Fußball

Die Hoffnungsträger des DFB Can und Volland gehört die Zukunft

Emre Can.jpg

Emre Can (Liverpool) ist einer der großen Hoffnungsträger im deutschen Fußball.

(Foto: imago/Sportimage)

Bei der U21-Fußball-Europameisterschaft in Tschechien wollen die größten Talente Deutschlands ihr Talent einmal mehr unter Beweis stellen. Doch welche Spieler haben das Zeug zum Sprung in Joachim Löws A-Nationalmannschaft?

Während die deutsche A-Nationalmannschaft noch die Katerstimmung der Weltmeisterschaft zu überwinden versucht, dreht der DFB-Nachwuchs gehörig auf. Die U17 kam vor wenigen Wochen ins EM-Finale. Frank Wormuths U20 marschierte bis zum unglücklichen Ausscheiden durch das WM-Turnier in Neuseeland. Und die U21-Auswahl von Horst Hrubesch geht als einer der Favoriten in die anstehende Europameisterschaft.

In Tschechien wollen die Talente rund um Kapitän Kevin Volland noch einmal ihr Können unter Beweis stellen. Bekannt dürfte jeder sein. Denn die U21-Spieler stehen bereits allesamt in der 1. oder 2. Bundesliga auf dem Rasen. Um den Mainzer Johannes Geis reißen sich sogar schon viele Top-Klubs. Sein Aufstieg in die A-Mannschaft könnte aber noch dauern. Denn als Sechser spielt Geis auf einer jener Positionen, die in Deutschland überfüllt scheinen. Doch was die Nationalmannschaft an Breite auf der Sechs oder auf den offensiven Flügeln besitzt, fehlt umso mehr in der Außenverteidigung und im Sturmzentrum.

Bastelstube Außenverteidigung

Joachim Löw probierte schon viel, aber links sowie rechts hinten in der Defensive bleibt die DFB-Elf ein Versuchslabor. Zuletzt erhielten der Kölner Jonas Hector sowie Hoffenheims Sebastian Rudy ihre Chancen. Allerdings konnten diese beiden ebenso wie viele zuvor nur bedingt überzeugen, was gewiss auch an Löws taktischem System liegt. Die Absicherung in der Außenverteidigung ist mangelhaft und die deutsche Mannschaft zieht sich oftmals zu stark zurück. Ergebnis: Die Außenverteidiger müssen direkt am eigenen Strafraum gegen schnelle und dribbelstarke Flügelstürmer verteidigen. In diesem Fall sehen die wenigsten gut aus.

Mit Hector und Rudy setzt Löw im Moment aber auch auf zwei recht unterschiedliche Spieler. Hector ist eher der Typ Flügelläufer. Der 25-Jährige kann seine Physis einbringen, gerade wenn er den Vorwärtsgang einlegt. Rudy hingegen kommt eigentlich aus dem Mittelfeldzentrum. Er ist kein Dribbler, der seine Gegenspieler am Flügel reihenweise austrickst. Dafür kann der Hoffenheimer aber das Spiel von außen gestalten und die anderen Spielmacher entlasten.

Die deutsche U21 ist mit Außenverteidigern auch nicht üppig bestückt. Christian Günter, der letzten Sommer bereits sein Debüt in der A-Mannschaft gab, stieg vor wenigen Wochen mit Freiburg in die zweite Liga ab. Der 22-jährige Linksverteidiger konnte zudem in der abgelaufenen Saison nicht unter Beweis stellen, dass er schon für höhere Aufgaben berufen ist.

Anders sieht es bei Gladbachs Julian Korb aus. Denn unter Lucien Favre hat der Rechtsverteidiger zuletzt mit seinen defensiven Qualitäten überzeugen können. Er ist es bei den Fohlen gewohnt, sehr tief am eigenen Strafraum zu verteidigen. Wenngleich die Gladbacher viel besser und kompakter als die DFB-Elf organisiert sind, könnte sich diese Stärke als Trumpf für Korb erweisen. Er steht im Kader der U21 und kann mit guten Leistungen in Tschechien nochmals auf sich aufmerksam machen.

