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"Gnadenlos intransparent" DFB-Amateure wollen Fritz Keller stoppen

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Fritz Keller soll DFB-Präsident werden.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Fritz Keller ist der designierte DFB-Präsident, auf den sich der größte Sport-Fachverband der Welt nach intensiver Suche geeinigt hat. Obwohl der bisherige Präsident des SC Freiburg gut ankommt, sorgt das Verfahren vor der Wahl für Ärger - und beschädigt den Kandidaten.

Seinen Fahrplan hat Fritz Keller schon erstellt. Mit dem ICE zum Flughafen, dann in die S8 zum Stadion, die restlichen Meter zu Fuß - so möchte der designierte Präsident des Deutschen Fußball-Bundes künftig in die Zentrale nach Frankfurt am Main pendeln. Die Weichenstellung dafür ist für Mittwoch in Berlin vorgesehen. Doch vor der Präsentation des 62-Jährigen bei den Regionalverbänden und den Profiklubs plädieren die Chefs von zwei Amateurklubs aus der Hauptstadt dafür, Keller direkt auf das Abstellgleis zu schieben.

"Das Verfahren zu seiner Nominierung bleibt empörend", schrieben die Vereinsvorsitzenden des FC Internationale und des SFC Stern, Gerd Thomas und Bernd Fiedler, in einem Beitrag für den "Tagesspiegel". Sie kündigten sogar die Abspaltung der Basis vom DFB an: "Die Amateure werden sich unweigerlich alleine organisieren müssen, wollen sie ernsthaft Gewicht erlangen." Erste Schritte seien "in vollem Gange". Thomas und Fiedler kritisieren, dass die Findungskommission zu eigenmächtig gehandelt habe, und die Amateurklubs nicht berücksichtigt wurden. Sie bemängeln eine "gnadenlose Intransparenz", zudem hätten die Chefs der Landesverbände keine eigene Meinung: "Für ihre bedingungslose Zustimmung werden sie mit Pöstchen versorgt, wobei Qualifikation nur selten eine Rolle spielt."

Kommt es zum Aufstand?

Das führt dem DFB wieder einmal sein Dilemma bei der Präsidentensuche vor Augen. Der Verband kann es nicht allen recht machen. Das Ganze erinnert an den Zoff rund um die Nominierung des zurückgetretenen Reinhard Grindel vor dreieinhalb Jahren - mit dem Unterschied, dass seinerzeit die Profis sauer über den Alleingang der Amateure waren. Vor den Berlinern hatten Hermann Winkler, Präsident des sächsischen Verbandes, und Erwin Bugar, Präsident des Nordostdeutschen Verbandes sowie des Verbandes Sachsen-Anhalt das Auswahlverfahren kritisiert. Beide hatten offen gelassen, ob sie Keller wählen.

Dabei wurde der Klubchef des Bundesligisten SC Freiburg seit seiner überraschenden Nominierung von vielen als Integrationsfigur gelobt. Die große Mehrheit der Funktionäre aus beiden Lagern beschrieb Keller als den Mann, der wie kaum ein anderer die Belange der Amateure und die der Profis im Blick habe. Ob es tatsächlich zum Aufstand der Amateure gegen Keller kommt, wird sich am Mittwoch ab 9.30 Uhr im Hotel Esplanade zeigen. Dann will er seine Pläne den Regionalverbänden vorlegen. Zwei Stunden später erwarten Keller bei der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga im Hotel Maritim keine Probleme, bei den Profis wird er mit offenen Armen empfangen.

Trotz der Kritik aus dem Osten scheint die Wahl Kellers zum 13. DFB-Präsidenten auf dem Bundestag am 27. September in Frankfurt beschlossene Sache - obwohl die Amateure wesentlich mehr Stimmen haben als die Profis. Theoretisch könnten die Amateure bis zum 30. August einen anderen Kandidaten vorschlagen. Die einfache Mehrheit genügt bei der Abstimmung. Sollte Keller gewählt werden, wird er als Freiburger Klubchef zurücktreten.

Keller nicht auf dem Weg in die Gremien

Zudem soll der DFB eine neue Struktur erhalten. Nach der Reform hat der künftige Chef des mit 7,1 Millionen Mitgliedern größten Einzelsportverbands der Welt weniger Macht als seine Vorgänger. Die Macht in den internationalen Führungsgremien beim Weltverband Fifa und der Europäischen Fußball-Union, in denen Grindel bis zu seinem Rückzug im April saß, muss sich der DFB erst wieder erkämpfen.

Zwei Monate vor dem Uefa-Kongress am 3. März 2020 in Amsterdam muss der Verband den Namen seines Kandidaten für das Exekutivkomitee einreichen, die Frist für einen Posten im Fifa-Council endet einen Monat früher. Keller zieht es nicht in die Gremien - auch weil Ämterhäufung ein Grund für das Scheitern seiner Vorgänger war. Der aktuelle DFB-Co-Interimspräsident Rainer Koch gilt als Anwärter auf die Posten. Keller hätte mit seinen nationalen Aufgaben ohnehin genug zu tun. Die neuen Strukturen müssen mit Leben gefüllt, der Bau der Akademie muss vorangebracht und die EM-Endrunde 2024 geplant werden.

Quelle: n-tv.de, Alexander Sarter, sid

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