Fußball

Debakel gegen Glasgow Rangers Borussia Dortmund darf man besser nicht trauen

Borussia Dortmund fehlt es weiterhin an Konstanz. Nach einem 3:0 bei Union Berlin werden sie in der Europa League vom schottischen Vertreter Glasgow Rangers mit 2:4 aus dem eigenen Stadion geprügelt. Dortmund irrlichtert erneut durch die Saison. Wie oft geht das noch gut?

Norbert Dickel begrüßte vor dem Spiel im Dortmunder Stadion die Gäste aus Glasgow. Nur nicht die Rangers, sondern den Lokal-Rivalen Celtic. Jude Bellingham war so heiß, dass er die Aufstellung fürs obligatorische Mannschaftsfoto verpasste. Und danach wurde es nicht besser. Mit 2:4 verlor Borussia Dortmund das Europa-League-Hinspiel gegen den Vertreter aus Schottland. Der BVB macht alle, die es mit ihm halten, weiter verrückt. Auf das 2:5 gegen Bayer Leverkusen folgte das überzeugende 3:0 bei Union Berlin und nun dieser Auftritt. Dabei hatte Trainer Marco Rose nach Berlin nicht einmal die Mannschaftsaufstellung verändert. Borussia Dortmund bleibt weiter eine Mannschaft, der man nicht über den Weg trauen kann.

Pures, nicht zu erklärendes Chaos durchzieht die Dortmunder Saison, die manisch-depressiv mal nach dem Titel greifen, um im nächsten Moment in Schockstarre, Antriebslosigkeit und tiefe Schwermut verfallen. Die hadern, die auf dem Platz körperlich anwesend sind, aber dem Gegner alles anbieten. Hertha BSC, FC St. Pauli, Bayer Leverkusen und Glasgow Rangers. Die Ausfälle häufen sich in den letzten Monaten und immer wieder bleibt nur eine logische Erklärung: Systemschaden!

Etwas, was sich nicht einfach so beheben lässt. Ein unausgewogener Kader, in dem Erling Haaland durch Steffen Tigges ersetzt wird, in dem Nico Schulz, Julian Brandt, Thorgan Hazard und Emre Can in Summe ein 100-Millionen-Euro-Missverständnis sind und in dem der kurzfristig verpflichtete Innenverteidiger Marin Pongracic allenfalls durch spektakuläre Auftritte in Twitch-Livestreams auffällt und der bemitleidenswerte Dan-Axel Zagadou nach langer Verletzungszeit naturgemäß kein Defensiv-Stabilisator sein kann. Die Führungsfiguren Marco Reus und Mats Hummels fallen meist erst positiv auf, wenn sie wieder einmal eine Knallhart-Analyse der Fehler abliefern.

Das nächste Übergangsjahr

"Wir spielen unsinnigen Fußball. So kannst du mal gewinnen und mal verlieren", fasste Hummels den Auftritt gegen die Ranger zusammen. "Aber so wirst du nie erfolgreich sein." Das ist durchaus schonungslos, aber es verpufft größtenteils wirkungslos. "Der Trainer spricht es an, wir setzen es auf viele Positionen nicht um. Wann spielt man welche Pässe, in welchen Situationen ist Risiko gut und wo nicht?" Hummels wirkte wieder einmal verzweifelt. Der Weltmeister ist ein Mann der klaren Worte, doch auch an ihm ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Mal kann seine Leistung mit seinen Worten mithalten, mal nicht. Nicht anders ist es bei Kapitän Marco Reus, der am Donnerstag gemeinsam mit Julian Brandt das 0:2 zu verantworten hatte.

Im Pokal raus, in der Champions League raus, in der Meisterschaft so inkonstant, dass sich die Bayern weitere Schwächephasen erlauben können, aber auch so konstant, dass die nachfolgenden Vereine die Borussia kaum noch aus der Champions League kegeln werden. Die Europa League ist Dortmunds letzte Chance auf einen versöhnlichen Abschluss einer Saison, die wie so viele Jahre davor als Übergangsjahr in die Vereinschronik eingehen wird. Im Sommer wird sich der Kader verändern und mit Sportdirektor Michael Zorc eines der Gesichter des Vereins in den Ruhestand gehen.

