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Das kann man so machen, aber ... Das beste Argument gegen Messi ist van Dijk

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Lionel Messi (r.) ist der Weltfußballer 2019. Bei der Wahl setzte er sich gegen Virgil van Dijk durch.

(Foto: imago images / AFLOSPORT)

Lionel Messi darf sich wieder freuen: Zum sechsten Mal wird er von der Fifa als bester Fußballer der Welt ausgezeichnet. Wie immer hat der Argentinier viele Argumente für sich. Und dennoch ist er in diesem Jahr nicht der Beste gewesen.

Lionel Messi ist der beste Fußballer des Jahres 2019. Nicht in Europa. Da hatte sich der argentinische Star des FC Barcelona gerade erst Liverpools Abwehrchef Virgil van Dijk und seinem Dauerrivalen Cristiano Ronaldo geschlagen geben müssen. Nein, Lionel Messi ist der beste Spieler der Welt. Zum bereits sechsten Mal. Das haben zu je 25 Prozent die Kapitäne und die Trainer aller Nationalmannschaften in der Fifa, die Fans weltweit sowie mehr als 200 Medienvertreter entschieden. Er ist damit alleiniger Rekordhalter, hat Ronaldo nun wieder eine Fifa-Auszeichnung voraus.

Nun ist es natürlich so, dass eine Auszeichnung von Messi nie falsch ist. Er ist und bleibt ein fantastischer Fußballer. Er ist mit seinem Klub in diesem Jahr wieder, zum insgesamt zehnten Mal, spanischer Meister geworden. Mit 36 Treffern gewann er zum sechsten Mal den Goldenen Schuh für den besten Torjäger Europas. In der Champions League kostete ihn bloß ein fatales Halbfinal-Rückspiel beim FC Liverpool die Chance auf seinen fünften Königsklassen-Titel. Und bei der Copa America scheiterte er im Halbfinale mit der Albiceleste an Brasilien. Auf einen großen Triumph mit Argentinien muss er weiter warten.

Die Liste der Weltfußballer

Von 1982 bis 1990 wurde der inoffizielle Titel des Weltfußballers durch die Fachzeitschrift World Soccer vergeben, erst seit 1991 ist es eine offizielle Fifa-Wahl.

  • 1991 Lothar Matthäus (Deutschland/Inter Mailand)

  • 1992 Marco van Basten (Niederlande/AC Mailand)

  • 1993 Roberto Baggio (Italien/Juventus Turin)

  • 1994 Romario (Brasilien/FC Barcelona)

  • 1995 George Weah (Liberia/AC Mailand)

  • 1996 Ronaldo (Brasilien/FC Barcelona)

  • 1997 Ronaldo (FC Barcelona/Inter Mailand)

  • 1998 Zinedine Zidane (Frankreich/Juventus Turin)

  • 1999 Rivaldo (Brasilien/FC Barcelona)

  • 2000 Zinedine Zidane

  • 2001 Luis Figo (Portugal/Real Madrid)

  • 2002 Ronaldo (Inter Mailand/Real Madrid)

  • 2003 Zinedine Zidane (Frankreich/Real Madrid)

  • 2004 Ronaldinho (Brasilien/FC Barcelona)

  • 2005 Ronaldinho

  • 2006 Fabio Cannavaro (Italien/Real Madrid)

  • 2007 Kaka (Brasilien/AC Mailand)

  • 2008 Cristiano Ronaldo (Portugal/Manchester United)

  • 2009 Lionel Messi (Argentinien/FC Barcelona)

  • 2010 Lionel Messi

  • 2011 Lionel Messi

  • 2012 Lionel Messi

  • 2013 Cristiano Ronaldo (Real Madrid)

  • 2014 Cristiano Ronaldo

  • 2015 Lionel Messi

  • 2016 Cristiano Ronaldo

  • 2017 Cristiano Ronaldo

  • 2018 Luka Modric (Kroatien/Real Madrid)

