Fußball

Streik bei rund 1600 Spielen Berlins Schiedsrichter haben Gewalt satt

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Auf den Berliner Fußballplätzen soll am Wochenende kaum Betrieb sein.

(Foto: imago images/Jörg Schüler)

Obwohl die Saison erst wenige Monate alt ist, gibt es schon mehr als 100 Fälle von Gewalt und Diskriminierung auf den Berliner Amateur-Fußballplätzen. Nun gibt es Widerstand: Am Wochenende streiken die Unparteiischen in der Hauptstadt. Der Berliner Fußballverband sagte daraufhin sämtliche Spiele ab.

Dem Berliner Amateurfußball steht eine ungewohnte Ruhe bevor. Denn die Schiedsrichter der Hauptstadt streiken am Wochenende. Der Grund: Die Gewalt und Diskriminierung auf den Fußballplätzen nimmt zu. Bei rund der Hälfte von 109 registrierten Vorfällen allein in dieser Saison seien Schiedsrichter das Ziel der Attacken gewesen, wie der zuständige Ausschuss des Berliner Fußballverbandes (BFV) mitteilte. Als Reaktion darauf bestreiken die Unparteiischen am Samstag und Sonntag alle Partien, für die der BFV verantwortlich ist. Das betrifft alle Spielklassen von der Berlin-Liga abwärts, das heißt ab der sechstklassigen Landesliga bis hinunter in die Kreisklassen. Pro Wochenende finden in diesen Ligen berlinweit rund 1600 Spiele statt.

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Die Referees "werden von ihren Spielleitungen am Wochenende abgesetzt, sodass offiziell am Wochenende kein Schiedsrichter auf einem Berliner Fußballplatz angesetzt ist", sagte Jörg Wehling dem RBB. Wehling ist Vorsitzender des BFV-Schiedsrichterausschusses. In der offiziellen Mitteilung heißt es außerdem: "Die Gewalt auf Berlins Plätzen ist in dieser Saison gegenüber der Vorsaison gestiegen", deshalb "ist Handlungsbedarf gefordert und ein deutliches Stopp-Zeichen zu setzen". Das Präsidium des BFV äußerte sich bislang nicht, will sich aber im Laufe des Tages beraten.

In der vergangenen Saison gab es mehr als 150 Vorfälle von Gewalt gegen Schiedsrichter, wie der RBB berichtet. Darunter seien nicht nur Beleidigungen, sondern auch körperliche Gewalt und sogar eine Morddrohung. Deshalb gäben immer mehr Schiedsrichter ihre Pfeife freiwillig ab, zudem entscheiden sich immer weniger Jugendliche dafür, Spiele zu leiten. Für die rund 1600 Spiele an den Wochenenden stünden derzeit nur rund 1100 Referees bereit.

Das Amateurfußball-Portal "Fupa Berlin" sammelte kurz nach der Ankündigung erste Stimmen aus den Reihen betroffener Vereine ein. Zu großen Teilen unterstützen die Verantwortlichen den drastischen Schritt. "Es musste schon längst vorher ein Zeichen gesetzt werden, ich hoffe, die Aktion wird eine Wirkung hinterlassen", wird etwa Adnan Tuc, Vorsitzender des Berlin-Ligisten Hilalspor, zitiert. Thorben-Marc Meyer vom Bezirksligisten VfB Hermsdorf erklärte demnach: "Respekt gegenüber dem Schiedsrichter, aber auch dem Gegner sollte wieder Normalität werden. Das ständige Lamentieren, bei vermeintlichen Fehlentscheidungen, sollte unterlassen werden. Klar macht der Schiedsrichter auch Fehler, aber Fehler sind halt menschlich. Der Spieler möchte ja im Gegenzug auch nicht für jeden Fehler verbal bestraft werden."

Der Berliner Fußballverband (BFV) hat nach der Streikankündigung der Schiedsrichter für dieses Wochenende sämtliche Spiele unterhalb der Berlin-Liga abgesagt. Dies gelte für alle vom BFV angesetzten Pflicht- und Freundschaftsspiele, für alle Spiele im BFV-Futsalbereich und für alle Spiele im Freizeit- und Betriebssportspielbetrieb. Damit ruht an diesem Wochenende der gesamte Spielbetrieb des Erwachsenen- und Jugendbereiches im Berliner Amateurfußball. Mehr als 1000 Spiele sind betroffen.

Quelle: ntv.de, tsi