Es gibt aber auch noch eine weitere Alternative in den Reihen der U21: Emre Can. Einst dominierte er die Juniorenklassen mit seiner frühentwickelten Physis. Mittlerweile, nach einem Jahr in Leverkusen, ist er ein absoluter Hoffnungsträger beim FC Liverpool. Can besitzt eine starke Spielübersicht, ein sehr sauberes Passspiel und er kann seinen Körper gut einsetzen. In dieser Saison kam er unter Liverpool-Trainer Brendan Rodgers auf diversen Positionen zum Einsatz. Can spielte auf der Außenbahn, als Außenverteidiger oder im Abwehrzentrum. Er kann jede Position in einer Viererkette sowie in einer Dreierkette begleiten. Mit dieser Flexibilität und seiner Spielstärke gehört dem 21-Jährigen die Zukunft – womöglich als Außenverteidiger.

Brecher oder Volland?

Allerdings ist die Außenverteidigung nur eine Problemzone. Denn spätestens seit dem Rücktritt von Miroslav Klose ist die Stürmerposition im 4-2-3-1 mehr oder weniger vakant. Häufig bekommt Mario Götze als beweglicher und spielstarker Neuner den Vorzug. Doch wird er vom Gegner aus dem Spiel genommen, hat Löw keine großartigen Alternativen. Max Kruse offeriert keine Fähigkeiten, die nicht auch Götze hat. Marco Reus fühlt sich auf Außen wohler. Und Thomas Müller überzeugt in der Mitte eher selten, da ihm dort der Platz für seine unorthodoxen Laufwege fehlt.

Schaut man sich den Kader der U21 an, so sieht die Zukunft nicht unbedingt rosiger aus. Hrubesch nominierte Kevin Volland sowie Philipp Hofmann. Hofmann scheint auf dem ersten Blick Davie Selke, einem anderen deutschen Sturmjuwel, zu ähneln. Selke sagte allerdings in diesem Sommer seine Teilnahme an der U20-WM ab, da er sich auf die Saisonvorbereitung bei seinem neuen Klub RB Leipzig konzentrieren möchte.

Beide Angreifer überragen die 1,90-Meter-Marke. Aber Hofmann, der aus der Jugendabteilung des FC Schalke 04 stammt, ist Selke am Ball klar überlegen. Er vereint Physis, Technik und Schussstärke. Ist er also der Stürmertyp, den viele Experten schon seit Langem wieder in der Nationalmannschaft fordern? Gut möglich. Aber bisher konnte sich Hofmann noch nicht auf höchstem Niveau beweisen. Davie Selke ging freiwillig vom Erstligaklub Werder Bremen in die 2. Bundesliga. Für Hofmann sollte der Weg eher nach oben gehen, damit er in Joachim Löws Blickfeld gelangt.

Zu guter Letzt bleibt noch Kevin Volland. Der Kapitän der U21. Er unterscheidet sich von Reus, Müller oder Schürrle allerdings nur in Details. Volland hat einen geradlinigen Zug zum Tor. Er tendiert seltener dazu, noch einen weiteren Querpass zu spielen, wenn er schon längst im gegnerischen Strafraum ist. Das kann manchmal hilfreich sein, manchmal aber auch zu überhasteten Torabschlüssen führen. Jedoch wäre der 22-Jährige eine Bereicherung für die A-Mannschaft des DFB. Sein großer Vorteil liegt auch darin begründet, dass er aus dem Offensivzentrum heraus die Bälle zu Mitspielern verteilen kann. Eine Qualität, die Löw sehr schätzt. Wie Emre Can könnte auch Kevin Volland in naher Zukunft seinen Durchbruch schaffen.

Quelle: ntv.de