Fußball

Selig im Regen von Bröndby Die Confed-Cup-Elf macht Druck

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Lars Stindl bestritt mit 28 Jahren sein erstes Länderspiel. Und er hofft auf weitere Einsätze.

(Foto: imago/Matthias Koch)

Es ist erst ein Anfang, doch die junge DFB-Elf mit ihren beiden älteren Debütanten nimmt den Auftrag des Bundestrainers ernst. Sie baut Druck auf - und die Etablierten dürften genau verfolgen, was in diesem Sommer geschieht.

Bei Länderspielen stellt sich bisweilen die Frage, was eigentlich das Besondere daran ist. Da hat einer in ausverkauften Stadien gespielt, in der Bundesliga und in der Champions League. Und dann kickt er vor 15.000 Zuschauern im Regen von Bröndby und versichert hinterher, wie toll das alles war. Lars Stindl ist so einer. Er ist 28 Jahre alt und Fußballprofi. Er weiß, wie es im Borussia Park zugeht, wenn 54.000 Menschen feiern, er hat mit Mönchengladbach in der vergangenen Saison im legendären Celtic Park zu Glasgow gewonnen und dabei ein Tor erzielt. An diesem Dienstagabend nun, beim 1:1 (0:1) im Testspiel in Kopenhagen gegen Dänemark, hat er das erste Mal für die deutsche Nationalmannschaft gespielt.

Er tat das eher unauffällig, auffällig viel ist ihm als hängende Spitze nicht gelungen. Joachim Löw hat ihn dennoch gelobt. Stindl habe das Gefühl für den freien Raum, er habe die Gabe, zwischen den Linien der gegnerischen Defensive zu agieren. "Er spielt klare Bälle, behandelt den Ball sicher und findet gute Lösungen." Das hörte sich besser an, als es tatsächlich war. Aber er gehört jetzt dazu. Und natürlich will er wie jeder, der das von sich behaupten kann, jetzt auch mehr. Mehr, das heißt: Er ist am Samstag beim WM-Qualifikationsspiel in Nürnberg gegen San Marino (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) dabei, und fährt mit zum Konföderationenpokal nach Russland, der für die DFB-Elf am 19. Juni in Sotschi mit dem Spiel gegen Australien beginnt. Mehr, das heißt auch, dass nur die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr das Ziel sein kann.

"Es war ein besonderes Gefühl für mich"

PROGRAMM DER DFB-ELF

Montag,19. Juni,17.00 Uhr
Australien -Deutschland,Confed Cup
Donnerstag,22. Juni,20.00 Uhr
Deutschland -Chile,Confed Cup
Sonntag,25. Juni,17:00 Uhr
Deutschland -Kamerun,Confed Cup

Natürlich werden nicht alle 21, die in diesem Sommer dabei sind, dieses Ziel erreichen. Das ist der Grund, warum es für diese Profis wohl tatsächlich etwas Besonderes ist, für die Nationalmannschaft zu spielen - auch wenn das vor einer Drittligakulisse geschieht und einem der Starkwind aus dem Öresund um die Ohren pfeift. Und Bundestrainer Joachim Löw hatte es ja klar gesagt: "Das Ziel für mich ist, drei oder vier, vielleicht sogar fünf Spieler so weit zu bekommen, dass sie in der Lage sind, Druck zu machen auf unsere etablierten Spieler." Und, wie sieht's aus, Herr Stindl? "Es war ein besonderes Gefühl für mich, diese Chance bekommen zu haben, eine besondere Erfahrung. Es hat Spaß gemacht." Das klang jetzt nicht besonders forsch. Aber ein bisschen mehr darf es doch sein, oder? "Ich bin jetzt erst einmal froh, über einen längeren Zeitraum dabei zu sein. Es ist eine Herausforderung für uns alle." Stindl weiß, dass er sich nur auf dem Platz empfehlen kann.

Dabei ist seine Perspektive eine andere als die der jüngeren Kollegen, er ist der zweitälteste Spieler im Kader - nach Sandro Wagner, der mit 29 Jahren sein Debüt in Deutschlands wichtigster Mannschaft feierte und hinterher zu Protokoll gab: "Ich freue mich, es war mein großer Traum, der jetzt in Erfüllung gegangen ist. Es war ein tolles Ereignis." Neben den beiden stand mit Kevin Trapp ein dritter Debütant in der Startelf, der Torhüter von Paris St. Germain ist 26 Jahre alt und hat gezeigt, dass es kein Risiko wäre, ihn als zweiten oder dritten Mann hinter Manuel Neuer vom FC Bayern, der unangefochtenen Nummer eins, mit zur WM zu nehmen. Drei weitere Neulinge wechselte Löw im Laufe der Partie gegen Dänemark ein: Amin Younes von Ajax Amsterdam und Kerem Demirbay von der TSG Hoffenheim, beide 23 Jahre alt; und Marvin Plattenhardt von der Berliner Hertha, 25 Jahre alt. Bleibt also nach diesen sechs Debüts im Kader mit dem ebenso jungen Leipziger Diego Demme nur noch ein Spieler, der noch kein Länderspiel gemacht hat.

Sie alle eint, dass sie offensichtlich den Auftrag des Bundestrainers ernst nehmen. Die zweite Garde probt den Aufstand. Shkodran Mustafi hatte am Montag gar über den Confed Cup gesagt, dass er "solche Turniere immer geil" findet. Nun werden besagte Etablierte wie Marco Reus, Ilkay Gündogan, Benedikt Höwedes, Jérôme Boateng, Mats Hummels, Thomas Müller, Sami Khedira, Mesut Özil und Toni Kroos ob der Leistung beim Remis gegen die Dänen nicht gleich vor Schreck vom Sofa gefallen sein.

Aber sie werden mutmaßlich ganz genau beobachten, was diese Confed-Cup-Combo des DFB in diesem Sommer noch so alles anstellt. "Ich bin schon der Meinung, dass wir das nicht so schlecht gemacht haben, dass wir spielerisch schon ganz gute Ansätze gezeigt haben", sagte der 22 Jahre alte Münchner Joshua Kimmich. Just als die dänischen Zuschauer schon sangen: "Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei", hatte er zwei Minuten vor dem Ende der Partie mit einem Fallrückzieher den Ausgleich erzielt. "Wir hätten natürlich gerne gewonnen, aber am Ende sind wir dann auch mit dem Unentschieden zufrieden. Wichtiger als das Ergebnis ist, dass wir gesehen haben, dass wir mit der Truppe auf jeden Fall guten Fußball spielen können." In der Tat: Die Mannschaft hat im Bröndby-Stadion angedeutet, dass sie in der Lage ist, ein wenig Druck zu machen. Und das ist durchaus etwas Besonderes.

Quelle: n-tv.de

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