Fußball

Achja, DFB-Pokal war auch noch Der höfliche Herr Kovac ist genervt

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Niko Kovac hat einen neuen Wunschspieler.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Vor dem Pokalspiel des FC Bayern gegen den FC Energie geht es um Ivan Perisic. Auch nach dem Pokalspiel in Cottbus dreht sich vieles um den Kroaten, der die Münchener mutmaßlich verstärkt. Der Coach ist genervt. Dabei ist es doch eigentlich ein schöner Abend.

Es gab an diesem Montagabend in Cottbus tatsächlich ein paar wenige Menschen, die Niko Kovac nicht nach Ivan Perisic fragten. Die ihn nicht fragten, was denn jetzt eigentlich mit dem Transfer des 30 Jahre alten Kroaten zum FC Bayern sei. Die ihn auch nicht fragten, welche c- bis z-Lösung der Flügelspieler nun sein würde. Sie, die wenigen, fragten Kovac bloß nach Autogrammen. Und nach Fotos. Der Trainer der Münchener nahm sich also Zeit, schrieb und lächelte. Es war ja auch eigentlich ein guter Abend für gute Laune beim deutschen Fußball-Rekordmeister. Mit 3:1 (1:0) hatte er die erste Runde im DFB-Pokal beim Viertligisten FC Energie Cottbus überstanden. Robert Lewandowski (32. Minute), Kingsley Coman (65.) und der eingewechselte Leon Goretzka (85.) trafen für den Favoriten. Die rührend kämpfenden Gastgeber belohnte Berkan Taz in der Nachspielzeit aus elf Metern. Die 20.602 Zuschauer im ausverkauften Stadion der Freundschaft erfreute das sehr.

Energie Cottbus - FC Bayern 1:3 (0:1)

Energie Cottbus: Moser - Hasse, Gehrmann, Koch, Hoppe - Eisenhuth, Niklas Geisler (58. Raak), Felix Geisler (63. Beyazit), Brügmann - Taz, Rangelov (74. Broschinski). - Trainer: Wollitz

FC Bayern München: Neuer - Kimmich, Süle (89. Hernández), Pavard - Alaba - Tolisso, Thiago - Müller, Sanches (63. Goretzka), Coman (70. Gnabry) - Lewandowski. - Trainer: Kovac

Tore: 0:1 Lewandowski (32.), 0:2 Coman (65.), 0:3 Goretzka (85.), 1:3 Taz (90.+3)

Zuschauer: 20.602 (ausverkauft)

Vielmehr gab's sportlich kaum zu erzählen. Der FC Bayern hatte elend viel Ballbesitz, zeitweise deutlich mehr als 80 Prozent. Der FC Bayern passte den Ball durch die eigenen Reihen. Das auch deutlich sicherer als noch zuletzt im Supercup gegen Borussia Dortmund. Und der FC Bayern erspielte sich gerade im ersten Durchgang eine stabile Anzahl an guten Gelegenheiten. Das alles ohne zu begeistern, ohne allzu kreative Ideen. Aber auch ohne große Lücken und nie ernsthaft in Gefahr, sich zu blamieren. Es war schlicht ein grundsolider Pokal-Vortrag des Titelverteidigers. Es war einer, der Energie-Coach Claus-Dieter Wollitz erleichterte: "Meine Angst war extrem", gestand er nach Spielende. Neun Tore in drei Ligaspielen hatten offenbart: Seine Abwehr hat viel Potenzial zur Steigerung. Und so war er nur dankbar, "dass es so gelaufen ist", wie es gelaufen war.

Lediglich einer hatte an diesem Abend konstant daran gearbeitet, seine Gegner zu verängstigen: Kingsley Coman. Dessen Tempo, Dribbelstärke und Hereingaben sind einfach viel zu gut, um 90 Minuten von einer neu formierten Regionalmannschaft mit sehr vielen sehr jungen Spielern konsequent verteidigt zu werden. So bereitete der Franzose das 1:0 per Kopf quasi vor. Seinen Versuch konnte der starke Torhüter Lennart Moser zwar parieren, seine Abwehr aber landete erst vor den Füßen des freistehenden Lewandowski (32.) und dann im Tor. Ein zweiter Kopfball klatschte in der 40. Minute aus elf Metern an die Latte, ein Schuss aus 16 Metern schlug 25 Minuten später ein.