Ex-Kapitän Sebastian Kehl, sein Nachfolger, steht vor einer Mammutaufgabe. Schon jetzt wird auch die Frage nach Trainer Marco Rose gestellt, der es nicht geschafft hat, der Mannschaft seine Spielidee zu vermitteln. Der jedoch auch kaum Möglichkeiten hatte, den Kader zu gestalten. Bereits im vergangenen Sommer hatte er Vorstellungen, die ihm letztendlich nicht erfüllt wurden. Rose könnte sich trotzdem in die lange Liste der Trainer einfügen, die ultimativ von der großen Sehnsucht nach der Vergangenheit erdrückt werden. Dem BVB ist es nicht gelungen, für sich einen Weg zu definieren, der im Verein Aufbruchsstimmung signalisieren könnte. Vielleicht aber ist das nur über einen großen bedeutenden Titel und vor allen Dingen über einen Menschenfänger möglich. Das ist Rose nicht und dafür wurde er nicht verpflichtet. Und so könnte es immer so weitergehen, wie es halt im vergangenen Jahrzehnt so läuft in Dortmund.

Geld gibt es nur in der Champions League

Ein Scheitern in der Europa League würde finanziell kurzfristig kaum Schaden anrichten. Zu hoch sind die pandemiebedingten Verluste, zu hoch sind die Einnahmeausfälle durch das Verpassen der K.-o.-Phase der Champions League. Die Qualifikation für diesen so überlebenswichtigen Wettbewerb, die dem BVB dereinst sogar eine Ausfallversicherung wert war, über die Bundesliga bleibt das Hauptsaisonziel. Für ein weiteres Jahr an den Finanztrögen, die die Welt bedeuten.

Für ein weiteres Jahr in der Champions League, von deren Gewinn der BVB letztendlich so weit entfernt ist wie jemand, der Woche für Woche auf den Gewinn des millionenschweren Eurojackpots hofft. Die Europa League ist für den BVB nur ein Image-Wettbewerb, er ist kein lebensnotwendiger. Die langfristigen Schäden der europäischen Pleiten gegen Sporting Lissabon, gegen Ajax Amsterdam und nun im Heimspiel gegen die Rangers sind nicht absehbar, könnten aber recht gering ausfallen.

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Was die Situation kaum besser macht: Dieser Mannschaft ist ohne Weiteres zuzutrauen, in der kommenden Wochen im Ibrox Stadium das Ruder rumzureißen und mit einem überzeugenden Sieg ins Achtelfinale der Europa League einzuziehen. Es mangelt nicht an der individuellen Qualität, es mangelt nicht an der Klasse, einen Gegner wie die Rangers an einem Tag herzuspielen. Doch was dann als ein Sieg der Mentalität gefeiert werden würde, wäre in Wahrheit nur ein Signal für ein kurzes Innehalten der Erosion des Kaders. Die ist in Dortmund so weit vorangeschritten, ein Sieg wird sie nicht stoppen. In Dortmund droht weiter ein Sohldurchschlag, der irgendwann das über Jahre errichte Fundament des Vereins mitreißen könnte.

Noch ist der BVB nicht in der Position von Werder Bremen, die in den 2000er-Jahren lange Zeit auf Augenhöhe mit den Bayern waren, noch sind sie meilenweit von der Schalke-Werdung, dem kompletten Zusammenbruch, entfernt. Vergleichbar ist die Lage der Borussia vielmehr mit der von Arsenal. Die fassen in der englischen Premier League nach vielen grauen Jahren langsam wieder Fuß, haben aber letztendlich in absehbarer Zukunft kaum noch die Möglichkeit, an die alten Erfolge anzuknüpfen. Arsenal und Dortmund sind Klubs, die von ihrer Vergangenheit leben, die bislang jedoch kaum den Sprung in die 2020er-Jahre geschafft haben. Keine guten Aussichten für den BVB.

Quelle: ntv.de

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