Fußball

Bundestrainer in Sorge für WMDFB-Aufsteigerin macht Star vergessen - und bereitet Kopfschmerzen

14.04.2026, 13:02 Uhr Bild-AnjaVon Anja Rau, Nürnberg
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Endemann (r.) hat sich zurück ins DFB-Team gekämpft und zuletzt groß aufgespielt. (Foto: IMAGO/Jan Huebner)

Klara Bühl ist eine feste Größe im DFB-Team der Frauen - umso schlimmer, dass Bundestrainer Christian Wück in der WM-Qualifikation auf sie verzichten muss. Oder doch nicht? Denn Vivien Endemann spielt sich aus dem Schatten heraus - und zu einem neuen Verein. Das allerdings könnte für Wück noch zum Problem werden.

Klara Bühl sitzt ausgewechselt auf der Bank, die Hände vors Gesicht geschlagen. Peinlich berührt. Die Mitspielerinnen feixen sich eins. Weil Bühl das so sicher geglaubte Tor verschenkt hatte - und die Szene in Wiederholung auf der Stadionleinwand gezeigt wird. Gerade mal 1:0 stand es im EM-Viertelfinale 2022, die damals 21-jährige Bühl hätte in der 82. Minute am zweiten Pfosten einen sauberen Querpass von Alexandra Popp aus wenigen Metern nur noch über die Linie drücken müssen. Ihren Abschluss aber setzte sie daneben.

Dass das DFB-Team wenige Minuten später dennoch mit 2:0 gegen Österreich gewinnt, war der Vorarbeit von Lina Magull und dem Schlusspunkt von Popp zu verdanken- und halt irgendwie doch Bühl. Die Offensivspielerin blieb zwar vor dem Tor unglücklich, durfte sich aber nach der Partie nicht nur wegen einer Vorlage als "Spielerin des Spiels" ehren lassen.

Knapp vier Jahre ist das inzwischen her - und wenn es am heutigen Dienstag (18.15 Uhr/ZDF und im ntv.de-Liveticker) in der WM-Qualifikation gegen den Ländernachbarn geht, sind weder Magull, noch Popp noch Bühl dabei. Die beiden Erstgenannten haben ihre Karrieren im Nationaltrikot beendet, Bühl fehlt im Kader von Bundestrainer Christian Wück wegen einer Muskelverletzung in der Wade. Wie schon zu Beginn der WM-Qualifikation gegen Slowenien (5:0) und Norwegen (4:0). Und doch gibt es eine auf ihrer Position, die Österreich fürchten sollte: Vivien Endemann.

Das weiß auch Wück. Sie habe ein "sehr hohes Level", lobte der Bundestrainer. "Wenn man mal ehrlich ist: Dass Klara Bühl ausgefallen ist, das hat man eigentlich nicht gemerkt." Ein größeres Kompliment gibt es für die 24-Jährige kaum. Zwei Tore und vier Vorlagen hatte sie zu den jüngsten beiden Erfolgen beigesteuert. Und sich damit so richtig ins Rampenlicht gespielt.

Wechsel nach England

Auch international. Jüngst wurde bekannt, dass Endemann im Sommer vom VfL Wolfsburg zum FC Liverpool wechseln wird. Vor drei Jahren war sie von der SGS Essen zu den Niedersächsinnen gewechselt, ein Weg, den vor ihr schon einige Spielerinnen eingeschlagen hatten. Es war nicht immer einfach für die Flügelspielerin, die sich durchbeißen musste.

Auch im DFB-Team bekam sie nichts geschenkt. Nachdem sie Ende Februar 2024 gegen die Niederlande im A-Team debütiert hatte, nahm Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch sie auch zu den Olympischen Spielen mit. Dort spielte sie aber in lediglich drei Partien und wurde dabei jedes Mal eingewechselt, gewann aber mit dem Team Bronze. Auch an den heutigen Gegner Österreich hat Endemann gute Erinnerungen, schoss sie doch im Februar 2025 beim 4:1-Sieg ihr erstes Länderspieltor.

Doch danach musste sie erst einmal zusehen. Wück nominierte die Frau, die aus Lohne bei Oldenburg stammt, nicht für die Europameisterschaft in der Schweiz. Endemann nutzte die Zeit aber, um an sich zu arbeiten. Das blieb Wück nicht verborgen. "Vivien bestätigt seit mehreren Monaten schon ihre steigende Kurve nach oben", sagte er. "Sie ist sehr erwachsen geworden. Ich hoffe natürlich, dass das jetzt weitergeht."

