Fußball

Homosexualität im Fußball Das Tabu ist weiterhin ein Tabu

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Weiterhin hat sich kein aktiver Spieler in der 1. oder 2. Fußball-Bundesliga geoutet.

(Foto: imago images / regios24)

Laut Thomas Hitzelsberger hat sich das Klima rund um das Thema Fußball und Homosexualität verbessert. RB-Trainer Julian Nagelsmann würde einem homosexuellen Profi zum Coming-out raten - aber nur unter besonderen Bedingungen. Denn verschwunden ist Homophobie im Fußball noch lange nicht.

Ist die Zeit reif für das Coming-out eines aktiven Bundesligaprofis? Das Thema Homosexualität findet aus Sicht von Thomas Hitzlsperger im Profifußball rund sechs Jahre nach seinem Coming-out mehr Akzeptanz. "Homosexualität ist zwar immer noch nicht enttabuisiert, aber dennoch stelle ich Verbesserungen fest", sagte der Vorstandschef des Zweitligisten VfB Stuttgart dem Magazin der Deutschen Fußball Liga (DFL).

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Es gibt immer wieder gute Zeichen aus der Bundesliga, aber Homosexuelle trauen sich in der Bundesliga ob des immer noch nicht offenen Umgang des Fußballs mit Homosexualität ein Outing derzeit noch nicht zu.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Es war und ist möglich, im Profifußball einen Platz zu haben, auch wenn man nicht zum Mainstream zählt. Das hat mir auch auf meinem weiteren Berufsweg Selbstvertrauen gegeben", ergänzte der 37-Jährige. Hitzlsperger hatte seine Homosexualität nach seinem Karriereende Anfang 2014 öffentlich gemacht. Seine Bilanz falle heute "durchweg positiv" aus, meinte Hitzlsperger. Ursprünglich habe er sogar vorgehabt, noch zu seiner aktiven Zeit beim VfL Wolfsburg in der Saison 2011/12 "öffentlich darüber zu sprechen. Im Nachhinein war es aber vielleicht besser, zu warten, mir die Zeit zu nehmen, gut vorbereitet über meine Erfahrungen sowie Vorurteile im Profisport zu sprechen."

"Fußball geht immer noch nicht offen damit um"

Trainer Julian Nagelsmann von RB Leipzig hatte die Debatte über den Umgang mit homosexuellen Fußballern zuletzt wieder angestoßen. "Sollte ein homosexueller Spieler mir sagen, ich bin nicht frei und kann mich auch in meiner Leistung nicht entwickeln, würde ich ihm sagen: 'Oute dich, steh' dazu!'", hatte er gesagt. Nagelsmann betonte aber auch, dem Spieler im umgekehrten Fall davon abzuraten. "Denn wir müssen uns nichts vormachen. Die Fußballwelt ist eine Männerdomäne", sagte der RB-Coach: "Der Fußball geht noch immer nicht offen damit um."

Gerade deshalb zeigte sich der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) erfreut über die Aussagen des Bundesligatrainers. "Wir begrüßen es sehr, dass Julian Nagelsmann so eine Offenheit bei dem Thema signalisiert", sagte LSVD-Bundesvorstand Christian Rudolph dem SID: "Es könnte dabei helfen, ein besseres Klima für ein Coming-out zu schaffen. Jedes Coming-out ist begrüßenswert, ob nun während oder nach der Karriere. Wir brauchen Vorbilder."

"Sorry, ich dachte ich wäre stärker."

Rudolph erklärte weiter: "In den Kurven, Vereinen und Verbänden passiert sehr viel, aber es ist auch noch ein weiter Weg." Ein Coming-out eines noch aktiven Spielers sollte jedenfalls "an der Kurve nicht scheitern". Diese Meinung vertritt auch das das bundesweite Bündnis ProFans. "Die Akzeptanz ist heute deutlich größer als noch vor zehn Jahren. Ich denke nicht, dass es in den Blöcken zu großen Anmachen kommen würde", sagte ProFans-Sprecher Sig Zelt dem SID. Er betonte aber auch: "Homophobe Sprechchöre oder Plakate gibt es im Fußball immer mal wieder, das ist leider nicht komplett herauszubekommen." Zuletzt waren Fans von Union Berlin beim Stadtderby gegen Hertha BSC mit einem schwulenfeindlichen Plakat negativ aufgefallen. Auf den Tribünen wird "schwul" immer mal wieder als Schimpfwort benutzt, der Gegenspieler oder Schiedsrichter als "Schwuchtel" beleidigt.

Der DFB startete schon vor Jahren diverse Projekte und Aktionen, um Homophobie in den Stadien zu bekämpfen. Reicht das aus? Bei Twitter behauptet ein User mit dem Namen "gay_Bundesligaspieler" in seinem Profil, ein Zweitligaprofi zu sein und sich bald outen zu wollen. Er erhielt viel Zuspruch, aber am Mittwoch schrieb der User: "Sorry, ich dachte ich wäre stärker. (...) Ich wollte ja herausfinden, ob ich dem Druck standhalten kann. Ich muss mich jetzt erstmal bis zur Winterpause auf das Spiel konzentrieren. Den Kopf frei bekommen." Sportchef Horst Heldt vom 1. FC Köln plädierte derweil für "mehr Selbstverständlichkeit" bei dem Thema. "Der erste Schritt sollte doch sein, dass wir das Thema weniger wichtig definieren", sagte Heldt dem SID: "Im Grunde geht das keinen etwas an. Jeder sollte so leben, wie er es für richtig hält."

Quelle: ntv.de, dbe/sid