Warten auf die Alternative auf Top-Niveau

Beim dritten Treffer der Münchener war Coman gar nicht mehr auf dem Platz, im Gesäß hatte es gezwickt. So erklärte Trainer Kovac. Sorgen aber müsse sich keiner machen, die Herausnahme des besten Bayern-Spielers sei reine Vorsicht gewesen. Außerdem habe so Serge Gnabry noch ein wenig spielen können. Vor dem Bundesliga-Start am Freitag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) gegen Hertha BSC sollen beide Flügelspieler in guter Form sein. Sie müssen sogar. Denn eine offizielle Alternative auf Top-Niveau gibt es nicht. Thomas Müller, eine mögliche Option aus dem eigenen Mini-Bestand, wies gegen Cottbus einmal mehr nach, dass die Außenbahn auch nach elf Jahren Profifußball ein Habitat ist, mit dem er fremdelt. Der talentierte Kanadier Alphonso Davies ist nach wie vor zu jung und zu unerfahren. Und Ivan Perisic noch nicht da.

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Zwar läuft der 30-Jährige schon in Bayern-Shorts durch München und verkündet den Kollegen der "Bild"-Zeitung, dass er beim Medizincheck war, eine Bestätigung für den Wechsel aber steht noch aus. Sie wird für diesen Dienstag erwartet. "Wenn alle Papiere ausgetauscht sind und es passt, dann wird er ein Spieler von uns werden", sagte Kovac an diesem Abend in Cottbus. Medienberichten zufolge ist Perisic ein Spieler, den sich der Trainer sehr wünscht. Beide kennen sich aus ihrer Zeit bei der kroatischen Nationalmannschaft. Beide schätzen sich - und das Handwerk.

Perisic statt Sané

Perisic ist kein Mann für das Spektakel, er ist ein zuverlässiger Mittelfeldspieler, der Tore schießt und Tore vorbereitet. Dass sein Transfer zum FC Bayern sehr intensiv und noch viel kontroverser diskutiert wird, liegt dabei weniger daran, dass der Kroate ein nachgewiesen guter Mann ist, als an den wuchtigen Ankündigungen der Bayern-Bosse. Es liegt auch an dem (zu) forschen Werben um Deutschlands mutmaßlich spannendsten Fußballer, um Leroy Sané. Dessen mögliche Zukunft in München nach seinem Kreuzbandriss übrigens immer noch nicht geklärt ist. Und es liegt auch daran, dass Inter Mailand, ein Klub, meilenweit entfernt von internationalen Ansprüchen, keine Verwendung mehr für ihn hat. Trotz einer guten vergangenen Saison.

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Kommt er nun zum FC Bayern oder nicht?

(Foto: imago images / Gribaudi/ImagePhoto)

Perisic statt Sané heißt es nun. Perisic als erster Ersatz für die Legenden Franck Ribéry und Arjen Robben. Nach einer lange vorbereiteten und ausgeklügelten Transferstrategie klingt das wahrlich nicht. Ein Grund den Spieler abzuwerten sei das aber auch nicht, findet Kovac. Überhaupt gebe es keinen Grund irgendjemand abzuwerten.

Wann er an diesem Abend gefragt wurde - er wurde vor dem Spiel gefragt, er wurde danach gefragt und mittendrin vermutlich auch - sagte er Sätze wie diese und verdrehte dabei sogar gelegentlich die Augen: "Ich habe auch unabhängig davon, ob einer zu uns kommt oder nicht, gesagt, dass teilweise mit den Spielern nicht gut umgegangen wird, weil man sie einfach in die zweite oder dritte Kategorie steckt." Kovac kritisierte auch die Art, wie die Debatten um den wahrscheinlichen Transfer geführt wurden. "Es ist zu leicht, immer jemanden zu kritisieren. Jetzt bekommst du den einen nicht, dann den nächsten nicht und dann hast du plötzlich eine XY-Lösung? Das ist nicht schön. Man sollte jedem den nötigen Respekt entgegenbringen."

Das tat Kovac dann auch. Gewohnt höflich. Er gratulierte Cottbus und Trainer Wollitz für eine tolle Leistung, für einen "offenen Schlagabtausch" und für eine hohe Intensität. Die Fans lobte er für die tolle Stimmung. Dezenter verteilte er die Komplimente an seine eigene Mannschaft: "Wir haben es gut gemacht. In der zweiten Halbzeit hätten wir ein bisschen mehr den Ball halten und ihn schneller laufen lassen können. Im letzten Drittel müssen wir auch noch genauer und präziser spielen. Aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden." Womöglich auch mit einem hochkarätigen Neuzugang? Mit Philippe Coutinho vom FC Barcelona? "Über so etwas redet nicht mehr der Trainer, darüber redet der Sportdirektor." Dann: ein letztes Autogramm, ein letztes Foto - und kein Wort mehr zu Perisic. So war's dann auch ein schöner Abend.

Quelle: n-tv.de

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