Fußball

Nordkorea trifft auf Südkorea Das Fußballspiel, das (fast) niemand sieht

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Das Kim-Il-Sung-Stadion in Pjöngjang. Bilder vom Spiel gibt's ja nicht.

(Foto: imago/imagebroker)

Zum ersten Mal spielen Südkoreas Fußballer in Nordkorea - obwohl sich beide Staaten völkerrechtlich noch immer im Krieg befinden. Das 0:0 in der WM-Qualifikation findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: keine Fans, keine Übertragung, keine Informationen. Fifa-Präsident Gianni Infantino freut sich.

Keine Zuschauer, kein Fernsehen, keine Tore: Die politisch höchst brisante Reise der südkoreanischen Fußball-Nationalmannschaft nach Nordkorea dürfte sportlich schnell in Vergessenheit geraten. Die Taeguk Warriors um den ehemaligen Bundesliga-Profi Heung-Min Son trennten sich im leeren Kim-Il-Sung-Stadion in der Hauptstadt Pjöngjang 0:0 - weltweites Interesse hatte das bizarre WM-Qualifikationsspiel aber ohnehin aus anderen, düsteren Gründen auf sich gezogen.

Die Bruderstaaten befinden sich seit dem Koreakrieg (1950-1953) völkerrechtlich im Kriegszustand und ringen nach wie vor um eine politische Annäherung. Zuletzt belasteten nordkoreanische Waffentests erneut das Verhältnis auf der koreanischen Halbinsel. Auch die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, der Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un schon mehrmals persönlich getroffen hatte, brachten bislang nicht den erhofften Erfolg. Nun bekam schließlich auch der Sport die politisch angespannte Lage zu spüren.

Liveticker verrät nur das Nötigste

Zur Partie des 3. Spieltags, dem ersten Pflichtspiel zwischen beiden Nationen auf nordkoreanischen Boden, waren weder Zuschauer noch internationale Medien zugelassen. Eine TV-Übertragung, wie bei anderen WM-Quali-Spielen üblich, gab es schlicht nicht. Informationen lieferten lediglich Liveticker auf den Webseiten des Weltverbandes Fifa sowie des asiatischen Fußballverbandes AFC - und diese gingen nicht über Basisinformationen hinaus.

*Datenschutz

Über den Spielverlauf ist bisher demnach kaum etwas bekannt. Etwa, dass der katarische Schiedsrichter Abdulrahman Al Jassim vier Gelbe Karten zeigte: den Nordkoreanern Yong Jik Ri und Ri Un Chol sowie Young Gwon Kim und Kim Min Jae aus Südkorea. Während die Gäste zudem ihr gesamtes Wechselkontingent nutzten, brachte Nordkorea nur einen frischen Spieler von der Bank. Das war's. Mehr Eindrücke können südkoreanische Fans erst in wenigen Tagen erwarten, wenn ihrer Auswahlspieler Videoaufnahmen der Partie erhalten haben sollen. "Nordkorea hat versprochen, eine DVD mit dem kompletten Bildmaterial des Spiels zu liefern, bevor unsere Delegation abreist", hieß es in einer Erklärung des Wiedervereinigungsministeriums Südkoreas im Vorfeld der Begegnung.

Infantino: "Eine große Freude, hier zu sein"

Einen Eindruck vor Ort verschaffte sich Gianni Infantino. Der Fifa-Präsident war früher am Tag am Flughafen in Pjöngjang eingetroffen, wie AFP-Videobilder zeigten. "Es ist eine große Freude, hier zu sein", hatte Infantino bei seiner Ankunft gesagt. Ein Foto, das der südkoreanische Fußballverband während des Spiels auf seiner Webseite veröffentlichte, zeigt das laufende Spiel vor den leeren Tribünen des 50.000 Zuschauer fassenden Stadions. Im Vorfeld der Begegnung weigerte sich Nordkorea, Gespräche über die logistische Vorbereitung der Partie zu führen.

Die 55 Personen umfassende Delegation des südkoreanischen Teams war gezwungen, ihre Mobiltelefone vor der Abreise aus Peking in der südkoreanischen Botschaft vor Ort zu lassen. An der Pressekonferenz vor dem Spiel nahmen fünf Reporter teil - alle stammten aus Nordkorea. Sportlich behauptete Südkorea durch das torlose Remis mit sieben Punkten die Tabellenspitze in Gruppe H weiter vor den punktgleich zweitplatzierten Nordkoreanern. Die weiteren Gegner sind Turkmenistan, der Libanon sowie Sri Lanka. Der Gruppensieger sowie die vier besten Zweiten aller acht Gruppen ziehen in die 3. Runde der asiatischen WM-Qualifikation ein.

Quelle: n-tv.de, Moritz Löhr, sid