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Krise, Chaos, Auferstehung Der HSV - unabsteigbar bis in alle Ewigkeit?

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Erst lief unter Markus Gisdol gar nichts beim HSV, also alles wie immer. Zuletzt sind die Hamburger aber ins Laufen gekommen.

(Foto: imago/Contrast)

Anfang November gilt Bundesliga-Dauerpatient Hamburger SV noch als hoffnungsloser Fall. Dann zeigt der Dino einen famosen Jahresendspurt, trotzt gar der Unruhe in der Führungsetage. Wird jetzt endlich wieder alles gut? Eine Diagnose.

Warum gewinnt der HSV wieder? 

Die Länderspielpause im November brachte den HSV wieder auf die Spur. Zur Erinnerung: Der HSV hatte nach zehn Spieltagen mickrige zwei Punkte und vier Tore auf dem Konto. Die „Rothosen“ wurden von den eigenen Fans ausgepfiffen, von der Konkurrenz fast schon belächelt. Trainer Markus Gisdol schien kein Konzept zu finden. In Hamburg wurde bereits über die zweite Trainerentlassung der Saison diskutiert. Dann kam die erwähnte Länderspielpause – und Gisdol fand die richtigen Lösungen.

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Hochverdient: Das schönste Symbolbild der Saison wurde eigens für den HSV angefertigt.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Neuer Kapitän, neuer Teammanager, längere Anwesenheit an Trainingstagen, Deutsch-Unterricht für die Ausländer, Handyverbot, zwischendurch ein Trainingslager – es ist schwer zu sagen, welche Maßnahme letztendlich zum Erfolg führte. Vermutlich hat alles dazu beigetragen. In den sechs Spielen seit der Länderspielpause gelangen drei Siege und zwei Unentschieden. Die Offensivabteilung mit den Flügelspielern Nicolai Müller und Filip Kostic sowie den Stürmern Michael Gregoritsch und Bobby Wood funktioniert. Selbst die dezimierte Defensive strahlt Sicherheit aus.

Welche Probleme hinterlässt Ex-Boss Beiersdorfer?

Einfach ausgedrückt: Beiersdorfer hinterlässt einen Kader, der viel kostet und dafür zu wenig leistet. In der Saison 2015/2016 lagen die Personalkosten bei insgesamt 62 Millionen Euro. Rund 80 Prozent davon gingen für die Spieler drauf. Alleine Lewis Holtby hat vergangene Saison 4,115 Millionen Euro verdient, hat Football Leaks enthüllt.

Der HSV kommt finanziell auf keinen grünen Zweig. Für diese Saison wird mit einem Fehlbetrag von elf Millionen Euro gerechnet. Beiersdorfer lebte scheinbar nach dem Motto: Was kostet die Welt? Die Kosten müssen dringend heruntergefahren werden. 

Neuverpflichtungen sind allerdings unumgänglich. Der Kader ist unausgewogen: In der Offensive herrscht ein Überangebot, in der Defensive ein Mangel. Die vollzogene Verpflichtung des Innenverteidigers Mergim Mavraj kann lediglich der Anfang sein. Immerhin wurde mit Cleber ein Spieler auf selbiger Position abgegeben. Laut Bruchhagen wird Beiersdorfer bis Jahresende noch einen zweiten Transfer zu Ende führen.

Was sind die Baustellen des neuen Chefs Bruchhagen?

Das Wichtigste: Er muss ab Januar die Transfers selber erledigen. Kein Problem, sagt Bruchhagen : "Ich habe mehr als 200 Transfers gemacht. Die Abwicklung traue ich mir zu." Teure Verpflichtungen sind allerdings nur möglich, wenn Klaus-Michael Kühne sein Geldbeutel öffnet. Ohne den Milliardär wäre der HSV möglicherweise schon zahlungsunfähig. Bruchhagen muss sich mit Kühne gut stellen: "Wir sind in einem intensiven Austausch. Ich werde in absehbarer Zeit sicherlich mit Herrn Kühne zusammentreffen." Die Zeichen stehen gut: Laut "Sport Bild" stellt der Investor 20 Millionen Euro für Wintertransfers zur Verfügung.

Allzu lange möchte Bruchhagen nicht für Transfers zuständig sein. Ein Sportdirektor wird dringend gesucht. "Ich muss eine Vielzahl von Gesprächen führen, um das Anforderungsprofil herauszufinden", sagt der Vorstandsvorsitzende. Laut "Bild"-Zeitung fand bereits ein Gespräch mit Jens Todt statt. Der Ex-Profi war bis November Sportdirektor des Karlsruher SC, leitete zudem in der Saison 2008/2009 die Nachwuchsabteilung des HSV. Auch der Name Horst Heldt geistert immer wieder durch Hamburg. Mit Beiersdorfer konnte Heldt sich nicht einigen. Vielleicht klappt es ja mit Bruchhagen. 

Steigt der HSV wieder nicht ab?

Nicht einmal absteigen kann der HSV! Dieser Spruch ist in Fußball-Deutschland längst Kult. Tatsächlich entstand in den letzten Jahren der Eindruck, eine höhere Macht würde den ersten Abstieg des Bundesliga-Gründungsmitglieds verhindern. In der Spielzeit 2013 / 2014 rettete sich der HSV mit mickrigen 27 Punkten in die Relegation. In jeder anderen Saison seit Einführung der 3-Punkte-Regel wäre das der sichere Abstieg gewesen. Der HSV bezwang in der Relegation Greuther Fürth, ohne ein einziges Spiel zu gewinnen. Die Auswärtstorregel machte es möglich.

Wenn der Abstieg kaum noch zu verhindern ist, kommt dem HSV eben eine falsche Schiedsrichterentscheidung zugute. Man erinnere an das Freistoßtor von Marcelo Diaz in der Relegation gegen den Karlsruher SC. Schiedsrichter Manuel Gräfe sah zuvor ein absichtliches Handspiel, das keines war. Die vermeintliche Ungerechtigkeit hat den HSV bei vielen unbeliebt gemacht. So sehr, dass sich heutzutage keine HSV-Meldung mehr veröffentlichen lässt, ohne dass die Kommentarzeile mit Abstiegswünschen gefüllt wird.

Stand heute ist jedoch davon auszugehen, dass die HSV-Bundesliga-Uhr über den Sommer 2017 hinaus weitertickt. Mit dem SV Darmstadt 98 droht bereits der erste Konkurrent den Anschluss zu verpassen. Ohnehin erscheint der HSV so stabil, dass ein erneuter Einbruch nicht zu erwarten ist. Und wenn doch? Dann wird sicherlich irgendein glücklicher Umstand den HSV retten. Absteigen kann dieser Verein schließlich nicht.

Quelle: n-tv.de

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