Fußball

Müller, Hummels, Boateng raus Der nette Herr Löw greift durch

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Der Bundestrainer legt sich fest: Es geht auch ohne das Bayern-Trio.

(Foto: imago/photoarena/Eisenhuth)

Der radikalste Joachim Löw, seit es ihn als Fußball-Bundestrainer gibt, verabschiedet mit Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng drei Weltmeister aus der Nationalelf. Für diesen Schritt bekommt er nicht nur Applaus. Es ist aber der richtige.

Was ist eigentlich das Überraschende an der Nachricht, dass Bundestrainer Joachim Löw in Zukunft Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng nicht mehr zur deutschen Fußball-Nationalelf einlädt? Die Entscheidung an sich ist sportlich nicht brisant. Alle drei Spieler sind nicht mehr so gut wie sie es waren, als sie 2014 in Brasilien mit der DFB-Elf die Weltmeisterschaft gewannen. Das ist ja nun auch schon viereinhalb Jahre her. Das Risiko, das Löw mit seiner Entscheidung eingeht, ist angesichts einer machbaren Qualifikation für die pankontinentale Europameisterschaft 2020 also überschaubar.

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Abschied: Jérôme Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels.

(Foto: imago/Camera 4)

Boateng plagt sich seit geraumer Zeit mit diversen Verletzungen und war schon bei den letzten Partien im vergangenen Jahr nicht dabei. Müller hatte Ende November beim 2:2 gegen die Niederlande sein 100. Länderspiel absolviert. Doch er war nach dem WM-Desaster in Russland nur noch Ergänzungsspieler und längst kein entscheidender Faktor mehr.

Bei Hummels liegt der Fall anders als bei seinen Kollegen vom FC Bayern. Erst jüngst beim 0:0 der Münchner in der Champions League in Liverpool war er, obwohl nicht der Schnellste, mit seinem überragenden Stellungsspiel einer der besseren in einer guten Mannschaft.

Allerdings passt auch er altersmäßig nicht ins Konzept der Erneuerung. Und einen Neuanfang, das will der Bundestrainer mit seiner Entscheidung zeigen, soll es ja nun geben. Auch das überrascht nicht, er hatte es ja angekündigt. Seine demonstrative Entschlossenheit ist es, die ungewöhnlich wirkt. Er präsentiert sich als der radikalste Löw, den es seit seinem Jobantritt 2006 gegeben hat. Bei Michael Ballack, Torsten Frings und letztlich auch Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski hat er viel länger herumgeeiert. Dass er dieses Mal seinem Hang nicht nachgibt, treu zu verdienten Spielern zu stehen, ist ein starkes Zeichen.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

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Fußball-Bundestrainer Joachim Löw streicht die drei langjährigen Nationalmannschaftsspieler Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels aus der DFB-Elf. Macht er damit alles richtig?

Dafür wird er nicht nur Applaus bekommen. Denn natürlich hat seine Entscheidung auch eine emotionale Seite. Die Sympathie der Zuschauer für Thomas Müller im Nationaltrikot war zuletzt zwar kurz davor, in Mitleid abzugleiten. Dennoch war er einer, der diese Mannschaft jahrelang geprägt hat. Aber: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Gut, Löw hätte auch direkt nach der Weltmeisterschaft durchgreifen können. Offenbar war er nicht gewillt, das Risiko einzugehen und ein Scheitern in der Nationenliga von vorneherein einzuplanen. Jetzt geht er den Schritt, den viele von ihm gefordert hatten, behält aber die Deutungshoheit, auch wenn der Druck zur Erneuerung enorm ist. Dieser Weg ist vielleicht nicht der leichteste. Aber er ist der richtige.

Und dass der Abschied der drei Weltmeister endgültig ist, darf als gesichert gelten. Thomas Müller ist 29 Jahre alt, Mats Hummels und Jérôme Boateng noch ein Jahr älter. Wenn der Bundestrainer sich "für viele erfolgreiche, außergewöhnliche und einmalige gemeinsame Jahre" bedankt, dann ist die Tür zu. Das ist neu, das ist radikal, das ist richtig. Und somit dann doch überraschend. Ob daraus dann automatisch der Aufbruch in eine neue, wieder erfolgreiche Ära folgt, ist dann wieder eine andere Geschichte.

Quelle: n-tv.de

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