Fußball

Ein zittriger Sieg im DFB-Pokal Der FC Bayern hört auf, Fußball zu spielen

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Der FC Bayern um den sehr starken Thomas Müller hat es sich im Pokal-Achtelfinale gegen Hoffenheim am Ende selbst überraschend schwer gemacht.

(Foto: imago images/GEPA pictures)

Anders etwa als Borussia Dortmund und RB Leipzig steht der FC Bayern im Viertelfinale des DFB-Pokals. Das ist das, was zählt, findet Trainer Hansi Flick. Er findet aber auch, dass man dringend nochmal über das Spiel gegen die TSG Hoffenheim reden müsse.

Womöglich wäre ja alles ganz anders gelaufen, hätte Thomas Müller den Ball in der 52. Minute ein kleines bisschen genauer gechippt. Doch statt im Tor landete der Ball knapp über dem Querbalken. Es wäre das 4:1 gewesen. Der finale Schlag gegen alle mutigen Ambitionen des Gegners. Womöglich wäre diese Situation auch gar nicht Thema, wäre der FC Bayern im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen die TSG Hoffenheim nicht noch überraschend heftig ins Trudeln gekommen. Mit 4:3 schleppten sich die Münchner zum Schlusspfiff, sie vergaben dabei aber fast noch eine 4:1-Führung. Nun sind sie aber weiter, anders als die mutmaßlich stärksten Titelkonkurrenten aus Dortmund und Leipzig. Und das sei ja das, was zählt, sagt Hansi Flick.

FC Bayern München - TSG Hoffenheim 4:3 (3:1)

München: Neuer - Pavard, Jerome Boateng (83. Odriozola), Alaba, Davies - Tolisso, Kimmich - Gnabry, Thomas Müller (81. Cuisance), Coutinho - Lewandowski (81. Zirkzee). - Trainer: Flick
Hoffenheim: Pentke - Kaderabek, Akpoguma, Benjamin Hübner, Zuber - Grillitsch (71. Ribeiro) - Rudy, Nordtveit - Bebou (61. Dabbur), Bruun Larsen (71. Baumgartner) - Kramaric. - Trainer: Schreuder
Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)
Tore: 0:1 Jerome Boateng (8., Eigentor), 1:1 Hübner (13., Eigentor), 2:1 Thomas Müller (20.), 3:1 Lewandowski (36.), 4:1 Lewandowski (80.), 4:2 Dabbur (82.), 4:3 Dabbur (90.+2)
Zuschauer: 71.500
Gelbe Karten: Tolisso, Pavard, Alaba - Nordtveit

Er weiß aber auch, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Klar, der DFB-Pokal ist der aggressivste Wettbewerb. Eine Niederlage - und aus die Maus. Anders als in der Champions League, wo es immer noch ein Rückspiel gibt und selbst größte Wunder noch möglich sind. Anders auch als in der Bundesliga, wo es reichlich Gelegenheiten gibt, einen Patzer zu korrigieren. Und so kündigt der Trainer des FC Bayern dann auch an, den erneuten Dominanzverlust seiner Fußballer aufarbeiten zu wollen. "Die Art und Weise, wie wir teilweise in der zweiten Hälfte gespielt haben, war nicht so gut. Ab der 55. Minute hat man gemerkt, dass die Mannschaft etwas nachgelassen hat. Dass wir nochmal so ins Schwimmen kommen, darüber müssen wir reden, das müssen wir analysieren."

Wie schon zuletzt in der Bundesliga beim FSV Mainz 05 (3:1) starteten die Bayern spektakulär, ließen dann aber umso mehr nach. Zwar kassierten die Münchner nun gegen Hoffenheim ein frühes Gegentor, Jérôme Boateng hatte einen Schuss von Ihlas Bebou unhaltbar ins eigene Tor abgefälscht, aber die Mannschaft von Flick reagierte wuchtig. Mit ihrem aggressiven Anlaufen erzwangen sie andauernd Ballverluste der Hoffenheimer und erspielten sich starke Chancen. Ein Eigentor von Hoffenheims Benjamin Hübner (13.), erzwungen vom weiter formstarken und überragenden Thomas Müller, ein "echter" Treffer von eben Müller (20.) und Robert Lewandowski (36.) hatten vermeintlich für eine Vorentscheidung gesorgt. Zu schnell, zu präzise, zu kreativ spielten die Münchner, als dass der Gast eine Chance hatte.

"So was darf uns natürlich nicht passieren"

Doch dann kam Halbzeit zwei. Dann chippte Müller über das Tor. Dann war die TSG auf einmal im Spiel. Bebous Schuss landet doppelt abgefälscht knapp über dem Bayern-Tor (57.), einen wuchtigen Volley-Abschluss von Steven Zuber entschärft Manuel Neuer spektakulär (71.) und ein Treffer von Hübner wird wegen eines zarten Handspiels bei der Ballannahme nicht anerkannt (72.). Und dann? Dann kommt, nein, dann rauscht erneut Lewandowski heran, Kopf, Tor, 4:1, Entscheidung? Nochmal nein, denn Joker Munas Dabbur legt zweimal für Hoffenheim nach (82./90.+2), vergibt dazwischen auch noch einen Mega-Chance per Kopf. "Die letzten 20 oder 30 Minuten haben wir schleifen lassen und das wurde bestraft", haderte Bayerns Kapitän Neuer und mahnte: "So was darf uns natürlich nicht passieren. So wie wir die ersten 60 Minuten gespielt haben, war es danach nicht mehr und das müssen wir uns ankreiden."

Abwehrchef David Alaba urteilte: "In der zweiten Halbzeit haben wir aufgehört, unser Spiel auf den Platz zu bringen und Hoffenheim hatte die Qualität, es nochmal spannend zu machen. Gegen Leipzig wird es mit Sicherheit ein sehr intensives und spannendes Spiel." Flick erhofft sich derweil von dem Zittersieg zusätzliche Motivation für das anstehende Topspiel in der Bundesliga am Sonntag (ab 18 Uhr im ntv.de-Liveticker). "Das ist ein Weckruf für uns." Aber erstmal ist heute trainingsfrei.

Quelle: ntv.de