Fußball

Sagt er auch noch was zum Krieg? Deutscher Trainer übernimmt russischen Topklub

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Beim HSV hinterließ Zinnbauer keinen bleibenden Eindruck.

(Foto: imago/Philipp Szyza)

Von 2014 bis 2015 coacht Joe Zinnbauer den Hamburger SV, der damals noch in der Bundesliga spielt. Nach Stationen in der Schweiz und in Südafrika hat der deutsche Fußballtrainer jetzt einen neuen Job. Bei Lokomotive Moskau. In der Hauptstadt Russlands, dessen Angriffskrieg noch immer wütet.

Am Ende des rund vierminütigen Videoclips wechselt Joe Zinnbauer die Perspektive. "Liebe Fans von Lokomotive", sagt der 52-Jährige und spricht nun direkt in die Kamera, "ihr wollt neue Erfolge und Trophäen, und wir wollen das auch." Mit einem kämpferischen "Vperjot Lokomotiv" (Vorwärts Lokomotive!) schließt Zinnbauer - und macht sich an die Arbeit.

Der frühere Bundesliga-Coach des Hamburger SV hat seinen Job beim russischen Spitzenklub Lokomotive Moskau angetreten - und das mitten im Krieg. Während andere westliche Sportler und Trainer wie Markus Gisdol oder Daniel Farke das Riesenreich verlassen haben und angesichts von Putins Aggressionen gegen die Ukraine einen großen Bogen um die russische Premjer Liga machen, geht Zinnbauer den entgegengesetzten Weg.

Zu seinen Motiven oder auch möglicher Bedenken bezüglich seines neuen Engagements ist bislang nichts bekannt, auf eine Anfrage reagierte Zinnbauer bislang nicht. Stattdessen spricht er in den Vereinsmedien ausführlich, schwärmt von den Trainingsbedingungen beim russischen Hauptstadt-Klub und nennt Lok ein "sehr interessantes" Projekt.

Deutsche Trainer sind in Moskau keineswegs neu. Beim Lokalrivalen Dynamo stand bis Saisonende ein gewisser Sandro Schwarz (jetzt Hertha BSC) an der Seitenlinie, und bei Lok haben Experten von hierzulande schon eine kleine Tradition. Vor Zinnbauer und Marvin Compper, der Zinnbauer als Assistenzcoach erhalten bleibt, hatte Gisdol das Team noch im Winter trainiert - bis Russland die Ukraine angriff.

"Mir hat alles gefallen. Deshalb bin ich hier"

"Fußballtrainer ist für mich der schönste Job der Welt", hatte der langjährige Bundesliga-Coach nach seinem Rücktritt nach nur vier Monaten Ende Februar via "Bild"-Zeitung erklärt. Er könne aber "nicht in Moskau auf dem Trainingsplatz stehen, die Spieler trainieren, Professionalität einfordern und ein paar Kilometer weiter werden Befehle erteilt, die großes Leid über ein gesamtes Volk bringen". Wie Gisdol entschied sich im Frühjahr auch Daniel Farke. Als in der Ostukraine die Panzer rollten, löste der heutige Trainer von Borussia Mönchengladbach seinen Vertrag beim russischen Klub FK Krasnodar Anfang März kurzerhand auf.

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Zinnbauer, der von September 2014 bis März 2015 für den einstigen Bundesliga-Dino HSV tätig war und danach den FC St. Gallen (2015 bis 2017) und die Orlando Pirates in Südafrika (2019 bis 2021) coachte, geht nun den entgegengesetzten Weg. Bei Lok arbeitet er mit Sportdirektor Thomas Zorn und dem Leiter der Scouting-Abteilung Christian Möckel zusammen. Möckel habe ihm von dem Projekt in Moskau erzählt, sagt Zinnbauer: "Ich bin hergekommen, habe mir alles angeschaut, und mir hat alles gefallen. Deshalb bin ich hier."

Zinnbauer soll den dreimaligen Meister (zuletzt 2018) und neunmaligen Pokalsieger nach dem Absturz auf Rang sechs wieder in die Erfolgsspur führen. "Die Spieler sind hungrig auf Siege und wir Trainer sind es ebenso", beteuert Zinnbauer. Los gehts in der Meisterschaft bereits in knapp zwei Wochen mit einem Heimspiel gegen Nischni Nowgorod. Auf europäischer Bühne wird man Lok mit seinem neuen Trainer allerdings erst mal nicht zu Gesicht bekommen. Russische Mannschaften sind wegen des Kriegs für die UEFA-Wettbewerbe aktuell gesperrt.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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