Fußball

Oldenburgs Problem mit Liga drei Der Aufsteiger, der nicht weiß, wo er spielt

ab6946fa7a2459e27ea9e273733d7fea.jpg

Im Marschwegstadion gelang der Aufstieg in die dritte Liga. Ob der VfB dort bleibt, ist noch offen.

(Foto: dpa)

Osnabrück und Meppen statt Jeddeloh II und Delmenhorst - für den VfB Oldenburg bedeutet der Drittliga-Aufstieg das Neu-Aufleben alter Rivalitäten. Der Klub, den einst Rudi Assauer fast in die Bundesliga führte, muss aber noch eine dringende Frage beantworten: In welchem Stadion spielen wir?

Drei Jahrzehnte lang war auf den bekanntesten Bildern des Oldenburger Fußballs immer viel Prominenz zu sehen. Rudi Assauer etwa, der legendäre Manager. Wolfgang Sidka, der 333-malige Bundesliga-Profi. Und Klaus Baumgart, ein Teil des Schlager-Duos Klaus & Klaus. Gemeinsam hätten sie den VfB Oldenburg 1992 als Sportchef, Trainer und Vizepräsident beinahe zum Aufstieg in die Bundesliga geführt. Am Ende fehlte dazu nur ein Punkt. 2004 und 2008 stürzte der Traditionsklub sogar in die Fünftklassigkeit ab.

Welche Massen dieser VfB noch immer bewegen und welche Kraft er noch immer entfalten kann, zeigte sich an diesem Pfingstwochenende, an dem die 170.000-Einwohnerstadt Oldenburg nach 25 Jahren in den deutschen Profifußball zurückkehrte. 12.000 Zuschauer im ausverkauften Marschwegstadion. Ein Platzsturm nach dem Abpfiff. Zwei Fernsehsender, die das alles live übertrugen: Das gab es am Samstag auch beim Aufstieg des VfB Oldenburg in die 3. Liga.

"Für den Verein bedeutet das so viel. Das gab es hier seit Jahrzehnten nicht", sagte Kapitän Max Wegner nach der 1:2-Niederlage gegen den BFC Dynamo im zweiten Playoff-Duell der beiden Regionalliga-Meister aus dem Norden und Nordosten. Das Hinspiel in Berlin hatten die Oldenburger mit 2:0 gewonnen.

Osnabrück lockt mehr als Flensburg

"Das war meine fünfte Saison beim VfB Oldenburg. Ich habe in dieser Zeit Höhen und Tiefen erlebt", sagte auch der Abwehrspieler Gazi Siala. "Emotional gesehen ist dies die schönste Saison für mich. Diese Mannschaft ist gar keine Mannschaft, es ist einfach eine Top-Familie, die super miteinander harmoniert."

Der VfB war schon in den Aufstiegsspielen gegen die Berliner nur der Außenseiter. Aber das war sportlich gesehen nichts im Vergleich zu dem, was ihn nun in der 3. Liga erwartet. Die lange vermissten Spiele gegen den VfL Osnabrück und SV Meppen sind sicher reizvollere Derbys als gegen Atlas Delmenhorst oder SSV Jeddeloh II anzutreten. Aber Spiele gegen Dynamo Dresden, 1860 München oder Waldhof Mannheim sind eben auch eine deutlich größere Herausforderung als das bisherige Regionalliga-Programm gegen Weiche Flensburg oder Werder Bremen II.

"Das ist ein sehr, sehr großer Schritt", sagte Wolfgang Sidka dem Deutschlandfunk über diesen Aufstieg. "Wir haben Auflagen vom DFB, die ein aufstrebender Verein erstmal erfüllen muss. Da sind Vereine wie Dynamo Dresden, die etabliert sind und ein großes Stadion haben, unglaublich im Vorteil. Unser Etat ist natürlich kleiner als bei solchen großen Traditionsvereinen."

Was wird aus den Stadionplänen?

Der ehemalige Trainer Sidka ist mittlerweile der Präsident des VfB Oldenburg. 2021 wurde im NDR-Fernsehen eine Dokumentation über die großen Zeiten zu Beginn der 90er-Jahre ausgestrahlt. Sidka kam darin prominent zu Wort, der VfB suchte zu genau dieser Zeit einen Vereinschef. "Der Film war mit ein Auslöser", erklärte der heute 68-Jährige, wie er als Präsident nach Oldenburg zurückkehrte.

Sidka trieb schon 1990 die Professionalisierung des Klubs voran, und genau das ist auch heute wieder gefragt. Das größte Problem des VfB ist die Stadionfrage, weil das Oldenburger Marschweg-Stadion ohne Flutlicht und Rasenheizung nach den Statuten des Deutschen Fußball-Bundes nicht Drittliga-tauglich ist.

Sidkas Hoffnung ist, dass die städtische Arena bis zum Beginn der neuen Saison noch nachgerüstet und dass dann perspektivisch ein neues Stadion gebaut wird. Doch für beides braucht der Verein die Stadt. Und für die Startberechtigung in der 3. Liga obendrein noch einen Ausweichspielort, den der VfB in seinem Lizenzierungsantrag bereits angegeben hat, aber erst in den nächsten Tagen öffentlich machen will. "Ich glaube, dass Oldenburg in Zukunft ein Fußball-Stadion braucht", sagte Sidka. Der Aufstieg und die Fan-Massen, die dieser Erfolg bewegte, seien dafür "wieder ein ganz starker Beweis".

Quelle: ntv.de, Sebastian Stiekel, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen