sollte nicht an WM teilnehmen, wenn ..."
Auch in der Politik gibt es immer wieder neue Überlegungen, wie der Fußball mit dem Turnier im Sommer umgehen könnte. "Es braucht schon lange einen klaren und entschlossenen Kurs gegenüber Trump", sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter der "Süddeutschen Zeitung".
Es gehe nicht mehr um Beschwichtigungen, um Unterwürfigkeit. Das sei für Trump nur das Signal von Schwäche. "Insofern muss natürlich klar sein, dass Europa nicht an einer Fußball-WM teilnehmen sollte, im Fall, dass Trump seine Ankündigungen und Drohungen in Bezug auf Grönland umsetzt oder einen Handelskrieg mit der EU anzettelt." Dies sei jedoch nur ein symbolisches Instrument.
Ähnlich argumentierte zuletzt der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, im Deutschlandfunk. Der DFB will sich aktuell nicht zu derartigen Überlegungen äußern, die Bundesregierung legt Wert darauf festzuhalten, dass ein WM-Boykott momentan in den Überlegungen noch keine Rolle spielt.
Die Macht des europäischen Fußballs
Dabei wäre dieses weltpolitisch in der Tat symbolische Instrument, eines mit dem sich die Macht umkehrt: Mag Europas Wirtschaft stark von den USA abhängig sein, so ist der Weltfußball aktuell immer noch europäisch dominiert. In den Top-Ligen des Kontinents tummeln sich die besten Spieler der Welt, die Champions League ist im Klub-Fußball das Maß aller Dinge und für die Nationalmannschaften laufen weltweite Superstars wie Kylian Mbappé, Cristiano Ronaldo, Harry Kane, Lamine Yamal und Erling Haaland auf.
Die Top-Nationen Europas hatten sich mit dem Vorreiter Deutschland im Vorfeld und im Laufe der WM 2022 in Katar in eine Diskussion über Menschenrechte in dem kleinen Wüstenemirat ziehen lassen. Dafür wurden sie von weiten Teilen der restlichen Fußballgemeinschaft abgestraft.
Es ist kein Geheimnis, dass die Gesten der DFB-Elf vor dem ersten Gruppenspiel gegen Japan zur Niederlage der Bewerbung um die Ausrichtung der Fußball-WM der Frauen im Jahr 2027 führten. Die ging an Brasilien und der DFB fügte sich. Mittlerweile, so ist zu hören, sei der DFB wieder auf FIFA-Linie.
FIFA-Funktionäre tief beschämt
Mit einem vereinten Boykott der Weltmeisterschaft könnten die Europäer Trump und den USA nicht nur die Chance zur Selbstinszenierung rauben, sondern auch der FIFA gravierende Probleme bereiten. Dort, so berichtete der "Guardian" bereits am Wochenende, regiere aktuell die "tiefe Beschämung" im Kreise "mittelrangiger und hochrangiger Funktionäre" über die Vergabe des FIFA-Friedenspreises an Donald Trump.
Ein FIFA-Sprecher hatte die Preisvergabe daraufhin verteidigt und darauf verwiesen, dass sogar die venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado Trump bei ihrem Besuch in Washington in der vergangenen Woche in einem höchst ungewöhnlichen und rein symbolischen Schritt ihre Medaille übergeben hatte.