  • 2019 Lionel Messi

Das sind viele gute Argumente für seine sechste Weltfußballer-Auszeichnung. Aber es gibt auch ein Argument, das gegen die Wahl Messis spricht. Es ist 193 Zentimeter groß und 92 Kilo schwer. Und es heißt eben Virgil van Dijk. Mit dem FC Liverpool hat der Niederländer die Champions League gewonnen. Er war dabei der Schlüsselspieler seiner Reds. Er hat die Abwehr stabilisiert. Er hat seinen Nebenmann Joel Matip besser gemacht. Er hat der Power-Offensive die Sicherheit gegeben, dass auch dann nichts anbrennt, wenn sie sich dem überfallartigen Klopp-Fußball hemmungslos hingeben. Van Dijk ist ein Leader. Er ist der beste Verteidiger der Welt (er war auch der teuerste). Er ist kopfballstark. Er ist zweikampfstark. Einer Statistik zufolge war er bis zum 24. August über ein Jahr und 50 Ligaspiele lang nicht ausgespielt worden. Wobei nicht definiert ist, was ausgespielt werden genau bedeutet. Sei's drum. Bemerkenswert ist's dennoch.

Das Pech der Abwehrspieler

Aber nicht nur beim FC Liverpool hat van Dijk sich die Position des Schlüsselspielers erarbeitet. Auch mit dem Wiedererstarken der Elftal darf er eng in Verbindung gebracht werden. Gemeinsam mit dem jungen Matthijs de Ligt bildet er einen wuchtigen Wall in der niederländischen Innenverteidigung. Bis ins Finale der Nations League ist Oranje vorgestoßen, dort gab's dann gegen Ronaldos Portugiesen eine 0:1-Pleite. Nun kann man sagen: Was ist eigentlich die Nations League. Die Antwort: Der Wettbewerb, in dem sich das DFB-Team nach der vergeigten WM in Russland ein zweites Mal blamierte. Der Wettbewerb, der Bundestrainer Joachim Löw dazu zwang, seine Umbruchphobie zu überwinden.

Erst ein einziges Mal hat ein Abwehrspieler seit Einführung des Wettbewerbs 1991 den Titel gewonnen. Lothar Matthäus, erster Ausgezeichneter, wurde damals noch als Mittelfeldspieler geführt. So ist's und bleibt also weiter die italienische Legende Fabio Cannavaro, die das Monopol als Abwehr-Weltfußballer hält. Als Weltmeister und nationaler Champion mit Real Madrid wurde er 2006 ausgezeichnet. Es war aber wohl auch oder vor allem eine Wertschätzung für sein verteidigendes Lebenswerk.

Vermutlich ist es das Pech des Verteidigers, dass Übersteiger, Tempodribblings und Winkelschlenzer noch immer eine größere Faszination ausüben, als Grätschen, Stellungsspiel und Zu-Null-Spiele - davon hatte Liverpool in der vergangenen Saison übrigens phänomenale 21 (!). So blieb auch der jahrelang großartig verteidigende Sergio Ramos ungekrönt. Vielleicht, weil sein Spiel mitunter unsauber und unfair war. Vielleicht aber auch, weil er mit dem großartig stürmenden Cristiano Ronaldo in einer Mannschaft spielte.

Zurecht lautete das Duell jahrelang Messi gegen Ronaldo. Zurecht wurden die Fifa-Trophäen von 2008 bis 2017 nur zwischen den beiden Legenden hin und her überreicht, ehe im vergangenen Jahr der kroatische Champions-League-Sieger und Vizeweltmeister Luka Modric diesen Rhythmus durchbrach. Die Wahl zum Weltfußballer ist eben keine Würdigung des Lebenswerks, sondern eine Auszeichnung für die Leistung des vergangenen Jahres. Und das Jahr 2019 war das Jahr von Virgil van Dijk.

Quelle: n-tv.de

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