Fußball

Prominentes Team soll der FIFA helfen Blatter will Kissinger

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Henry Kissinger war als Berater Richard Nixons und als US-Außenminister maßgeblich an der US-Außenpolitik der 1970er Jahre beteiligt.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Skandale können ihn wohl kaum noch erschüttern. Schließlich ist der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger jahrelang ein enger Vertrauter von Ex-Präsident Richard Nixon. Da dürfte die Aufarbeitung der Korruptionsvorwürfe gegen die FIFA ein Kinderspiel sein. Joseph Blatter geht derweil auf das FIFA-Exekutivkomitee los.

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter kann bei der Aufarbeitung der Korruptionsvorwürfe rund um die doppelte Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 (Russland) und 2022 (Katar) wohl auf die Mitarbeit des 88-jährigen Henry Kissinger zählen. "Dr. Kissinger hat zwar noch keine formale Anfrage erhalten, dafür aber einen informellen Brief von FIFA-Präsident Blatter, in dem er eingeladen wird, dem 'Rat der Weisen' beizutreten", sagte eine Sprecherin des ehemaligen US-Außenministers.

Henry Kissinger, am 27. Mai 1923 in Fürth als Heinz Alfred Kissinger geboren, soll gemeinsam mit den Fußball-Ikonen Johan Cruyff und Pele dafür sorgen, dass der Weltverband in Zukunft transparenter wird. Blatter hatte im Zuge seiner umstrittenen Wiederwahl am Mittwoch in Zürich zudem eine "Lösungskommission" ins Leben gerufen. Am Pranger steht insbesondere die Vergabe der WM an Katar, aber auch über WM-Gastgeber Russland wird getuschelt. So forderte auch DFB-Präsident Theo Zwanziger eine Überprüfung der skandalumwitterten Vergabe der WM im Wüstenstaat.

"Wir wollen radikale Schritte machen und nicht nur kleine kosmetische Verbesserungen vornehmen", betonte Blatter, der seit 1998 "regiert" und nun in seine vierte Amtszeit als FIFA-Präsident geht: "Unser Schiff ist in Schieflage geraten. Ich werde als Kapitän alles daransetzen, dass wir wieder auf Kurs kommen", so Blatter. Es bleibt indes fraglich, ob der 75-Jährige seine vierte Amtszeit wirklich bis ins Jahr 2015 übersteht. Bei der Vergabe der WM 2022 an Katar sollen Schmiergelder in Millionenhöhe gezahlt worden sein.

Blatter gibt sich als Einzelkämpfer

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Für Joseph Blatter ist nur das FIFA-Exekutivkomitee das Problem des Weltverbandes.

(Foto: REUTERS)

Derweil distanzierte sich Blatter von den Mitgliedern des Exekutivkomitees des Weltverbands. "Mit meinen Vorschlägen, die ich dem Kongress gemacht habe, wäre ich im Exekutivkomitee nicht durchgekommen. Ich musste warten, bis ich die Plattform dafür habe - den Kongress. Meine Ansprechpartner in der FIFA sind die Nationalverbände, sie wählen mich. In der Exekutive sind die Leute, die von den Konföderationen bestimmt werden. Nachdem im November zwei Mitglieder suspendiert worden waren, war mir bewusst, dass wir etwas machen müssen", erklärte Blatter dem Tagesanzeiger aus Zürich.

Blatter hatte am Mittwoch beim 61. FIFA-Kongress in Zürich durchgeboxt, dass künftig nicht mehr die 24 Mitglieder des Exekutivkomitees, sondern alle 208 Mitgliedsländer des Weltverbandes über die Vergabe der Weltmeisterschaften abstimmen. Damit entmachtete er das FIFA-Exko und stärkte den Kongress. Ob damit aber tatsächlich die Zahlungen von Schmiergeldern verhindert werden können, ist äußerst fraglich.

Zwanziger verteidigt Stimmabgabe

Zudem beschuldigte der 75-Jährige einmal mehr den englischen Verband FA, Stimmung gegen ihn gemacht zu haben. FA-Boss David Bernstein hatte auf dem Kongress gefordert, die Präsidentenwahl zu verschieben, da nach dem Rückzug von Mohamed Bin Hammam in Blatter nur ein Kandidat zur Verfügung stand. "Also, man hat mich als Prügelknaben dargestellt. Wir haben Prügel erhalten und ich ein paar richtige Ohrfeigen. Erstaunlicherweise kommt alles aus der gleichen Ecke. Die Apotheose war, dass der englische Verbandspräsident Bernstein fast weinerlich sagte: "Ich muss jetzt etwas sagen, und es tut mir fast weh, dass ich das sagen muss.' Warum sagt er es dann?", meinte Blatter.

DFB-Präsident Theo Zwanziger verteidigte seine Stimme für die Wiederwahl Blatters. "Sepp Blatter ist in einer geheimen Wahl, auf die ich auch sehr gedrängt hatte, mit einer deutlichen Mehrheit gewählt worden. Hätte sich Deutschland in die Isolation begeben sollen? Unser Abstimmungsverhalten ist am Morgen des Wahltages eng mit den anderen europäischen Ländern abgestimmt worden", so Zwanziger im "Bild"-Interview.

Quelle: ntv.de, sid/dpa

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