Fußball

"Erst im Herbst wieder" Die Bundesliga blickt bibbernd nach Berlin

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In ganz Europa rollt kein Ball mehr. Die Fußballbundesliga hofft nun auf die Entscheider in Berlin, damit bald wieder gespielt werden kann.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Wenn es nach Ostern auf politischer Ebene um mögliche Lockerungen der Corona-Restriktionen geht, wird das auch den anvisierten Wiederbeginn der Fußballsaison betreffen. Zahlreiche Kritiker warnen vor einem verfrühten Neustart. Ein SPD-Gesundheitsexperte glaubt nicht an Fußball vor dem Herbst.

Die Mahnungen kommen von höchster Stelle. Der Bundespräsident fordert Geduld, die Kanzlerin will "jetzt nicht leichtsinnig" werden, viele Ministerpräsidenten warnen vor "zu frühen" Lockerungen. Dennoch hoffen die Macher des Profifußballs auf genau diesen Abbau der Corona-Restriktionen, wenn sie nach Ostern gebannt ins politische Berlin schauen. Im Kampf um die Existenz wünschen sich die Klub- und Verbandsbosse ein positives Zeichen - doch zahlreiche Kritiker bewerten den Drang zum Wiederbeginn der Saison negativ.

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SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach will keinen Fußball vor dem Herbst.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dass sich die Skeptiker dabei sogar auf den obersten Fußballer berufen können, kam unerwartet. "Kein Spiel, kein Wettbewerb, keine Liga ist es wert, auch nur ein einziges Menschenleben zu riskieren", ließ Fifa-Boss Gianni Infantino wissen: "Es wäre mehr als unverantwortlich, die Fortsetzung von Wettbewerben zu forcieren, wenn die Situation nicht hundertprozentig sicher ist." Die überraschende Warnung des Weltverbands-Präsidenten, dem in den vergangenen Jahren immer wieder Profitgier vorgeworfen wurde, ist Wasser auf die Mühlen der Mahner.

Sie bemängelten zuletzt eine mögliche Sonderrolle für den Fußball, die unsolidarisch sei und gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Sprengstoff in sich trage. "Wenn der Fußball eine 'Extrawurst' gebraten bekommt, wird es Ressentiments in der Bevölkerung geben", sagte SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bei Sport1: "Ich persönlich denke, dass es im Herbst wieder losgehen kann." Laut Lauterbach ist schon jetzt absehbar, dass es auch in einigen Wochen noch nicht genügend Tests und andere medizinische Kapazitäten geben werde.

Von "absehbar" bis "keine gute Idee"

Wie Entscheidungen mit Blick auf den Fußball aussehen, soll sich in den kommenden Tagen bei den Beratungen zwischen der Bundesregierung und den Länderchefs zeigen. Vieles wird dabei von den Empfehlungen der Nationalakademie Leopoldina abhängen. Kanzlerin Angela Merkel hat bereits erklärt, dass sie die Studie der Wissenschaftler für "sehr wichtig" hält - dann könnten "kleine Schritte" folgen.

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Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hofft auf baldige Geisterspiele.

(Foto: dpa)

Ob zu diesen kleinen Schritten auch der Wiederbeginn der Spielzeit Anfang Mai gehören soll, ist umstritten. Während Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) den Ball "vielleicht absehbar" wieder rollen sieht und einen Konsens der Bundesländer mit Blick auf die geplanten Geisterspiele anstrebt, sieht das der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer ganz anders. "Ich bin weiter der Auffassung, dass das keine gute Idee ist", äußerte der SPD-Politiker, der damit seine gewohnt kritische Haltung zum Profifußball untermauerte. Immerhin unternimmt die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) nichts, um zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Trotz der mittlerweile geschmiedeten Pläne hinsichtlich möglicher Abläufe bei der Logistik und der gesundheitlichen Fürsorge übt sich die DFL-Spitze in Demut. "Natürlich darf nicht der Eindruck entstehen, der Fußball ignoriere in seiner Selbstbezogenheit die Realität", sagte DFL-Boss Christian Seifert, der die Klubchefs am Freitag zur nächsten virtuellen Krisensitzung um sich versammelt.

Alles steht und fällt mit der Politik

Ähnlich äußerte sich DFL-Präsidiumsmitglied Alexander Wehrle. Man habe "auch die gesellschaftliche Verantwortung, das in geordnete Bahnen zu bringen", sagte der Geschäftsführer des 1. FC Köln der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Dieses Spannungsverhältnis gilt es auszuloten." Wehrle verwies dabei auf die DFL-Taskforce unter der Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer: "Sie muss sich genau mit diesen systemkritischen und gesellschaftsrelevanten Fragestellungen auseinandersetzen. Wir wollen konsensfähige Lösungen finden."

Für tragfähige Lösungen stehen derzeit aber noch zu viele Fragen im Raum. Diese reichen von den vorrangigen Gesundheitsaspekten über die Auswahl von Spielorten bis hin zu den nötigen Sicherheitsvorkehrungen. Alles steht und fällt mit den Vorgaben der Politik, die wohl in erster Linie über die schrittweise Öffnung von Schulen und weitere Lockerungen auf regionaler Ebene nachdenken wird. Das Schicksal von 13 Profiklubs, die angeblich von der Insolvenz bedroht sind, erscheint in diesem Zusammenhang zweitrangig.

Quelle: ntv.de, Alexander Sarter, sid