Fußball

Kroos straft seine Kritiker Der unwiderstehliche "Querpasstoni"

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Vinicius Junior weiß, bei wem er sich bedanken muss.

(Foto: imago images/Pressinphoto)

Toni Kroos verschleppt das Spiel. Seine Pässe gehen viel zu sehr in die Breite. Sein Stammplatz in der Fußball-Nationalmannschaft ist nicht berechtigt, Joachim Löw hält zu Unrecht an ihm fest. So lauten diverse Vorwürfe. Bei Real Madrid führt Kroos seine Kritiker nun regelrecht vor.

"Querpasstoni". Wer Toni Kroos herabwürdigen will, nutzt diesen abfälligen Spitznamen für den 31-Jährigen. Viele Pässe in die Breite, zu wenig Zug ins Spiel - für seine vielen Spielzüge wird Kroos vor allem in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft oft kritisiert. Nach seinem Ausfall bei den vergangenen Länderspielen wollten einige schon das Ende seines Stammplatzes im Mittelfeld ausrufen.

"Querpasstoni" schrieb am späten Dienstagabend auch Felix Kroos. Der jüngere Kroos-Bruder ist bekannt für seine amüsanten Spitzen gegen seinen erfolgreicheren Bruder. Es gelang dem Profi von Zweitligist Eintracht Braunschweig nun, die Kritiker seines Bruders bloßzustellen. Denn Toni Kroos konnte nach seiner Verletzungspause wieder spielen - und wie. Für Real Madrid im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen den FC Liverpool. 3:1, ein verdienter Sieg für das Kroos-Team. Tore von Vinicius Junior (27./65.) und Marco Asensio (36.) entschieden die Neuauflage des Endspiels von 2018, für Jürgen Klopps Liverpool traf lediglich Mohamed Salah (51.) zum zwischenzeitlichen Anschluss.

Was hier nicht vermerkt ist: Kroos bereitete das 1:0 vor. Und das war alles andere als lahm, spielverschleppend oder unkreativ. Kroos spielte zunächst einen traumhaften Flugball genau in den Lauf von Vinicius. Der verwertete den Ball mit zwei Kontakten - ohne den Pass aber wäre das nicht möglich gewesen.

"Toni ist eine Legende"

Vinicius lobte später: "Toni ist unglaublich, eine Legende. Ein Spieler wie kein anderer." Auch beim 2:0 hatte Kroos seinen Fuß im Spiel - die Weitergabe eines langen Schusses von Kroos verpatzte Trent Alexander-Arnold folgenschwer. Und sonst so? Mehr als 90 Prozent seiner Pässe kamen an, er bereitete den Liverpoolern extreme Mühe mit cleveren Spielzügen und Bewegungen. Mal preschte er nach vorn, mal schlich er sich langsam an, mal zog er sich zurück. 11,6 gelaufene Kilometer waren bei Abpfiff die meisten seines Teams. Ein Torschuss, der in der 61. klar drüber ging, ist da zu vernachlässigen.

Das Zusammenspiel bei Real im Mittelfeld ist zudem wahrlich königlich. Mit Luka Modric harmoniert Kroos wunderbar, dazu bringt Casemiro Aggressivität mit rein. Dass die Stamm-Innenverteidigung mit Sergio Ramos und Raphael Varane gegen Liverpool ausfiel, war kaum zu spüren, wurde frühzeitig geregelt. Coach Zinedine Zidane lobte sein Mittelfeld-Trio bei "AS": "Sie haben Erfahrung, sie sind gut und sie zeigen es in jedem Moment." In dieser Form ist Real Madrid auf dem Weg Richtung Finale - es wäre Kroos' fünfter Champions-League-Titel.

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"Es ist keine Frage, dass wir das Spiel verdient gewonnen haben", sagte Kroos nach dem Abpfiff. Bei Twitter kommentierte er zurückhaltend: "Gutes Spiel. Aber nur der erste Schritt." Dieser erste Schritt war übrigens für ihn ein durchaus relevanter: sein 112. Spiel in der Champions League. Damit zog er laut transfermarkt.de mit Philipp Lahm gleich. Nur noch zwei Deutsche, Manuel Neuer (117) und Thomas Müller (122), haben laut dieser Statistik mehr Königsklassen-Spiele absolviert.

Und in der Form macht Kroos mehr als deutlich, warum er und Joachim Löw ein Abkommen haben: Der Spielgestalter ist immer dabei - es sei denn, er bekommt einen Anruf. Normalerweise ist es umgekehrt. "Querpasstoni" als Adelung.

Quelle: ntv.de

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