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Verdienter Sieg der Cleverness Dardais Hertha kocht den FC Bayern ab

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Für die Bayern war es der zweite Punktverlust innerhalb weniger Tage.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nun wissen sie, wie es geht: Die Berliner Hertha schlägt zum Auftakt des sechsten Spieltags der Fußball-Bundesliga den FC Bayern. Dabei hatte Trainer Pal Dardai vorher gerätselt, wie das gehen soll. Dann aber ist sein Team einfach cleverer.

Ob Pal Dardai wirklich die Wahrheit gesagt hat? Er sei extra in der Bibliothek gewesen, hatte der Trainer der Berliner Hertha vor dem Spiel erzählt. Dort habe er das Buch "Wie schlägt man den FC Bayern" gesucht. "Ich habe es nicht gefunden." Nun kann er es selbst schreiben. Mit 2:0 (2:0) hat seine Mannschaft am Freitagabend den FC Bayern besiegt und damit zum Auftakt des sechsten Spieltags der Fußball-Bundesliga für eine Überraschung gesorgt. Sehr zum Entzücken eines großen Teils der 74.669 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion.

Hertha BSC - FC Bayern München 2:0 (2:0)

Tore: 1:0 Ibisevic (23., FE), 2:0 Duda (44.)
Berlin: Kraft - Lazaro, Stark, Rekik, Mittelstädt - Skjelbred, Arne Maier - Kalou (71. Leckie), Duda, Dilrosun (90.+1 Jastrzembski) - Ibisevic (53. Selke). - Trainer: Dardai
München: Neuer - Kimmich, Süle, Jerome Boateng, Alaba - Thiago - Robben (52. Thomas Müller), James (72. Wagner), Sanches (63. Gnabry), Lewandowski, Ribery. - Trainer: Kovac
Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)
Zuschauer: 74.669 (ausverkauft)
Torschüsse: 6:24 - Ecken: 1:14
Ballbesitz: 36:64 % - Zweikämpfe: 79:91

Dass die Hertha gegen die Münchner gewinnt, kommt schließlich nicht alle Tage vor. Als sie das im Februar 2009 zum bis dahin letzten Mal tat, stand Dardai noch selbst als Spieler auf dem Platz. Das Erstaunliche an diesem kühlen Herbstabend war, dass die Berliner die Partie durchaus verdient gewannen. Die Abwehr um die Innenverteidiger Niklas Stark und Karim Rekik verteidigte konzentriert und meist souverän. Und im Angriff zeigte sich die Hertha erstaunlich zielstrebig und effizient. Kapitän und Angreifer Vedad Ibisevic hatte nach 23 Minuten mit einem selbstsicher verwandelten Elfmeter für das 1:0 gesorgt. Zuvor hatte Jérôme Boateng in eher tölpelhafter Manier den Berliner Salomon Kalou gefoult.

Dem 2:0 durch Ondrej Duda eine Minute vor der Pause ging ein feiner Spielzug voraus. Besagter Kalou hatte auf die rechte Seite zu Valentino Lazaro gepasst, der lief mit dem Ball am Fuß Boateng einfach davon, spielte ihn, also den Ball, von der Grundlinie zurück an den Fünfmeterraum der Münchner, wo Duda wartete, Bayern-Kapitän Manuel Neuer keine Chance ließ und traf. Was auch immer noch an diesem Spieltag passiert, die Hertha wird am Ende mindestens auf Platz vier der Tabelle stehen. Und das punktgleich mit dem FC Bayern, der ebenfalls 13 Zähler hat. Allein die Dortmunder Borussia, die diesem Samstag in Leverkusen spielt, und der SV Werder Bremen, der beim VfB in Stuttgart antritt, könnten, wenn sie gewönnen, noch vorbeiziehen. Na gut, und theoretisch die Mönchengladbacher Borussia, wenn sie hoch genug in Wolfsburg siegt.

Was war mit den Bayern los?

Bleibt die Frage, was mit den Bayern los war. Nicht viel. Natürlich versuchten sie in der zweiten Halbzeit in ihren mintgrünen Auswärtstrikots im Schlafanzug-Style irgendwie zu retten, was noch zu retten war. Doch auch wenn ihr Trainer Niko Kovac, der sich so auf seinen Heimatbesuch gefreut hatte, erst in der 52. Minute Thomas Müller für Arjen Robben, dann Serge Gnabry für Renato Sanches (63.) und schließlich Sandro Wagner für James Rodriguez einwechselte und so die Offensive verstärkte, gelang den Münchnern nicht einmal ein Tor. Mehr doch: Es drängte sich dem Betrachter zu keinem Zeitpunkt ernsthaft der Eindruck auf, als könnten sie dieses Spiel noch drehen.

Eine Chance nach einer Hereingabe Boatengs (68.), als Berlins Torhüter Thomas Kraft noch die Hand am hatte, was zur Folge hatte, dass Gnabry und Lewandowski ins Leere liefen. Noch eine durch Gnabry (75.), der artistisch einen Seitfallzieher neben das Tor setzte, und die wohl größte Gelegenheit, als Lewandowski zehn Minuten vor dem Abpfiff aus spitzem Winkel wuchtig aufs Tor köpfte, Kraft aber mit dem Knie abwehrte. Das war's.

Ob die Hertha sich nach der Pause freiwillig zurückzog, oder ob sie es musste, weil der Serienmeister den Druck erhöhte, ist eine Frage der Interpretation. Vermutlich liegt die Wahrheit wie so oft irgendwo in der Mitte. Der FC Bayern jedenfalls hat eine denkbar gebrauchte englische Woche hinter sich: erst das 1:1 am Dienstag gegen den FC Augsburg, nun die erste Niederlage der Saison. Aber Michael Preetz hatte es ja vor der Begegnung gesagt: "Ohne Niederlage werden sie nicht durch die Saison kommen." Nur sein Ziel hatte Berlins Manager nicht ganz erreicht. Er wolle zumindest für eine Nacht die Tabellenführung, hatte er angekündigt. Dafür aber hätte die Hertha mit 3:0 gewinnen müssen. In Berlin dürfte das niemanden gestört haben.

Quelle: n-tv.de

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