Fußball

Schlechtestes Team Deutschlands Das große Problem des FC Schalke 04

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Auf Goncalo Paciência ruhen große Hoffnungen.

(Foto: imago images/RHR-Foto)

Mit Toren tut sich der FC Schalke 04 sehr schwer. Während das Verhindern zu selten gelingt, schaffen es die Königsblauen kaum noch, selbst welche zu erzielen. Woran aber liegt das? Und wer soll dieses elementare Problem eigentlich lösen?

Am ersten Rückrundenspieltag 2019/2020 war die königsblaue Welt noch in bester Ordnung. Der FC Schalke hatte gerade 2:0 gegen den Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach gewonnen, rangierte zumindest für eine Nacht auf Platz vier der Tabelle und träumte sogar vom Einzug in die Champions League.

Was folgte, war die schwerste Ergebniskrise der Schalker Bundesliga-Geschichte. Seit der Partie gegen Gladbach am 17. Januar gewannen die Knappen keine der nachfolgenden 17 Begegnungen in der Meisterschaft. Sechs Partien endeten unentschieden, elf gingen zum Teil atemberaubend desaströs verloren. Besonders frappierend: Schalke erzielte in diesem Zeitraum nur sieben eigene Treffer, im Durchschnitt miserable 0,4 pro Spiel.

Die Gründe für die Flaute sind vielschichtig. Schon in der auf dem Papier erfolgreichen Hinrunde taten sich die Königsblauen schwer, Stürmer-Tore zu erzielen. Zehn-Millionen-Neuzugang Benito Raman traf erst am zwölften Spieltag zum ersten seiner vier Saisontore, Youngster Rabbi Matondo kam unter dem Strich nur auf einen Treffer, Ahmet Kutucu netzte dreimal ein. Guido Burgstaller und Mark Uth, der im Winter auf Leihbasis zum 1. FC Köln flüchtete, blieben gänzlich ohne Saisontor.

Es fehlt der Abschluss-Experte

Während sich die Konkurrenz im mittleren und unteren Tabellendrittel auf ihre zuverlässigen Knipser wie Jhon Córdoba (1. FC Köln), Florian Niederlechner (FC Augsburg), André Silva (Eintracht Frankfurt), Robin Quaison (1. FSV Mainz 05) oder Sebastian Andersson (Union Berlin) verlassen konnte, fehlte dieses Element auf Schalke komplett. Auch spielerisch liegt bei den Knappen einiges im Argen. Schalke agierte über weitere Strecken der letzten Monate ideen- und vor allem mutlos. Es fehlt an Führung und Kreativität im Spielaufbau und auch an Akteuren, die Verantwortung übernehmen wollten.

Blamable Auftritte wie gegen den BVB (0:4), Augsburg (0:3), Freiburg (0:4) und zuletzt beim FC Bayern (0:8) waren die Folge. Wagner betonte nach dem Auftakt-Fiasko in München zwar, weiter "Vertrauen in die Qualitäten des Teams" zu haben. Doch fragen sich viele Experten und nicht zuletzt die Schalker Anhänger immer mehr: Was sollen diese Qualitäten sein? Und: Wer soll die Tore schießen?

Neuzugänge als Hoffnungsträger? Schwierig

Immerhin: Große Verletzungssorgen plagen die Schalker in ihrer Offensivabteilung derzeit keine. Auch an Quantität mangelt es dort nicht. Goncalo Paciência und Rückkehrer Uth standen in München direkt in der Startformation, mit Steven Skrzybski kam ein weiterer Leih-Rückkehrer von der Bank. Kutucu und Vedad Ibišević saßen als weitere Optionen noch draußen.

Burgstaller hingegen wurde von David Wagner aussortiert und fand zuletzt nicht einmal im Kader der zweiten Mannschaft Berücksichtigung. Bei ihm stehen die Zeichen auf Abschied. Auch Flügelspieler Matondo könnte noch gehen, wurde er doch zuletzt mit Atalanta Bergamo aus der Serie A in Verbindung gebracht.

Fraglich ist allerdings, ob die bislang einzigen externen Neuzugänge Paciência und Ibišević als Hoffnungsträger taugen. Nachdem der Portugiese 2019/2020 für die Eintracht mit sechs Toren die beste Hinrunde seiner Profi-Karriere gespielt hatte, verließ ihn in der Rückserie das Glück. Häufig kam er nur noch von der Bank. Nach der Corona-Pause fiel er wegen einer Muskelverletzung zudem gleich mehrere Wochen aus. Für ultimative Kaltschnäuzigkeit und Torgefahr steht Paciência (noch) nicht. Das Zeug zum soliden Bundesliga-Stürmer hat der 26-jährige Leihspieler aber.

Starke Präsenz, schwieriger Typ

Sport.de

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Ibiševićs ablösefreie Verpflichtung ergibt in Kombination mit dem Paciência-Deal durchaus Sinn. Der Bosnier weiß ganz genau, wo das Tor steht. Beleg sind seine stolzen 127 Bundesliga-Tore. Führungsqualitäten bringt er ebenfalls mit, lief er doch sowohl beim VfB Stuttgart als auch bei Hertha BSC zeitweise als Kapitän auf. Der Ehrgeiz des mittlerweile 36-Jährigen ist zudem unbestritten. Bei Hertha brachte er seine laut Trainer Bruno Labbadia "starke Präsenz" bis zuletzt ein und soll nun auch auf Schalke ein Vorbild in Sachen Kampfgeist und Einsatz sein.

Dass Ibišević auf der anderen Seite allerdings auch als schwieriger Typ gilt, wenn er sich auf seine Einsatzminuten kommt, darf nicht verschwiegen werden. Bei seiner Vorstellung auf Schalke betonte der Routinier zwar, er könne "draußen sitzen, von der Bank kommen oder von Beginn an spielen" und sei sich seiner "Situation bewusst". Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich der Angreifer im Schalker Kader zurechtfindet, sollte er dauerhaft hinter Paciência und Uth nur Stürmer Nummer drei bleiben.

Quelle: ntv.de