Fußball

Lethargie gegen Mainz 05 Der BVB bleibt unberechenbar

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Sokratis war sichtlich enttäuscht von der Leistung der Borussen.

(Foto: imago/Chai v.d. Laage)

Auch auf der Zielgeraden bleibt Borussia Dortmund ein rätselhaftes Gebilde. Die Champions League ist noch nicht gebucht. Und in der kommenden Saison muss der BVB eine wankelmütige Mannschaft wieder auf Kurs bringen.

Es hätte so schön sein können: Sonnenüberflutetes Ruhrgebiet, ausverkauftes Stadion, super Stimmung und ein strahlender Roman Weidenfeller, der irgendwann in der Schlussphase eingewechselt wird und nach dem Abpfiff das Bad in der Menge nimmt nach abenteuerlichen und unglaublich erfolgreichen 16 Jahren im Tor von Borussia Dortmund. Deutscher Meister, Pokalsieger, Weltmeister und nun der letzte Vorhang im Triumph.

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Wurde als einziger Dortmunder bejubelt: Torwart Roman Weidenfeller.

(Foto: imago/Kirchner-Media)

So, und nicht anders wäre es gekommen, hätte die Borussia in der Schlussphase des letzten Heimspiels dieser Saison der Fußball-Bundesliga gegen Mainz 05 wie geplant deutlich geführt. Doch die Dramaturgie hat nicht funktioniert, weil die Gastgeber an diesem Samstagnachmittag nicht so agierten, wie es das Drehbuch vorsah. Der BVB verlor vor 81.360 Besuchern im ausverkauften Stadion mit 1:2 (1:2) und hat damit die avisierte Qualifikation für die Champions League immer noch nicht sicher.

Es war ein fahrlässiges Versäumnis das wichtigste Saisonziel nicht vorzeitig unter Dach und Fach zu bringen. Dabei spielte die Konkurrenz doch so gut mit. Hoffenheim verlor in Stuttgart, Leverkusen kam in Bremen über ein torloses Remis nicht hinaus. Und doch reichte es nicht, weil die Borussia ebenfalls schwächelte und dabei einmal mehr Rätsel aufgab. Damit bleiben die Dortmunder unter Druck, wenn sie am letzten Spieltag in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim deutlich verlieren und Bayer 04 Leverkusen zeitgleich klar gegen Hannover 96 gewinnt, werden sie nach hinten durchgereicht und verlieren viele Millionen Euro, die allein die Teilnahme an der europäischen Königsklasse garantiert.

Rückkehr in die Ideenlosigkeit

Auch zum Ende dieser Saison wird niemand aus dieser Borussia schlau, die zuletzt gegen Leverkusen und in Bremen so furios aufspielte, um nun, da die Entscheidung greifbar war, wieder in spielerische Armut und Ideenlosigkeit zurückfällt. Logisch zu erklären ist das nicht, die Dortmunder bleiben sich selbst ein Rätsel. Von der ersten Spielminute an bekamen die Gastgeber keinen richtigen Zugriff auf die Partie, die tief stehenden Mainzer taten sich leicht, ihre Defensive zu ordnen. Zudem inszenierten sie immer wieder vielversprechende Angriffe gegen eine Dortmunder Hintermannschaft, die einen reichlich ungeordneten Eindruck hinterließ.

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"Unfassbares Gefühl": Sandro Schwarz.

(Foto: dpa)

Weidenfeller musste also von der Ersatzbank zur Südtribüne eilen, um sich die verdienten Ovationen der Fans abzuholen. Es war eine skurrile Situation, denn während die Fans den Torhüter feierten, pfiffen sie jeden anderen Spieler aus, der es nur wagte, sich der Gelben Wand zu nähern. Die Stimmung im schwarz-gelben Lager bleibt angespannt.

Gänzlich anders waren die Befindlichkeiten am anderen Ende des Stadions, wo die Mainzer den Klassenerhalt frenetisch bejubelten. Sie hatten nach großem Kampf ihren ersten Sieg im größten Stadion der Republik erstritten. Er kam zur richtigen Zeit, schließlich bedeutete, dass der selbsternannte Karnevalsverein auch in der kommenden Spielzeit in der ersten Liga mitmischen wird. Sportvorstand Rouven Schröder zeigte sich "überwältigt" und betonte, wie stolz er auf die Leistung der Mannschaft und ihres Trainers Sandro Schwarz sei: "Wir wollten es unbedingt aus eigener Kraft schaffen. Das ist uns gelungen." Schwarz sprach von einem "unfassbaren Gefühl, wir haben von der Organisation und der Arbeit gegen den Ball eine fast perfekte erste Halbzeit gespielt". Dagegen haderte sein Kollege Peter Stöger damit, dass der Gegner Tugenden ins Spiel einbrachte, die seine Mannschaft vermissen ließ: "So wie die Mainzer präsentiert man sich, wenn man Großes erreichen will. Das hatten sie uns voraus."

Herausforderung für Sammer und Kehl

Mainz, wie es singt und lacht, während sich die Dortmunder wieder mal Gedanken über die Wankelmütigkeit ihrer Mannschaft machen müssen. Was nutzen mehr als 60 Prozent Ballbesitz und Überlegenheit, wenn dabei so wenig Konstruktives herauskommt? Das alles ist zu wenig für eine Mannschaft, die in der Königsklasse gegen die besten Vereine Europas bestehen will.

Dortmunds wahrscheinlich scheidender Trainer Peter Stöger vertraute zum dritten Mal in Folge der Formation, die sich auf der Zielgerade dieser Spielzeit als die offensichtlich stärkste herauskristallisiert hatte: Für Kapitän Marcel Schmelzer bekam links in der Viererkette erneut der junge Manuel Akanji den Vorzug, vor ihm wirbelte der 18-jährige Jadon Sancho. Das, so die Erfahrung der letzten beiden Wochen, kann ganz wunderbar funktionieren.

Doch der BVB bleibt weiter unberechenbar. Immer dann, wenn der Betrachter glaubt, jetzt habe es diese Ansammlung der Wankelmütigen verstanden, kommt der Rückschlag. "Das ist schwierig zu erklären", sagte Stöger, "es passt zu dieser Saison, in der es so viele Höhen und Tiefen gegeben hat." Seine Mannschaft offenbarte - wieder einmal - ein Mentalitätsproblem. Der neue Trainer, der noch gefunden werden muss, und die frischen Führungskräfte Matthias Sammer (externer Berater) und Sebastian Kehl (Leiter der Lizenzspielerabteilung) wissen also, wo sie bei dieser labilen Mannschaft ansetzen müssen.

Quelle: n-tv.de

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