Fußball

Salah mutiert zu Bestem der Welt Die Ein-Mann-Demütigungsmaschine

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Nach seinen drei Toren gegen Manchester United wurde Salah von Trainer Jürgen Klopp geherzt - und wollte den Spielball gar nicht mehr hergeben.

(Foto: picture alliance / empics)

Keiner tanzt derzeit so schön und erfolgreich mit dem Ball wie Mohamed Salah vom FC Liverpool. Der Ägypter demütigt Manchester United in dessen hauseigenem Old Trafford und schießt so unglaubliche Tore, dass sein Trainer Jürgen Klopp ihn zum besten Fußballer der Welt kürt. Völlig zu Recht.

Ein wenig verwundert dürften die Liverpooler Fans diesmal schon dreingeschaut haben. Vielleicht waren manche gar ein wenig bedröppelt. Denn wie konnte das sein: Mohamed Salah erzielt am Sonntag drei Treffer - und keiner davon ist ein absolutes Traumtor? Das geht doch eigentlich gar nicht. Dieser Tage sind die LFC-Anhänger wahrlich verwöhnt, denn ihr Superstürmer mutierte in den vergangenen Wochen zum besten Fußballer der Welt. Einer seiner Treffer war schöner anzusehen als der nächste.

Aber auch ohne absolutes Sahne-Tor demütigte Salah den Reds-Erzfeind Manchester United und Stürmer-Legende Cristiano Ronaldo beim 5:0 (4:0)-Sieg im Old Trafford. Zunächst eine zuckersüße Ballmitnahme samt Drehung und Pass auf Naby Keita zum 1:0. Dann ein Abstauber aus fünf Metern, dem ein traumhafter Hackenpass von Salah selbst vorausgegangen war, im Stile eines Strafraumstürmers zum 3:0. Anschließend kurz vor der Pause ein wohl platzierter Schuss aus zwölf Metern, der direkt neben dem Pfosten einschlagen musste, damit Torhüter David de Gea wirklich keine Chance mehr hatte - und der genau neben dem Pfosten zum 4:0 einschlug. Und als Krönung ein feiner Chip zum 5:0 über die Beine de Geas nach Jordan Hendersons überragendem Außenristpass über das halbe Feld.

"Dieses Team wollte immer ihr eigenes kleines Kapitel für das große, große Geschichtsbuch dieses Vereins schreiben. Das heute Abend war ein Kapitel. Man wird in der Zukunft zu hundert Prozent darüber reden", sagte Liverpool-Coach Jürgen Klopp im Anschluss an die Partie. "Gegen Mo Salah in dieser Verfassung zu spielen, ist sicher kein Zuckerschlecken", fügte der deutsche Teammanager an. Erst jüngst hatte er verkündet: "Wir müssen nicht über Ronaldo und Messi reden, was sie für den Weltfußball getan und wie sie ihn dominiert haben. Im Augenblick ist aber keiner besser als er."

Wie ein junger Lionel Messi

Die Ein-Mann-Demütigungsmaschine. Der derzeit beste Fußballer der Welt. Sechs Tore in sechs Spielen beim Erzfeind im Old Trafford hat der Ägypter nun erzielt. Und als erster Gästespieler in der Premier-League-Geschichte markierte er einen Hattrick bei den Red Devils. Gut möglich, dass der 29-Jährige an diesem Abend sogar United-Teammanager Ole Gunnar Solskjaer aus seinem Amt schoss. Schließlich hatte dessen Vorgänger Jose Mourinho seinen Job im Dezember 2018 nach einer 1:3-Niederlage in Liverpool verloren.

Aber Achtung, Stichwort Demütigung: Nichts läge dem bescheidenen, fast schon schüchternen Salah ferner. Doch er ist einfach zu gut. Seine Dribblings sind zu schnell, zu finessenreich, zu raffiniert - ja, zu kunstvoll. Mit seinen Aktionen bleibt ihm fast gar nichts anderes übrig, als die gegnerischen Mannschaften zu erniedrigen. Salah, der in den vergangenen Spielzeiten bereits grandios performte, wirkte wie ein junger Lionel Messi in den vergangenen Wochen, in denen er nach Belieben traf und kaum vom Ball zu trennen war. In Manchester überholte der Stürmer auch den Ivorer Didier Drogba (104 Tore) als erfolgreichster afrikanischer Torschütze in der Premier-League-Geschichte (107 Treffer).

