Fußball

Stöger und Götze am Scheideweg Der BVB siegt und bleibt ein großes Rätsel

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Mario Götze hatte gute Momente, baute aber mit zunehmender Spieldauer ab. Das galt auch für das restliche BVB-Team.

(Foto: imago/Team 2)

Nach dem Europa-Fiasko zeigt der BVB im Ligaspiel gegen Hannover eine deutliche Reaktion. Die Leistung schwankt aber erneut enorm, die BVB-Einbrüche nach der Pause bleiben rätselhaft. Das gilt auch für den angezählten Mario Götze.

Wiedergutmachung für die Europaliga-Blamage in Salzburg, das war die Vorgabe für Borussia Dortmund im Ligaduell mit Hannover 96. Und dieses Vorhaben begann vielversprechend: Bereits nach 44 Sekunden wurde BVB-Mittelstürmer Michy Batshuayi von André Schürrle im Sturmzentrum angespielt, er schob den Ball überlegt in die lange Ecke - wo er dann jedoch nicht ins Netz trudelte, sondern vom Pfosten zurücksprang. Der BVB, das wurde trotzdem sofort deutlich, wollte der Europa-Peinlichkeit nicht nur einen Sieg folgen lassen, sondern eine überzeugende Leistung mit Engagement und Leidenschaft.

Über 90 Minuten betrachtet gelang das letztlich nur zum Teil. Beim mühsamen 1:0 (1:0) vor 81.360 Besuchern im ausverkauften Dortmunder Stadion gegen den Tabellen-13. legten die Dortmunder zwar stürmisch los. Nach starken, überzeugenden 30 Minuten ließen die Dortmunder dann aber immer mehr nach und waren am Ende heilfroh, den ebenso knappen wie wertvollen Vorsprung über die Ziellinie gerettet zu haben. In der Schlussphase hatten die Dortmunder sogar Glück, dass Schiedsrichter Patrick Ittrich dem Ausgleichstreffer von Jonathas die Anerkennung verweigerte. Die TV-Bilder belegten, dass der 96-Stürmer anders als vom Referee angezeigt keineswegs im Abseits gestanden hatte.

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Michy Batshuayi zauberte den Ball zum Dortmunder Siegtor per Hackenvolley in den Hannover-Kasten.

(Foto: imago/DeFodi)

Das Tor des Tages blieb deshalb die Einlage von Michy Batshuayi aus der 24. Minute, als er einen Eckball von Schürrle volley mit der Hacke im langen Eck versenkt hatte. Es war ein kleines Dortmunder Kunstwerk, das über zahlreiche Grobschlächtigkeiten im BVB-Spiel hinwegtröstete.

"Schwere Situation"

Durch den erneuten Sieg blieb die Borussia also auch im zwölften Ligaspiel unter Peter Stöger ungeschlagen und festigte den dritten Platz, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt. Er sei "sehr damit einverstanden, wie die Mannschaft versucht hat, das Spiel anzunehmen", betonte der wankende Österreicher nach dem Schlusspfiff. Stöger sprach von einer "schweren Situation, nach all der Kritik, die auf uns niedergeprasselt ist".

So viel zu den positiven Aspekten, über den erneuten Einbruch in der zweiten Halbzeit deckte der 51-Jährige galant den Mantel des Schweigens. Es war nicht das erste Mal, dass die Dortmunder nach gutem Beginn einbrachen. Schon gegen Frankfurt und Augsburg gefährdete der zuvor souveräne, dominante BVB nach dem Seitenwechsel den Erfolg, was die Frage aufwirft, ob die Mannschaft physisch in einer Topverfassung ist. Diesen Eindruck mochte Stöger "so nicht stehen lassen. Wir haben uns auch in der zweiten Halbzeit noch viele Möglichkeiten rausgearbeitet. Nach der kurzen Pause ist es schwierig, solch ein Spiel durchzuziehen". Stögers einfache Erklärung: "Du kannst den Gegner nicht permanent an die Wand spielen."

Symbol Götze am Scheideweg

Die Leistungsschwankungen spiegeln sich aber nicht nur im BVB-Spiel, sondern auch in der Spiel-Formkurve einzelner Profis. Was für die Borussia zuletzt im Allgemeinen galt, trifft auf Mario Götze derzeit im Besonderen zu. Der Nationalspieler legte gegen Hannover hochmotiviert los, war mit vielen quirligen Offensivaktionen auffälligster Dortmunder, um dann in der zweiten Hälfte wie ein Großteil seiner Mitspieler in der Versenkung zu verschwinden. Dem 25-Jährigen bläst der Wind seit seiner erschreckend schwachen Vorstellung und der frühen Auswechselung beim Europapokal-Aus in Salzburg mit Eiseskälte ins Gesicht.

Nach dem Europaliga-Aus war der Mittelfeldspieler von seinem Trainer in ungewöhnlich deutlichen Worten angezählt. Auch Bundestrainer Joachim Löw, ein Förderer des Fußballfeingeistes, nahm Götze in die Pflicht. "Er hat ein unglaubliches Potenzial und ist ein Spieler, dem ich eigentlich auch vertraue. Aber im Moment ist er noch nicht in der Form, in der wir ihn uns wünschen", sagte der 58-Jährige: "Ich wünsche mir von ihm, dass er aus seiner Position wieder mehr in die Spitze geht. Wir müssen ihm helfen, dass er daran arbeitet und die nächsten zwei Monate nutzt." Konkrete Hilfestellung will Löw aber nicht leisten. Er verzichtete auf Götze für die DFB-Länderspielkader gegen Spanien und Brasilien und damit auch auf die Chance, direkt mit dem kriselnden Star an dessen Defiziten zu arbeiten.

Klar ist: Das ehemals größte Fußballtalent des Landes steht am Scheideweg seiner Karriere. Mit Mitte 20 könnte Mario Götze die besten Jahre seiner Karriere noch vor sich haben. Oder bereits hinter sich, wenn es ihm weiterhin nicht gelingt, seine so üppig vorhandenen Ressourcen auszuschöpfen. Der Edeltechniker weiß, dass er derzeit nicht viele gute Argumente für sich in Anspruch nehmen kann. Anders lässt sich seine Reaktion auf die Stöger-Kritik, die eine fast schon an Demut grenzende Einsicht beinhaltet, kaum interpretieren. Er sei Stöger "dankbar, dass er mich auf meine Defizite hingewiesen hat. Ich werde stark daran arbeiten", hatte der Offensivspieler gesagt. Der Wille zur Besserung ist also vorhanden. Nun müssen Taten folgen, gegen Hannover zeigte er immerhin gute Ansätze. Ob Götze im Sommer Urlaub hat oder mit der Nationalmannschaft nach Russland reist, werden die kommenden Wochen weisen.

Stöger ein Trainer auf Abruf?

Auch die Zukunft von Stöger ist ungewiss, wenngleich ihn BVB-Sportdirektor Michael Zorc gegen Kritik in Schutz nimmt. Man dürfe die Probleme des BVB "nicht nur auf die Zeit mit Peter Stöger reduzieren", betonte er vor dem Hannover-Spiel: "Ich sehe da die ganze Saison."

Die Weichenstellung in der Trainerfrage könne durchaus noch ein wenig nach hinten geschoben werden, deutete er an: "Wir müssen erst einmal sehen, dass wir das Minimalziel Champions-League-Qualifikation erreichen. Dann werden wir die Entscheidungen treffen, in erster Linie natürlich die Trainerentscheidung. Wir wissen aber auch, dass es Veränderungen im Kader geben muss."

Quelle: ntv.de

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