Gute Leistungen für Wolfsburg in der Liga und Champions League - wo die Wölfinnen im Viertelfinale nur knapp gegen Olympique Lyon mit Nationalmannschaftskollegin Jule Brand ausschieden - brachten sie zurück in den DFB-Kader. Bei den beiden Kantersiegen in der WM-Quali überzeugte sie mit Spielfreude, ihrem Tempo und Dribblings. "Ich habe unfassbar viel Spaß, auf dem Platz zu sehen, fühle mich sehr wohl", sagte sie der ARD. "Und dann kommt der Rest von allein."

Liverpool ist weit weg von Spitzenteams

In ihrem Fall sind das Einsatzzeiten im DFB-Team, Vorlagen, Tore und mehr Lob. Wohl auch gegen Österreich. Denn ja, dieses Nachbarschaftsduell ist immer ein besonderes - auch, weil zahlreiche Österreicherinnen in der Bundesliga spielen und Teamkolleginnen sowie Freundinnen sind. Aber dieses Duell ist eben auch eines, das die DFB-Frauen gewinnen müssen. Denn während es 2022 bei der Europameisterschaft noch ein enges Duell war, ging die Schere zuletzt immer weiter auseinander. Sieben Duelle gab es bislang zwischen den beiden Nationen - immer gewann Deutschland. Zuletzt im Vorjahr in der Nations League mit 4:1 und 6:0. Ersteres eben mit dem Debüttor von Endemann.

Der Weg in Richtung Weltmeisterschaft in Brasilien im kommenden Jahr ist für das DFB-Team vor den beiden Aufeinandertreffen mit Österreich (Rückspiel am Samstag, 18 Uhr/sportschau.de und im ntv.de-Liveticker) klar vorgezeichnet. Sie führen die Qualifikationsgruppe an, Österreich ist bislang punktlos letzter. Für Endemann ist die WM auch die nächste Chance, auf der internationalen Bühne zu spielen.

Denn mit ihrem Wechsel nach Liverpool wird sie nicht weiter in der Champions League spielen. Während der FC Arsenal der amtierende Champions-League-Sieger ist, der FC Chelsea und zunehmend auch Manchester City immer eine Wucht sind, sind die Liverpool-Frauen nur Zehnter in der zwölf Teams umfassenden Women's Super League. Satte 32 Punkte trennen Liverpool und Tabellenführer Man City nach 19 von 22 Spieltagen.

WM-Einsatzzeit nur mit Spielpraxis

Erst einmal scheint Endemanns Wechsel auf die Insel also wie ein Abstieg. In Wolfsburg hat sie schließlich immer um nationale Titel mitgespielt und sich in der Champions League zeigen können. Doch die Women's Super League hat der Bundesliga den Rang abgelaufen. Als beste Liga Europas - und auch als deutlich finanzstärker.

Endemann folgt dem Beispiel einiger DFB-Kolleginnen mit ihrem Wechsel. Zuletzt waren bereits Sydney Lohmann (Man City) und Lea Schüller (Man United) vom FC Bayern nach England gewechselt. Shekira Martinez spielt für West Ham United, Sjoeke Nüsken schon länger beim FC Chelsea, Verteidigerin Rebecca Knaak für Man City. Auch Selina Cerci von der TSG Hoffenheim wird beharrlich mit der englischen Liga in Verbindung gebracht.

Für den Bundestrainer ist das keine sonderlich positive Entwicklung. Denn seine Spielerinnen sind in England nicht unbedingt Stammspielerinnen, müssen sich dort gegen die Superstars behaupten. "Wenn man sich mal die Einsatzzeiten in England anschaut, dann ist Rebecca Knaak die Einzige, die wirklich auf Spielminuten kommt", hatte er zu Beginn des Jahres gesagt. Spielpraxis aber sei unerlässlich, wenn sein Team eine ernsthafte Chance haben will, im kommenden Jahr um den dritten WM-Titel Deutschlands mitzuspielen.

Endemann macht es dem Bundestrainer also womöglich ab dem Sommer nicht einfacher. Es sei denn, sie setzt sich sofort durch und spielt so auf, wie sie es zuletzt im DFB-Trikot geschafft hat.

Quelle: ntv.de

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