Sagenhafte 20 Torbeteiligungen, 15 Treffer und fünf Vorlagen, sammelte der Ägypter bisher in seinen zwölf Spielen in dieser Saison. In der Liga schoss er genauso viele Tore wie der gesamte FC Arsenal, sogar eins mehr als alle Tottenham-Kicker zusammen. Mit dem Prädikat absolute Weltklasse konnten - ach was: mussten - zuletzt vor allem zwei Tore ausgezeichnet werden. Da war zunächst Salahs Magie gegen Manchester City, als er beim 2:2 erst drei Gegner an der rechten Strafraumkante narrte, den Ball fast schon zärtlich mit der Sohle streichelte und in den Strafraum vorstieß. Dort ließ er mit einem Haken drei weitere Verteidiger ins Leere laufen und grätschen - um anschließend mit seinem schwachen rechten Fuß ins lange Eck zu vollenden. Wahnsinn!

Der mit dem Ball tanzt

Dem Spektakel gegen City ließ Salah aber direkt im nächsten Premier-League-Spiel eine Steigerung folgen. Beim 5:0 gegen den FC Watford tanzte der Stürmer die gesamte Abwehr aus. Und wie! Auf engstem Raum stieg der Ägypter auf den Ball, verzögerte, schob ihn elegant am Gegner vorbei. Eine weitere Körpertäuschung und der nächste Verteidiger flog vorbei. Diesmal mit dem starken Linken schlenzte Salah anschließend wunderschön das 4:0. Wieder Wahnsinn! Unfassbar! Ein Gedicht, geschrieben mit den Füßen!

Mit diesem Weltklasse-Ägypter ist Klopps FC Liverpool einer der Favoriten im Kampf um die Meisterschaft (derzeit steht nur Thomas Tuchels FC Chelsea vor den Reds) - und auf den Champions-League-Henkelpott, wo das Team mit drei Siegen aus drei Spielen klar auf Kurs Achtelfinale steuert. Doch Salah ist so viel mehr als nur Tore, Siege und Fußball.

In seiner Heimat ist der 29-Jährige längst eine lebende Legende. Eine nationale Ikone. Er gibt Menschen vor Ort, vor allem Kindern, Hoffnung. Der bis 2020 amtierende Vorsitzende des ägyptischen Erstligisten Zamalek, Mortada Mansour, nannte den Stürmer einst "die Quelle des Glücks für Millionen von Ägyptern". Bei der Präsidentschaftswahl 2018 erhielt Salah gar die zweitmeisten Stimmen - obwohl er nicht mal zur Wahl stand. Mehr als eine Million Ägypter hatten seinen Namen einfach auf den Stimmzetteln notiert.

Lewandowski bangt schon

2017 schoss Salah Ägypten zum ersten Mal seit 1990 wieder zu einer Weltmeisterschaft. Straßen und Schulen wurden schon nach ihm benannt, auch wenn beim Turnier in Russland schon nach der Vorrunde Schluss war. Er schafft, was wohl niemandem in seinem Land gelingt: Er bekommt sowohl Glückwünsche vom Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi als auch von der mittlerweile verbotenen Muslimbruderschaft, die al-Sisi 2014 entmachtet hatte. Aber auch über Ägypten hinaus gilt Salah in der arabischen Welt als Symbol, dass einer von ihnen es bei den ganz Großen zum Allergrößten geschafft hat.

Auch offiziell der Allergrößte werden könnte Salah, wenn er in diesem Jahr die Wahl zum Weltfußballer gewinnt und den Goldenen Schuh als bester Torschütze abräumt. Robert Lewandowski vom FC Bayern dürfte etwas dagegen haben, Kylian Mbappé von Paris St. Germain auch. Aber momentan überragt er sie alle, die Ein-Mann-Demütigungsmaschine vom FC Liverpool. Der mit dem Ball tanzende Mohamed Salah.

Quelle: ntv.de

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