Fußball

Drittes Spiel ohne Sieg in Serie Der FC Bayern wackelt, Niko Kovac rätselt

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Lag's am düsteren Outfit? Diese Theorie dürfte Trainer Niko Kovac bei der Ursachensuche nach der Leistung gegen Ajax Amsterdam wohl recht schnell verwerfen.

(Foto: imago/ULMER Pressebildagentur)

Statt zu beweisen, dass die vergangene Woche nur ein Ausrutscher war, schlittert der FC Bayern gegen Ajax Amsterdam in der Champions League tiefer in die Krise. Der Kredit des neuen Trainers könnte bald aufgebraucht sein.

Schon das Outfit verhieß nichts Gutes an diesem Abend. Niko Kovac trug unter dem dunklen Champions-League-Anzug einen dunklen Pullover und dazu auch eine dunkle Krawatte, ganz so, als wollte sich der Trainer des FC Bayern schon einmal optisch auf die düsteren Zeiten einstellen. Dabei war er es doch gewesen, der zuletzt Gelassenheit demonstriert und Lockerheit ausgestrahlt hatte, viel mehr als seine Spieler.

Aber nach dem 1:1 gegen Ajax Amsterdam im zweiten Gruppenspiel der Champions League, der dritten Partie in Serie für die Münchner ohne Sieg, war auch Kovac zum ersten Mal die Last anzumerken. "Heute hat ein bisschen mehr gefehlt als das, was ich und wir uns alle erwartet haben", kritisierte der Bayern-Coach und gibt zu: "Ich muss das erst verarbeiten und meine Gedanken sortieren."

Kovac hatte sich eine Reaktion von seiner Mannschaft nach der missratenen vergangenen Woche mit dem Unentschieden gegen Augsburg und der Niederlage bei Hertha BSC gewünscht. Diese bekam er aber nur eine gute Viertelstunde lang. Die Münchner waren schwungvoll in die Partie gestartet, sehr schwungvoll sogar. Und Sie gingen mit einem frühen Tor durch Mats Hummels in Führung, von dem behauptet worden war, Kovac schätze seine Offensivaktionen nicht besonders, weil er damit die Balance der Mannschaft gefährde.

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Zu viele Fehler: Der FC Bayern kommt nicht aus der Mini-Krise heraus.

(Foto: imago/VI Images)

Der Weg aus der Mini-Krise war mit dem 1:0 in der vierten Minute bereitet. Aber der FC Bayern hat die Chance nicht ergriffen, stattdessen die Kontrolle aus der Hand gegeben und durch Noussair Mazraoui den Ausgleich kassiert (22.). "Unser Tor", gibt Kovac zu, "hat uns keineswegs Sicherheit gegeben. Wir haben den Gegner aufgebaut und uns abgebaut". Eine Erklärung hat er ebenso wenig wie die Spieler, die sich fast alle sehr selbstkritisch gaben.

"Es zieht sich durch, dass wir zu viele Fehler machen", sagte Joshua Kimmich. Man habe zwar immer wieder viel Ballbesitz "aber wenig Ideen Richtung Tor", findet er. Und die wenigen sehr guten Chancen konnten wie zuletzt nicht genutzt werden. Ganz anders als in den ersten sieben Pflichtspielen, da habe man "bei uns auf dem Platz das Gefühl gehabt, wir haben alles im Griff, wir können schalten und walten wie es uns passt", sagte Thomas Müller. Dieses Gefühl der Leichtigkeit hat sich in den vergangenen drei Partien verflüchtigt. "Es kann doch nicht sein, dass innerhalb einer Woche alles weg ist", rätselt Arjen Robben.

"Wackelig, sehr wackelig"

Gegen Ajax mag es, anders als in den Duellen mit Augsburg und Berlin, weniger mit überraschenden Personalrochaden von Kovac zu tun haben. Er hat weder in der Abwehr noch in der Offensive experimentiert und zudem im Mittelfeld mit Thiago und Javier Martinez jene beiden Spieler gemeinsam aufgeboten, die als Sechser in dieser Saison bisher für die Stabilität in der Mannschaft zuständig waren. Dass er Jérôme Boateng trotz dessen Aussetzer in Berlin den Vorzug vor Niklas Süle gab, ist wohl mit internationaler Erfahrung und der besseren Spieleröffnung zu erklären.

Aber im Moment wird deutlich, dass die Bayern-Verantwortlichen dem neuen Trainer eine überalterte Mannschaft übergeben haben. Die Jungen sind entweder verletzt wie Kingsley Coman und Corentin Tolisso oder noch nicht soweit, um den in die Jahre gekommenen Arrivierten die Plätze streitig zu machen. Robben und Franck Ribery zum Beispiel sind auf der Zielgeraden ihrer Karriere konkurrenzlos - und das muss den Bayern ebenso zu denken geben wie Robert Lewandowskis Formkurve, die in den letzten Spieler wieder deutlich nach unten geht.

Bisher hatte sich Kovac keine großen Sorgen machen müssen. Mit dem glänzenden Saisonstart, der Art seiner Moderation und dem bis zum Augsburg-Spiel oft sehr glücklichen Händchen bei der Personalwahl hat er sich Kredit erworben. Doch der könnte bald aufgebraucht sein. Nach der Partie gingen die Verantwortlichen mit Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß an der Spitze in die Kabine, das ist üblich beim FC Bayern. Unüblich ist dagegen, dass Hoeneß später nicht mehr an den Journalisten vorbeispaziert ist, um allerseits einen guten Abend zu wünschen. Er wählte dieses Mal einen anderen Weg aus dem Stadion.

Es war fünf Minuten nach Mitternacht, als der letzte Bayern-Spieler aus der Kabine kam. "Wacklig, sehr wacklig", sagte Hummels, der Torschütze, der kurz vor Schluss wegen einer Platzwunde benommen ausgewechselt werden musste und anschließend genäht wurde. Gemeint hat er damit seinen persönlichen Zustand, aber seine Worte beschrieben auch sehr treffend den momentanen Zustand der gesamten Mannschaft.

Quelle: n-tv.de

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